Gastrobeben im Dreimühlenviertel

Stammgäste trauern vor Schließung von Kult-Lokal: „Sollte unter Denkmalschutz gestellt werden“

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Ende September schließt das Bavarese im Dreimühlenviertel für immer seine Pforten.

Bei Feinschmeckern und Kneipenfreunden ist das Dreimühlenviertel längst kein Geheimtipp mehr. Jetzt kommt es dort zum Gastro-Beben.

Update vom 5. September 2019: Das Makassar und das italienische Restaurant Alla Famiglia haben ihre Räumlichkeiten längst verlassen, Nachfolger sind eingezogen. Nun ist klar, wann das nächste Kult-Lokal aus dem Dreimühlenviertel verschwindet. Am 29. September schließt das Bavarese in der Ehrengutstraße für immer seine Pforten.

„Wir gehen, aber nicht ohne großen Knall“, kündigen die Betreiber auf Facebook eine rauschende Abschiedsfeier an. Das Bavarese-Team hofft auf den Besuch vieler Stammgäste. „Alle, mit denen wir in den letzten 14 Jahren schöne Abende verbringen durften: Kommt vorbei und lasst uns dem Bavarese den Abschied bereiten, den es verdient“, ist in dem Post zu lesen.

Unter der Ankündigung mehren sich traurige Kommentare. Ein Facebook-User äußert sich besonders emotional. Er findet, das Bavarese sollte unter Denkmalschutz gestellt werden: „Wo soll man dann bloß in München so lecker Pizza, Schnitzel etc. essen gehen, dabei so schön sitzen und dann gegenüber in die Lieblingsbar gehen können?“

lks

Gastrobeben in München - drei Kult-Lokale verkünden Aus: „Können das nicht mehr zahlen“

Unser Artikel vom 28. Mai 2019:

München - Gleich drei alteingesessene Lokale auf nur 200 Metern schließen: das Makassar, das Alla Famiglia und das Bavarese.

Am längsten residierte hier das französisch-kreolische Gourmetrestaurant Makassar an der Dreimühlenstraße. Nach 27 Jahren ist am Mittwoch Schluss. „Der Abschied fällt uns sehr schwer“, erzählt Betreiber Roland Dimpfl unserer Zeitung. „Aber wir sind alt und müde. Wir haben immer sechs Tage in der Woche gearbeitet und nie länger als zehn Tage Urlaub pro Jahr machen können. Bei den hohen laufenden Kosten in München kann man sich Auszeiten nicht leisten.“

München: Drei Kult-Lokale müssen schließen

Es gehe nicht nur um die eigene Miete, sagt Dimpfl. Jahrelang habe man versucht, einen guten Koch aus Frankreich anzuheuern. „Aber bei den hohen Preisen in der Stadt kommt keiner.“ Und so kam es, dass Dimpfl und sein Partner Roger Baranda jahrelang alles alleine bestreiten mussten. Sie haben viel erlebt in der langen Zeit. Als Geheimtipp unter den Promilokalen haben sie unter anderem Felicity Huffman, Brad Pitt, Abba und Viktoria von Schweden bewirtet. „Die hatte als Mickey Mouse reserviert – und wir dachten, das sei ein Kindergeburtstag“, erzählt Dimpfl. Auch die vielen Stammgäste verbinden Geschichten mit dem Makassar. „Die Gäste erzählen, dass sie hier ihr erstes Date hatten oder das letzte Essen, bevor die Mutter starb.“

Jetzt nehmen sich Roland Dimpfl und Roger Baranda die wohlverdiente Auszeit. „Wir reisen durch Frankreich und Spanien. Und vielleicht eröffnen wir irgendwann eine kleine Bar in München. Wenn sich die Bedingungen bis dahin gebessert haben.“

Video: Mieten sinken erstmals seit Jahren... anscheinend nicht genug

Alla-Famiglia-Inhaber klagt über hohe Mieten: „Das können wir nicht mehr zahlen“

Die hohen Mieten sind beim italienischen Restaurant Alla Famiglia am Rande der Ehrengutstraße der Hauptgrund für das Aus. Am Donnerstag ist hier Zapfenstreich. „Nach fünf Jahren ging es bei uns um die Vertragsverlängerung“, sagt Inhaber Francesco Laurea. „Der Vermieter wollte die Miete erhöhen – aber das können wir nicht mehr zahlen. Leider.“

Die Nachricht über die dritte Schließung ist erst in den vergangenen Tagen durchgesickert: Das bayerisch-italienische Kultlokal Bavarese, das nicht zuletzt wegen seiner großen Terrasse beliebt ist, wird nach 14 Jahren Ende September dicht machen. Zu den Gründen will sich der Wirt Jan Oltznauer nicht äußern. Immerhin: Das dazugehörige Valentin Stüberl auf der anderen Seite soll offen bleiben.

Auch in der Maxvorstadt musste eine Kult-Bar schließen, der letzte Abend geriet zu einer emotionalen Angelegenheit. Nicht weit vom Dreimühlenviertel entfernt droht auch der Traditionskneipe Geyerwally das Aus. 

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