Sommerspektakel im Nußbaumpark

Drogen-Umschlagplatz am Sendlinger Tor wird zum Biergarten

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Auf ein Neues: Zehra Spindler geht mit ihrem Sommerprojekt im Nußbaumpark in die zweite Runde.

Der Nußbaumpark  zwischen Sendlinger Tor und Universitätsklinikum ist viel zu schön, um ihn allein den Drogensüchtigen zu überlassen. Drum soll der Ort ab Juni wieder eine Oase für alle werden - mit Biergarten, Liegestühlen und Live-Musik. 

Der Nußbaumpark-Sommer mit Biergarten, Mittagsgastro, Kultur- und Mitmachangeboten wird Anfang Juni neu aufgelegt. Die kreative Zehra Spindler (51), ein waschechtes Münchner Kindl, traut sich mit einem Team aus Glockenbachwirten um Nick Mannu in ihre zweite Parksaison.

Mittagspause und Feierabendbier im Nußbaumpark

„Wir sind vergangenes Jahr nach viel Sommerspaß und -arbeit mit plus minus null rausgekommen“, erklärt sie. „Die Resonanz war aber sehr positiv und es gab überhaupt keine Lärmbeschwerden, weil wir die Live-Musik nur unverstärkt gespielt haben“, bilanziert Spindler. Besonders das Mittagessen und eine kleine Pause in den Liegestühlen seien beliebt gewesen. Viele Ärzte aus den umliegenden Kliniken, Büroangestellte und Anwohner seien gekommen.

Im Juni geht es am Sendlinger Tor los, der exakte Termin hängt noch von den letzten Genehmigungen der Stadtverwaltung ab. Einige Änderungen gibt es heuer auch. Zum Beispiel gehen die Veranstalter mit einem Biergarten-Konzept an den Start – mit normalem Hellen vom Fass und nicht nur Craft-Bier. Das war den Besuchern wichtig. Und: „Letztes Jahr hat Condrobs, die Sucht-, Kinder- und Jugendhilfe, die Bewirtung übernommen“, sagt Zahra Spindler. „Das können die aber nicht immer wieder stemmen.“

Deshalb ist heuer Nick Valerio Mannu, ein erfahrener Wirt aus dem Glockenbachviertel, an Bord. Alle musikalischen Darbietungen könne man in diesem Jahr über eigene Kopfhörer und Smartphones auch lauter hören. Und es wird freies Wlan geben.

Nußbaumpark: Anwohner dürfen sich kreativ einbringen

Das Programm im Park läuft von Montag bis Sonntag ab mittags bis 22 Uhr. Es gibt Musik, Talks, Spiele für Kinder, Pflanzaktionen und vieles mehr. Die Nachbarn sollen sich einbringen. Jeder, der Ideen hat, im Freien mit Gleichgesinnten stricken will oder ein Yogaprogramm anbietet, ist eingeladen, sich einzubringen. Das gilt auch für Künstler und Kreative, die mit Erwachsenen oder Kindern arbeiten wollen. „Man kann einfach vorbeikommen und kurzfristig etwas anbieten“, erklärt die umtriebige Zehra Spindler. „Unser Programm entwickelt sich täglich neu. Ich will und kann den Anwohnern nichts aufzwingen. Viele haben super Ideen und Fähigkeiten und machen einfach was los, ich will nicht zu viel steuern oder von außen bestimmen.“

Biergarten im Brennpunkt als soziokulturelles Projekt

Entscheidend für Spindler ist gegenseitige Toleranz im Park, gerade auch mit den Drogensüchtigen. „Die Leute haben großes Interesse an Informationen über das Leben auf der Straße und den Problemen von Alkoholikern, Junkies und anderen Suchtkranken“, erklärt sie. Das haben viele Gespräche von Ärzten, Beratungsstellen und anderen Aktiven gezeigt, die vergangenes Jahr im Nußbaumpark mit dabei waren und die Diskussion mit den Bürgern gesucht haben.

Zehra Spindler hofft, dass auch in diesem Sommer wieder Helfer der mobilen Ärzte, Sozialarbeiter von Condrobs oder der Teestube „komm“ aus der Zenettistraße und andere Fachleute in den Nußbaumpark kommen und die Gäste informieren. „Viele interessieren sich für die Schicksale und Zustände der betroffenen Süchtigen“, sagt sie. Nur gegenseitiges Wissen und Verständnis könnten dem Park bei der Weiterentwicklung helfen. „Wir können in unserer Stadtgesellschaft das Elend von Randgruppen nicht einfach verdrängen.“

Bettina Ulrichs

Kaum zu glauben, aber wahr: Schöne Biergärten in München – in die ganz sicher nicht jeder rennt, gibt es noch, ebenso Plätze, wo Sie jetzt schon die Sonne genießen können. 

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