„Wenn die sich verdrängt fühlen, verstehe ich das“

„Sch*** Luxusbunker“: Erneut Attacke auf Haus im Glockenbachviertel

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Auf das Gebäude an der Ecke Erhardstraße / Fraunhoferstraße wurde mal wieder ein Anschlag mit Farbbeuteln begangen.

Gentrifizierung, Luxussanierungen und Mietsteigerungen sind fast allen Münchnern ein Dorn im Auge. Jetzt gab es wieder eine Attacke auf ein bekanntes Gebäude.

München - Die Glockenbachsuiten an der Reichenbachbrücke sind erneut das Ziel einer Attacke von rabiaten Gentrifizierungsgegnern geworden. Gelbe Farbbeutel haben die Fassade an der Ehrhardtstraße getroffen. Vor zwei Jahren gab es bereits zwei Vorfälle dieser Art, einmal griffen sogar 20 Maskierte das Luxusgebäude an. Der neueste Fall zeigt: Die Täter haben sich offenbar auf das Glockenbachviertel und dessen Umgebung eingeschossen.

„Ich kann den Ärger der Anwohner über Luxusbauten und hohe Mieten nachvollziehen“, sagt Cornelius Wagner, Inhaber des Cafes Wagners Juicery im betroffenen Gebäude. Gerade die Isarvorstadt sei für ihr alternativeres Publikum bekannt. „Wenn die sich verdrängt fühlen, verstehe ich das.“ Die aktuelle Farbbeutelattacke sei für sich genommen zwar nicht so wild, da die Farbe abwaschbar sei – aber die Tendenz macht ihm Sorgen. Wenn wie bei anderen Gebäuden Scheiben eingeschmissen werden oder die Fassade stark beschädigt wird, gehe das zu weit.

Cornelius Wagner, Inhaber des Cafes Wagners Juicery.

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„Sch*** Luxusbunker“

Glockenbachsuite-Mieter Wagner erzählt, er habe bereits eine Konfrontation mit Passanten gehabt, die eine Wut auf den „Sch*** Luxusbunker“ hatten. Er sagt: „Wenn Leute bepöbelt oder gar gewalttätig angegangen werden, hört mein Verständis auf!“

Die für die Isarvorstadt zuständige Polizeiinspektion 14 (Westend) wusste zunächst nichts von der neuerlichen Farbattacke auf den Luxuswohnblock im Glockenbachviertel. „Bislang wurde der Fall noch nicht zur Anzeige gebracht“, sagt Polizeisprecher Florian Hirschauer. Kontaktbeamte werden sich nun mit Bewohnern und Hausverwaltung in Verbindung setzen. Die Polizei vermutet die im Viertel beheimatete linke Szene als Hauptgrund, warum immer wieder Gebäude zum Ziel von Farbbeutelangriffen, Graffiti-Schmierereien und Steinwürfen werden.

Nicht nur die Glockenbach-Suiten stehen im Visier der Vandalen, auch das Rodenstock-Gebäude im Dreimühlenviertel wurde in den vergangenen Monaten regelmäßig verunstaltet. Dort sind die Täter auch mit hartnäckigen Ölfarben und sogar Teer am Werk. Der Versicherungsschaden an dem Haus geht mittlerweile in die Hunderttausende.

Nicht das erste Gebäude, das beschädigt wurde

In den vergangenen zwei Jahren wurden auch ein Immobilienbüro an der Humboldtstraße und die Räumlichkeiten eines Bauträgers an der Baldestraße beschädigt. Am Baldeplatz hatten die Täter 2017 sogar eine Papiertonne in Brand gesteckt.

Die Polizei ist den Tätern aber auf den Fersen. Eine eigene Koordinierungsgruppe „Graffiti“ vom Kommissariat 23 befasst sich mit den Fällen. Die Beamten versuchen, bestimmte Schriftzüge spezifischen Tätergruppen zuzuordnen. Gelegentlich gelingen auch Festnahmen. Eine ganze Szene auszuheben, sei aber fast unmöglich. Bei politisch motivierten Taten, wie es bei den Glockenbach-Suiten offenbar der Fall ist, ermittelt auch der Staatsschutz.


N. Bautz/ J. Heininger 

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