Schlimmste Befürchtungen bestätigen sich

Münchner bangen nach Investoren-Deal: Hinterhof-Idyll soll verschwinden - „Am Rande der Legalität“

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Die Fraunhoferstraße verändert ihr Gesicht - vor allem in den Hinterhöfen.

Nach dem Verkauf des Hauses Fraunhoferstraße 13 an einen Luxemburger Investor bestätigen sich die Befürchtungen der Betroffenen: Die beiden Hinterhäuser sollen wohl Luxuswohnungen weichen. 

München - Für zehn Jahre hat André Bahlo einen Mietvertrag für sein Fischlokal mit dem persönlichen Flair vereinbart. Der Wirt, der auch das Garbo an der Kaiserstraße betreibt, hat hier umgebaut und investiert. Mittlerweile ist das Lokal seine Haupteinnahmequelle, 16 Mitarbeiter sind in der Pescheria angestellt. Das Problem: Bahlos Gastraum und die Toiletten reichen bis ins Hinterhaus hinein. Deshalb können die Seitenflügel nicht abgerissen werden, solange die Pescheria besteht. „Ich möchte den Betrieb regulär fortsetzen“, sagt Bahlo. „Ich würde mich auch auf eine Pause oder eine Verkleinerung des Gastraums einlassen, allerdings nur, wenn eine weitere Verlängerung und der Fortbestand des Lokals möglich sind.“ Das habe der neue Eigentümer kategorisch abgelehnt. Man habe auch eine Entschädigung für die vorzeitige Kündigung des Mietvertrags geboten, allerdings in einer viel zu kleinen Höhe. „Die tatsächlichen Zahlen kann ich nach Bilanz und Steuer genau vorlegen“, so Bahlo. 

Fürchtet um den Fortbestand seines Fischlokals: „Pescheria“-Betreiber André Bahlo.

Nun beginne der Investor, den bestehenden Mietvertrag anzufechten und den Wirt juristisch unter Druck zu setzen. Bahlo musste ebenfalls einen Anwalt einschalten. „Das ist am Rande der Legalität“, klagt der Wirt. „Unser Vertrag wird angezweifelt, der Stressfaktor und die Angst, Fehler zu machen, sind enorm. Auch meine Mitarbeiter leiden sehr.“

München: Gewachsene Hinterhofgemeinschaft bedroht

Mehr als bedauerlich findet auch der bisher im Hinterhof etablierte Künstler Jan Frankl das erzwungene Ende einer gewachsenen Hinterhofgemeinschaft. Sein „Malort“, ein Kreativraum für Schüler, Erwachsene und Gruppen, ist der letzte noch intakte Bestandteil der jahrzehntelang sehr lebendigen, bunten Hofgemeinschaft aus Kleingewerbe und Mietern. „Unser Malort ist ein heller Kreativraum und Treffpunkt, auch für Chöre und andere Gruppen aus dem Viertel. Mit der unten arbeitenden Grafikerin und vielen anderen Nachbarn hatten wir sehr guten Kontakt“, sagt Frankl. Gemeinsam haben sie den Hinterhof als Kleinod gepflegt und belebt. In diesem Sommer ist das vorbei. Dann endet der Mietvertag des Malorts.

Betroffene und Nachbarn hoffen auf Hilfe der Politik. „Dient die Stadtpolitik nur noch dem Geld und der Macht?“, fragt etwa André Bahlo. Doch Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher vom Bezirksausschuss Ludwigs- und Isarvorstadt kann ihnen wenig Hoffnung machen. „Wir können nur schwer eingreifen“, sagt er. „Die Gegenpartei hat sicher tolle Anwälte. Das Einzige, was wir mitsteuern können, ist der geplante Umbau des denkmalgeschützten Vorderhauses. Beispielsweise steht die Treppe unter Denkmalschutz, das werden wir bei der Beurteilung der Umbaupläne berücksichtigen und einwenden.“

Keine Gnade in der Frauenhoferstraße

Geplant ist hier ein Ausbau des Dachgeschosses zu Wohnzwecken. Ferner sollen Balkone und ein Außenaufzug angebracht werden. Auch das lässt darauf schließen, dass die Wohnungen saniert und verkauft werden sollen.

Für die beiden Hinterhäuser gibt es kein Pardon. Hier greift kein Denkmalschutz, und in der Fraunhoferstraße 13 gilt auch keine Erhaltungssatzung. Die Häuser sind also zum Abriss freigegeben.

München: Investor aus Luxemburg plant Projekt

Auch der vorherige Eigentümer, der das Haus auf Druck seiner Geschwister in der Erbengemeinschaft verkauft hat, ist betroffen. Er wohnt mit seiner Ehefrau im linken Hinterhausflügel gegenüber dem Malort und hat eigentlich bis 2020 ein Wohnrecht. Nun muss auch er das Ende des grünen Hinterhofs miterleben und voraussichtlich schon dieses Jahr weichen. Finanziell hat er allerdings eher keine Probleme, eine neue Wohnung zu finden.

Der Investor, die Fondsgesellschaft Jargonnant Partners aus Luxemburg, die ein eigenes Büro in München unterhält, wollte sich auf Anfrage zu dem Projekt nicht äußern.

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