120 Parkplätze gestrichen

Welle der Empörung wegen Parkplatz-Kahlschlag an der Fraunhoferstraße

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Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) stellt sich bei einem Ortstermin den Anwohnern und Geschäftsleuten.

Die Pläne der Stadt, an der Fraunhoferstraße alle 120 Parkplätze zu streichen, haben bei vielen Anwohnern und Geschäftsleuten eine Welle der Empörung ausgelöst. 

München - Wenn jemand einer Abneigung gegen Radfahrer unverdächtig ist, dann Ralf Brey. Seit 17 Jahren leitet er das Traditionsgeschäft Riesenhuber. Die Firma verkauft und repariert Fahrräder – seit 1897. Dass nun anstelle der Parkplätze vor seiner Ladentür ein breiter Radweg eingerichtet werden soll, freut Brey aber nicht etwa – im Gegenteil. „Mehrmals pro Tag werden bei uns Fahrräder angeliefert.“ Die Kartons wögen 30 bis 40 Kilogramm. „Die Fahrzeuge müssen irgendwo stehen bleiben. Wie soll das funktionieren?“, fragt sich der Ladenbesitzer. Der Schlosser Florian Hausmann sieht das genauso. Auch er bekommt jeden Tag teils tonnenschweres Material angeliefert.

Geschäftsleute aus der Fraunhoferstraße richten Protestschreiben an OB Dieter Reiter

Wie Brey und Hausmann denken viele Geschäftsleute und Anwohner der Fraunhoferstraße. Sie haben ein Protestschreiben an OB Dieter Reiter (SPD) gerichtet. Vor zwei Wochen hatte der Planungsausschuss des Stadtrats mit knapper Mehrheit von SPD, Grünen und Linken beschlossen, alle 120 Parkplätze entlang der Fraunhoferstraße zu streichen und stattdessen Radwege einzurichten sowie die Gehwege zu verbreitern. Derzeit müssen sich fahrende und parkende Autos, die Tram sowie Radfahrer den engen Raum teilen. Dies gehe auf Kosten der Sicherheit der Radler, meinen SPD, Grüne und Verwaltung. Die Vollversammlung muss dieses Votum am 26. Juni bestätigen.

CSU will einen Kompromiss - Wegfall aller Parkplätze sei eine „Katastrophe“

Doch gut möglich, dass in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Denn die CSU will mit einem Dringlichkeitsantrag auf einen Kompromiss hinwirken. Bürgermeister Manuel Pretzl: „Ein temporäres Parken für Anwohner und Anlieger nachts sowie für den Lieferverkehr von 9 bis 12 Uhr könnte ein gangbarer Weg sein.“ Die CSU hatte zusammen mit FDP und Bayernpartei schon im Planungsausschuss den Verwaltungsvorschlag abgelehnt. Pretzl spricht am Mittwoch bei einem Ortstermin von einem „rigorosen und rücksichtslosen Vorgehen“. Der Wegfall aller Parkplätze sei für kleine inhabergeführte Geschäfte eine „Katastrophe“. Dasselbe gelte für die Gastwirtschaften an der Straße: „Man kann das Bier nicht mit der Sackkarre anliefern.“ Der Vorschlag des Kreisverwaltungsreferats, für jede einzelne Lieferung eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, sei „weltfremd“, sagt Pretzl.

Geschäftsleute fühlen sich überrumpelt - Einbahnstraße eine Lösung?

Anwohner und Geschäftsleute fühlen sich von der Entscheidung der Stadt überrumpelt und sprechen von einer „Hauruck-Lösung“, wie am Mittwoch deutlich wird – obwohl bei einer Bürgerversammlung vor zwei Jahren die Mehrheit der Anwesenden die Radwege befürwortet hatte. Das haben aber wohl die wenigsten mitbekommen. Rifat Kavuk, der an der Fraunhoferstraße wohnt und dort einen Friseur- und Kosmetikladen betreibt, befürchtet, dass ohne Parkplätze eine „Schnellstraße für Autos“ entsteht. An der Straße wohnten viele Familien mit Kindern und ältere Menschen. Außerdem gebe es mehrere Ärzte, deren Patienten auf Parkplätze angewiesen seien. Marion Kilian vom gleichnamigen Schlüsseldienst sagt, sie habe „ein Herz für Radfahrer“. Aber das sei der falsche Weg. Sie könnte sich eine verkehrsberuhigte Zone vorstellen. Ralf Brey vom Fahrradgeschäft Riesenhuber bringt die Idee einer Einbahnstraße ins Spiel. Ein weiteres Problem: Die ohnehin kostspieligen und raren Stellplätze in Tiefgaragen würden vermutlich unerschwinglich werden.

Pretzl mit Seitenhieb gegen SPD: „politisch motivierter Schnellschuss“

Pretzl resümiert, die Stadt könne den Menschen „nicht die kalte Schulter zeigen“. Der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Hans Theiss, erklärt: „Um die Struktur des Viertels mit seinen kleinen Läden zu erhalten, brauchen wir ein Miteinander der Verkehrsformen.“ Die CSU will nun, dass die Stadt die Pläne stoppt und Gewerbetreibende sowie Anwohner bei der Suche nach einer Lösung einbindet.

Einen Seitenhieb auf die SPD, den CSU-Kooperationspartner im Rathaus, kann sich Pretzl nicht verkneifen. Er spricht von einem „politisch motivierten Schnellschuss“. Die SPD laufe aufgrund der schlechten Wahlergebnisse nun panisch den Grünen hinterher und habe „ihre bislang vernünftige Verkehrspolitik“ aufgegeben.

Nach dem Verkauf des Hauses Fraunhoferstraße 13 an einen Luxemburger Investor bestätigen sich die Befürchtungen der Betroffenen: Die beiden Hinterhäuser sollen wohl Luxuswohnungen weichen.

Klaus Vick

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