Gastro-Lärm droht

Geplanter Szenetreff schreckt Nachbarn auf: „Neues Konzept bedeutet volle Party-Stimmung“

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Die Anwohner der Pestalozzistraße, rechts Roland Brummer, fürchten laute Club-Nächte.

Kultur-Tausendsassa Julian Hahn will in der Isarvorstadt einen neuen Treffpunkt etablieren. An der Pestalozzistraße sorgt dies allerdings die Nachbarn.

München - Die Mietergemeinschaft der Pestalozzistraße 8 befürchtet, dass in ihrem Haus bald laute Clubnächte stattfinden. Bisher haben sie selber als Kollektiv hier den „Freiraum“, eine kreative Kunstgalerie betrieben. Nun soll Julian Hahn, der gemeinsam mit seinem Bruder Daniel die Münchner Gastro- und Subkulturszene belebt (MS Utting) und im Westpark das Café „Gans am Wasser“ betreibt, die Räume bespielen. Obwohl man sich seit längerem intensiv austauscht, sind die Fronten im Haus verhärtet.

Seit 1985 gab es in der Pestalozzistraße den Freiraum und ein Café. Auch im Dachgeschoss nutzte man Räume für Workshops oder Yoga, der Keller war zeitweise ein inoffizieller Theaterraum. Vor zwei Jahren kündigte der Hausbesitzer, die Anthroposophische Gesellschaft München, die selbstverwalteten Räume. Julian Hahn sagt, dass der Freiraum-Vorstand schon vorher Kontakt zu den Hahn-Brüdern aufgenommen hatte, ob diese nicht das bestehende Freiraum-Angebot mit neuen Leben füllen wollten. „Wir mussten damals ablehnen, weil das Café im Westpark gerade anlief. Ich hatte auch zunächst Bedenken wegen der Lage. Das Viertel ist sehr ausgelastet und hat sich seit dem Ende des Kunstparks Ost zur absoluten Partymeile entwickelt“, so Julian Hahn.

Das Partyvolk macht den Anwohnern im Glockenbachviertel zu schaffen - Anwohner müssen für den Dreck zahlen.  

Hausbesitzer wünscht sich mehr Kultur in seinen Räumen

„Uns hat die Kündigung kalt erwischt“, sagt hingegen Mieter Roland Brummer vom ehemaligen Freiraum-Vorstandsteam. „Man hat uns gesagt, es solle nun ein Angebot für junge Leute kommen, wir seien schlicht zu alt. Das mussten wir hinnehmen. Seit März ist auch das Café, das eine durchgehende Gaststättenkonzession hat, geschlossen.“

Gastro-Unternehmer Julian Hahn stößt mit einem neuen Projekt auf Skepsis bei Anwohnern im Glockenbachviertel. 

Julian Hahn hat in der Zwischenzeit mit Ira Diagne, die zunächst eine Konkurrentin um die Räume war, ein Konzept ausgearbeitet. Die Anthroposophische Gesellschaft hat die beiden ausgewählt, um das Haus mit einer Kulturbühne neu zu bespielen. Dazu wird demnächst ein Bauantrag gestellt, der den Keller direkt vom Café aus als offiziellen Raum mit Fluchtwegen und Lärmschutz erschließen soll. „Das Angebot der Hausbesitzer war doch sehr interessant. Es gibt hier keine hohe Miete, sodass wir durch die Gastronomie das kulturelle Angebot finanzieren können“, erklärt Hahn im Gespräch. Geplant sind ökologische Speisen und auch Food-Sharing-Menüs. Außerdem habe das Haus ein Dachgeschoss mit Galerie für Lesungen und Workshops. „Wir wollen hier einen Kulturbetrieb aufziehen und auch Raum für Initiativen geben, es geht uns nicht um ein Partyangebot,“ versichert Hahn, der die Probleme im Viertel auch aus Seminaren der städtischen Konfliktmanager AKIM sehr gut kennt. Allerdings werden die Veranstaltungen, insbesondere im Sommer, erst ab 21 Uhr beginnen. Vorher könne man das Publikum nicht erreichen.

Geplante Kulturbühne in der Pestalozzistraße: Denkmalschutz könnte einen Strich durch die Rechnung machen

Die Hausgemeinschaft befürchtet dagegen die Nutzung der Kellerräume für Clubnächte. Acht Vertreter von ihnen sind deshalb kürzlich in den Bezirksausschuss Ludwigs-/ Isarvorstadt gekommen. „Das neue Konzept bedeutet für uns jeden Freitag und Samstag, wahrscheinlich auch unter der Woche, volle Partystimmung und Lärm im und vor dem Haus, wie wir es bereits aus der Nachbarschaft kennen“, befürchtet Roland Brummer. Für die umfangreichen Umbaumaßnahmen im denkmalgeschützten Haus liegt noch kein Bauantrag vor. Mit dem Denkmalschutz könne man vielleicht ansetzen und auch kurzfristig einen Baustopp verhängen, empfehlen die Lokalpolitiker. „Grundsätzlich müssen die Anwohner in dieser Gegend den Lärm von Gaststätten und Clubs hinnehmen, weil es sich nicht um ein reines Wohngebiet handelt“, erklärt Florian Florack, CSU. Mancher Club bewege sich hier aber „in einer Grauzone, da nur eine Gaststättenkonzession vorliegt“.

Ein Eröffnungstermin für den neuen Kulturtreff ist derzeit noch nicht absehbar.

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