Duo prangert an

Münchner Spielplatz völlig verwahrlost: Mütter berichten von „sehr unangenehmer Aktion“

Wollen saubere und sichere Spielplätze für ihre Kinder: Anna Helidonis (li.) und Henriette Kuhrt am Glockenbachspielplatz ärgern sich über Scherben, Müll, Kippen und Kot.
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Wollen saubere und sichere Spielplätze für ihre Kinder: Anna Helidonis (li.) und Henriette Kuhrt am Glockenbachspielplatz ärgern sich über Scherben, Müll, Kippen und Kot.

Der Glockenbachspielplatz verwahrlost zunehmend, sagen zwei Mütter. Sie äußern ihr Entsetzen darüber, dass ihre Kinder immer öfter inmitten von Scherben, Kippen und Kot spielen.

München - Kippen, Scherben, Fäkalien und Müll seien seit Beginn der Corona-Pandemie zum Alltag auf dem Glockenbachspielplatz geworden, sagen Anna Helidonis und Henriette Kuhrt. Dass die simpelsten Regeln des öffentlichen Miteinanders mit Füßen getreten werden, ärgert die beiden Mütter aus dem Viertel extrem.

Glockenbachviertel in München: Spielplätze vermüllen immer mehr

„Die Spielplätze im Glockenbachviertel vermüllen immer mehr. Die Kinder spielen im Kot, ob von Menschen oder Hunden, und die Eltern müssen sie dann sauber machen, leider auch im Gesicht“, schildert Anna Helidonis, Mutter eines drei- und eines sechsjährigen Kindes ihre Erfahrungen. Die junge Frau schilderte vor vielen Lokalpolitikern im Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt ruhig und sachlich die für Eltern und Kinder nervenaufreibende Situation auch auf den umliegenden Innenstadtspielplätzen. Denn es sei nicht nur der Glockenbachspielplatz, auf dem es so aussehe.

Glockbachspielplatz - Hunde ein großes Problem

„Die Leute kommen mit Hunden in den abgegrenzten Spielbereich und weigern sich dann, den Hund draußen anzuketten“, ergänzt Henriette Kuhrt, eine mit Helidonis befreundete Mutter, die mit ihren zwei Kindern beim Spielplatz am Glockenbach wohnt. Unstrittig ist, dass Hunde auf Spielplätzen verboten sind, das bestätigten die BA-Politiker und der anwesende Polizeibeamte Rudolf Stadler. Es sei auch richtig, bei uneinsichtigen Hundehaltern die Polizei zu holen.

Glockenbach: So sehen die Mülleimer am Spielplatz seit Beginn der Corona-Pandemie regelmäßig aus.

Hundeverbot auf Spielplatz - Polizei offenbar keine Hilfe

Das hätten sie zuletzt auch getan, sagen die beiden Frauen – mit enttäuschendem Ergebnis: „Wir haben kürzlich die Polizei gerufen, weil eine Familie ihren Hund nicht entfernen wollte. Das war für uns eine sehr unangenehme, stressige Aktion“, erzählt Helidonis. „Die Beamten haben dann leider nicht kompetent den Hund des Platzes verwiesen, sondern rumgedruckst. Es wirkte, als ob sie selber vom Hundeverbot auf Spielplätzen nichts wüssten. Zu einer Anzeige ist es nicht gekommen, obwohl die Hundehalter im Gespräch mit uns vorab völlig unzugänglich waren.“

Stadler will dem nun als zuständiger Polizeiinspektionschef nachgehen und seine Polizisten unterweisen, den Ermessensspielraum bei ähnlichen Einsätzen zukünftig zu verkleinern und schneller Anzeigen gegen Hundehalter auszusprechen, die die geltenden Verbote offensichtlich missachten.

München Glockenbachviertel - Spielplätze verwahrlosen

Zur Verwahrlosung der Spielplätze, die die Mütter nicht hinnehmen wollen, tragen aber auch andere Menschen bei. Viele Erwachsene rauchten ungeniert im Spielbereich, schnippten ihre Kippen weg und hinterließen viel Müll, schildert Helidonis. „Und wir sprechen hier nicht von Jugendlichen, für die wir viel Verständnis haben“, ergänzt Kuhrt.

Die beiden Mütter wünschen sich mehr eindeutige Schilder auf den Spielplätzen, die klar anzeigen, dass Hunde verboten sind, Zigaretten und Alkohol hier nicht konsumiert werden dürfen und der Aufenthalt nur für Kinder und ihre Begleitpersonen erlaubt ist.

Es gebe eigentlich bereits eine ausreichende Beschilderung, sagte Beate Bidjanbeg (SPD). Sie schlägt deshalb eine gemeinsame Schildermalaktion vor, die das Thema saubere Spielplätze und geschützter Raum für Kinder verdeutlicht. „Jetzt, nach der Pandemie, liegen die Nerven der Menschen blank, alle müssen wieder zu sich kommen und sich gesellschaftlich zusammenreißen“, stellte sie fest.

Es müsse etwas passieren, sagen die beiden Mütter. Denn viele Orte in der Ludwigs- und Isarvorstadt für Kinder gebe es ohnehin nicht. „In den Nußbaumpark gehen wir beispielsweise gar nicht, da kommen dann auch noch Spritzen und benutzte Kondome dazu.“ Und: „An der Isar ist ein einziger Scherbenhaufen.“

Spielplätze im Glockenbachviertel - Reinigungskräfte bereits im Dauereinsatz

Abhilfe könnte kurzfristig eine tägliche Spielplatzreinigung bringen, zumindest an allen warmen Sommertagen. „Ich halte das aus gesundheitlichen Gründen, wegen Infektions- und Verletzungsrisiken für nötig und angemessen“, sagte die Grüne Helga Solfrank. Die Stadtverwaltung hat aber wegen der Pandemie-bedingten Zunahme des Müllaufkommens bereits die Reinigungsfrequenz für die Spielplätze im Glockenbachviertel erhöht und lässt diese bereits täglich durch ein beauftragtes Reinigungsunternehmen reinigen. „Wir sind bereits im Dauereinsatz: Eine weitere Intensivierung der Reinigung ist nicht mehr möglich, da die zur Verfügung stehenden Firmen keine weiteren Kapazitäten stellen können“, so die Pressestelle des Münchner Baureferats.

In Zukunft will man aber Sonderkontrollen durch die Anlagenaufsicht durchführen und insbesondere die unerlaubte Mitnahme von Hunden auf Spielplätzen kontrollieren. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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