Isarvorstadt

Das schrille Örtchen: Stars schmücken vergammeltes Klohäusl

Nun schmückt Queen-Sänger Freddie Mercury das alte Klohäusl am Holzplatz. Lange war es ein beschmiertes Schandfleckerl.

Das heruntergekommene Klohäuschen am Holzplatz im Glockenbach ist jetzt ein Kunstwerk! Stars schmücken die Wände. Was ist da passiert? 

München - Das alte Klo am Holzplatz ist schon lange außer Betrieb. Das grüne Achteck aus dem Jahr 1900 wurde zuletzt nur noch als Fläche für hässliche Schmierereien genutzt und galt als ein Schandfleck in der sonst so schönen Isarvorstadt. Diesen Zustand wollten der Verleger Martin Arz und der Wirt Thomas Zufall nicht mehr mit ansehen. Ein Blickfang sollte her, ein Kunstwerk. Am besten ein visuelles Denkmal für die großen Stars, die einst hier im Viertel lebten.

So wie beispielsweise Freddie Mercury. Der Sänger der Band Queen, der 1991 verstarb. Die Pop-Ikone verbrachte Ende der 70er-Jahre und Anfang der 80er-Jahre viel Zeit in München*, feierte rauschende Partys und lebte auch ganz in der Nähe in der Hans-Sachs-Straße. Für den großen Rainer Werner Fassbinder war das Viertel quasi wie sein Wohnzimmer. Das Physikgenie Albert Einstein wiederum verbrachte ganz in der Nähe, in der Adlzreiterstraße im Schlachthofviertel, seine Jugend. „Diese drei Personen sind so wichtig, dass wir sie einfach auswählen mussten“, erklärt Martin Arz. Nun also zieren sie das Klohäuserl.

Lange war das Klohäusl am Holzplatz im Glockenbachviertel ein Schandfleckerl.

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Künstler-Aktion im Glockenbach: Denkmalschutz musste seinen Segen geben

Grünes Licht für die Aktion zu bekommen, war zunächst gar nicht so leicht. „Allein für die Genehmigung der roten Farbe vom Denkmalschutz haben wir zwei Monate gebraucht“, sagt Beate Bidjanbeg (SPD) vom Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (BA). Gemeinsam mit Patricia Müller vom Kulturreferat hat sie maßgeblich dazu beigetragen, die Kunstaktion Wirklichkeit werden zu lassen. Auf dem Weg gab es viele Stolpersteine, bevor die Künstler des Kollektivs „Graphism“ endlich tätig werden konnten. So hätte sich der Denkmalschutz nicht nur gegen zu grelle Farben ausgesprochen, sondern erlaubte auch das direkte Bemalen der Außenwände nicht. Die Lösung: Platten aus Metall, gesichert mit Schrauben. Sie decken die historischen Wände ab. Dank eines Schutzlacks können Verschandelungen nun einfach weggeputzt werden. „Wir sind wirklich glücklich, dieses Kunstwerk nun nach drei Jahren verwirklicht zu haben“, freut sich Thomas Zufall. Martin Arz fügt an: „Es ist eine Hommage, die die Geschichte unseres Viertels aufgreift. Das haben die Künstler großartig umgesetzt.“ Das Klo selbst bleibt übrigens geschlossen. Erleichtern kann sich hier also niemand – aber dafür einen schönen Anblick genießen.

Links der junge Einstein, rechts Fassbinder: Michael Gmeiner (von li.), Lars von der Warth und Jörg Solzbacher haben das Häusl zum Hingucker gemacht.

Neues Leben für Toilettenhäuschen in München

Auch andere Sanitäranlagen in München wurden schon zu neuem Leben erweckt: Das erste seiner Art war 2011 das Toilettenhäuschen am Englischen Garten* unweit der Eisbachwelle. Aus ihm wurde der Kiosk „Fräulein Grüneis“. Hier gibt es Bio-Speisen, Kaffee, Kuchen und natürlich ein Klo für Gäste. Auch „Das KloHäuschen*“ zeigt, dass Kunst und Klo kein Widerspruch sein muss. Aus dem ehemaligen Pissoir der Großmarkthalle an der Thalkirchner Straße wurde eine Galerie. 

Die Wirtschaft im Tröpferlbad

Auch andere ehemalige Sanitäranlagen in München haben sich erstaunlich gemausert. Die Augustiner-Gaststätte „Das Bad“ am Bavariaring befindet sich zum Beispiel im alten Tröpferlbad. 

Die Augustiner-Gaststätte „ Das Bad“ am Bavariaring.

Das Gebäude wurde 1894 auf Befehl von Prinzregent Luitpold als Brausebad für die Anwohner der Theresienhöhe errichtet. Ab dem Zweiten Weltkrieg diente es lange Zeit als öffentliche Bedürfnisanstalt, dann blieb es über Jahre funktionslos. Nur zur Wiesnzeit wurde es als öffentliche Toilette und zur Gepäckaufbewahrung genutzt. Anfang 2019 öffnete Das Bad seine Pforten: gut bayerische Gastronomie mit Biergarten und Blick auf die Wiesn. Eine steile Karriere für ein ehemals stilles Örtchen.

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