Ein Hochhaus, das polarisiert

Hauptbahnhof soll futuristischen Turm bekommen, doch es gibt Widerstand: Das sind die Gründe

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Hochhaus an der Arnulfstraße sorgt für Ärger.  Der Bezirksausschuss findet es schlecht, dass der geplante Neubau ein Eigenleben führen soll. 

Am Starnberger Flügelbahnhof an der Arnulfstraße in München ist ein futuristischer Turm geplant. Das Bürogebäude sorgt für eine heftige Debatte. Denn eine Shopping-Meile ist geplant. 

München - Über Architektur kann man streiten, auch über Denkmalschutz. Fakt ist: Neben den Gleisen des Starnberger Flügelbahnhofs soll ein 17 Etagen hohes Bürogebäude entstehen. Der fast 70 Meter hohe futuristische Turm zeigt wie eine Abschussrampe in den Himmel. Er wird hier zum höchsten Punkt und nimmt es mit dem gegenüber liegenden Rundfunkgebäude auf. Die Frage ist: Was haben die Münchner und ihre Gäste von dem Glaspalast?

Der Entwurf von Martin Klemp hat sich im Wettbewerb durchgesetzt, seine Planung beinhaltet eine Skybar, Büros und Geschäfte. „Ob der Entwurf wie ein Raumschiff aussieht, sei dahingestellt“, sagte Martin Ruckert (CSU), Vize-Vorsitzender im Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt. „Wir vergessen, dass die heute so angesehenen ehrwürdigen Bahnhofshallen wegen ihrer Anlehnung an Sakralbauten vor hundert Jahren auch nicht wirklich gut ankamen.“ Aber die zentrale Frage sei: Was bietet das neue Gebäude den Bürgern und Bahnreisenden für einen Nutzen? Gibt es überhaupt einen Mehrwert zum alten Flügelbahnhof?

Rund 40 Bürger diskutierten diese Frage im Alten Rathaussaal mit Vertretern der Bahn, dem Architekten und dem Münchner Planungsreferat. Die Diskussion verlief fair und sachlich, aber auch kritisch und manchmal emotional. Schließlich liegt der Bahnhof im Herzen der Stadt. Die verwahrloste heutige Starnberger Flügelhalle könnte theoretisch instandgesetzt werden. Stattdessen soll hier der Denkmalschutz nicht mehr greifen und ein Neubau mit rundum Glasfassaden entstehen.

Kritik an Shopping-Meile

Das gesamte Gebäude soll zusätzlich auch entwidmet werden, also nicht mehr als Bahngebäude gelten. Deshalb ist auch keine Anbindung mehr nötig. „Man kann unten aus den Geschäften beispielsweise nicht in Richtung Gleise durchgehen, sondern hier entsteht einfach ein Shoppingriegel“, kritisiert Ruckert. Auch beide Tiefgaragengeschosse sollen ausschließlich den neuen Mietern und Gewerbetreibenden zur Verfügung stehen. Eine Option auf öffentliche Auto- oder Fahrradstellplätze wäre dann nicht gegeben.

„Dieser Entwidmung müssen wir energisch entgegentreten“, sagte Ruckert, der parteiübergreifend große Zustimmung bei seinen BA-Kollegen fand. Mindestens die Büros und die beiden Tiefgeschosse sollen, so die Forderung, als Bahnhofsgebäude gewidmet bleiben. Nur dann wären Durchgänge zu den Gleisen möglich, und die Geschäfte blieben auf Bedarf für Reisende fokussiert – auch wenn dieser großzügig ausgelegt sein kann. Eine reine Shoppingmall à la OEZ oder PEP könne dann nicht entstehen. Die brauche es in der Innenstadt auch nicht.

Kein Platz für Fahrräder

Besonders am Herzen liegt dem BA ein großer, unterirdischer Fahrradstellplatz. „Weil wir eine leichte Hanglage haben, wäre die Rampe recht flach und damit ideal für Radler“, sagte Ruckert. „20 Prozent der Fläche im Tiefgeschoss kann man ruhig für Radservice wie einen Wartungspunkt oder bewachte Stellplätze nutzen, den größten Anteil sollten aber Zweiradstellplätze haben.“ Wenn es dann noch eine bequeme Rolltreppe zu den Gleisen gebe, wäre diese Tiefgarage perfekt.

Auch die zweite unterirdische Parkebene dürfe die Deutsche Bahn nicht abgeben, findet der BA. Hier könnten Autos von Bahnreisenden stehen. Auch wenn im Bezirksausschuss grundsätzliche Zweifel am Gebäude existieren, wählt er nun offenbar einen pragmatischen Ansatz. Denn noch muss das Eisenbahnbundesamt der Entwidmung zustimmen – oder könnte diese, zumindest teilweise, stoppen.

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