Großes Hotel-Projekt im Bahnhofsviertel

Investor bringt Stadtrat gegen sich auf

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„Ziemlich arrogant“ finden die Stadträte die Aussage von Investor Hubert Haupt (re.), hier mit Concrete-Capital-Geschäftsführer Peter Fritsche.

Die selbstbewusste Aussage eines Investors sorgt für Unmut im Rathaus. Hubert Haupt will gegen den Willen des Stadtrats ein Riesenhotel im Bahnhofsviertel errichten – und hat wohl das Baurecht auf seiner Seite.

„Es kann sich jeder Stadtrat auf die Hinterfüße stellen, der Bauantrag wird genehmigt werden“, sagte er. Die Politiker reagieren erzürnt.

Die Aussage des Anstoßes tätigte Concrete-Capital-Chef Haupt in unserer Zeitung, als diese über die Angst von Anwohnern und Politik vor einer weiteren Bettenburg am Hauptbahnhof berichtete. „Das ist ganz schön dreist und wenig diplomatisch“, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. SPD-Kollege Christian Müller pflichtet bei: „Das ist ziemlich arrogant.“ Ein Rathaus-Insider droht gar mit Konsequenzen: „Herr Haupt hat ja nicht nur das eine Bauvorhaben in der Stadt...“

Der Investor will an der Schillerstraße 3 und 3a ein siebengeschossiges Hotel für das Franchise Motel One errichten. Dafür sollen 35 Wohnungen weichen. Haupt betont, dass er Ersatzwohnraum in Neuperlach schaffe. Dass gleich gegenüber der Schillerstraße ein weiteres Motel One gebaut werden soll, habe Haupt erst vor wenigen Wochen erfahren. In den beiden Neubauprojekten sollen über 900 Betten entstehen. Bereits ansässige Hoteliers und auch der Verein Südliches Bahnhofsviertel bemängeln, dass es bereits genügend Bettenburgen gebe. Die Nachfrage sei längst befriedigt.

Projekt wird von vielen Seiten kritisiert

SPD, CSU und Grüne kritisierten das Projekt ebenfalls. Der Stadtrat hatte 2006 beschlossen, das Wohnen im südlichen Bahnhofsviertel zu stärken. Das Planungsreferat hat dazu ein Konzept entwickelt. „Nun gilt es aber auch, die Inhalte zu realisieren“, sagte Müller im Sommer. „Wir müssen den Spekulanten entschieden entgegentreten.“ Nun soll das Referat nachlegen. „Wir werden dem auf alle Fälle noch mal nachgehen. Die Verwaltung soll im Stadtrat darstellen, was rechtlich möglich ist.“

Bickelbachers Aussagen gehen in eine ähnliche Richtung. Die Grünen hatten unlängst beantragt, den Bebauungsplan zu ändern, um mindestens 30 Prozent Wohnraum errichten zu können. „Wenn der OB jetzt sagt, dass es ihm wichtig ist, kann er das Thema schnell auf die Tagesordnung setzen.“ Dann habe die Stadt wohl die Möglichkeit, bestimmte Vorhaben zurückzustellen. Sogar eine Veränderungssperre sei möglich, falls der Bebauungsplan geändert wird. „Die Planungshoheit haben wir“, sagt Bickelbacher. „Es wird für den Investor sicher nicht der Spaziergang, den er erwartet.“

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagte auf Anfrage: „Wir wünschen uns als Stadt Investoren, die die Stadt voranbringen und mit ihr zusammenarbeiten. Nicht Investoren, die gegen die Stadt arbeiten.“ FDP-Chef Michael Mattar bedauert zwar die „Verdrängung kleiner mittelständischer Hotels. Aber es hilft wenig, die Debatte emotional zu führen.“ Zumal derlei Umstände für die rechtliche Bewertung eines Bauantrags nicht entscheidend seien. „Wir wünschen uns auch mehr Wohnungen im südlichen Bahnhofsviertel. Dies durchzusetzen gegen die Eigentümer, ist äußerst schwierig. Die Stadt muss eine Strategie entwickeln, wie sie wünschenswerte Dinge auch tatsächlich verwirklichen kann.“

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