Einsätze, Alltag, besondere Fälle

Der Sheriff-Report: Bilanz nach einem Jahr Kommunaler Außendienst

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Der Kommunale Außendienst ist in der Regel in Dreier- und Vierergruppen unterwegs. Auf dem Bild:Georgius Z (li.), Rima S. und Vito F.

Ein Jahr ist der Kommunale Außendienst nun schon rund um den Hauptbahnhof im Einsatz und hat unter anderem 1312 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen. Das Kreisverwaltungsreferat zieht Bilanz.

Auf den ersten Blick sehen sie fast aus wie Polizisten: blaue Uniform, Mütze – doch auf dem Rücken steht „KVR“. Seit einem Jahr gibt es den Kommunalen Außendienst (KAD) des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Nun zieht das Referat Bilanz. Die Sheriffs unterstützen die Polizei am Brennpunkt Hauptbahnhof und in dessen Umfeld. Konkret kümmern sie sich um Ordnungswidrigkeiten, also Störungen unterhalb der Grenze zu Straftaten. „Nach Beurteilung der Polizei hat sich die Lage klar verbessert“, sagt KVR-Chef Thomas Böhle.

Die häufigsten Einsätze

Seit dem 2. Juli 2018 hat der Kommunale Außendienst (KAD) 1312 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen, 334 Platzverweise ausgeprochen und 16 116 Auskünfte an Bürger und Touristen erteilt. Der KAD ist aktuell mit 63 Streifenkräften präsent – bis September sollen es 85 sein. Die häufigsten Einsatzgründe waren alkoholbedingte Störungen (682 Fälle), Wildbieseln (557 Fälle), das Überprüfen der Vitalfunktion (492 Fälle) und Betteln (438 Fälle).

Der Alltag der Sheriffs

Einsatz: Eine Frau pöbelt am Stachus.

„Morgens sortieren sich die Teams und klären, wer mit wem wo unterwegs ist“, erzählt Rima S. (37), die beim KAD arbeitet. Dreier- und Vierer-Streifen patrouillieren rund um den Hauptbahnhof. Dabei kontrollieren sie auch die Drogen-Hotspots Schützenstraße, Nußbaumpark und Alter Botanischer Garten. „Es hilft schon, wenn wir Präsenz zeigen. Da lösen sich Gruppen schnell auf“, sagt Georgius Z. (29). Trotzdem würden sie „tagtäglich die Vitalfunktionen von alkoholisierten oder unter illegalen Drogen stehenden Menschen überprüfen“, so S. Die häufigsten Probleme seien aber wildes Urinieren und aggressives Betteln, berichtet sie. „Vor dem Bahnhof sind manchmal stark alkoholisierte Personen. Wenn die streiten, gehen wir dazwischen“, berichtet Vito F. (47). „Wir versuchen, den Streit kommunikativ zu lösen.“ Bleibt das erfolglos, holen die Sheriffs die Polizei hinzu. „Wir sind auch oft damit beschäftigt, zu helfen. „Gestern haben wir zum Beispiel eine orientierungslose alte Dame zur U-Bahn gebracht“, sagt Z.

Besondere Fälle

Der KAD kann keine Aufgaben der Verbrechensbekämpfung übernehmen – dennoch ist er der Polizei eine große Hilfe. Drei Beispiele:

Als im Bahnhofsviertel eine Shisha-Bar überfallen und ausgeraubt wurde, betrat eine KAD-Streife gemeinsam mit der Polizei das Lokal. Zwei der vier Gauner waren noch vor Ort. Mit Hilfe der Sheriffs konnte die Polizei die beiden Männer überwältigen.

In einem anderen Fall konnte eine KAD-Streife einen möglichen sexuellen Missbrauch an einer Frau verhindern. Am Hauptbahnhof sahen die Sheriffs, wie die Frau sexuell belästigt wurde. Der Täter floh. Die Sheriffs brachten die Frau zur Polizeiinspektion. Während sie Anzeige erstattete, brachte eine andere KAD-Streife einen Mann zur Wache, der Passanten bespuckt hatte. Die Frau erkannte in ihm den Täter, der sie zuvor belästigt hatte, wieder. Deshalb nahm ihn die Polizei vorläufig fest.

Häufig kümmert sich der KAD um Menschen unter Drogeneinfluss. Einmal retteten sie einem Mann das Leben, der auf dem Gehsteig der Bayerstraße lag. Neben ihm lag eine Glaspfeife. Die Sheriffs erkannten, dass der Mann keine Luft mehr bekam, und leisteten Erste Hilfe. Nachdem der Mann wieder zu sich kam, hielten sie ihn fest, als er sich gegen die Rettungskräfte wehrte.

Mehr zum Thema Problemviertel Hauptbahnhof und wie die Polizei dort verstärkt kontrolliert.

Laura Felbinger

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