„Historische Entscheidung“

München Ludwigsbrücke: Weniger Spuren für Autos - droht jetzt ein Stau-Chaos?

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Bisher führen zwei Spuren in jeder Richtung über die Ludwigsbrücke – künftig soll es nur noch je eine sein. 

Die Ludwigsbrücke wird künftig nur eine Fahrspur für Autos pro Richtung haben. Das hat der Stadtrat mit knapper Mehrheit entschieden. Es gibt aber auch Kritik.

München - Die Grünen sprachen im Stadtrat beinahe von einem großen Tag, Paul Bickelbacher (Grüne) nannte es gar einen Paradigmenwechsel, und sein Fraktionschef Florian Roth twitterte euphorisch, dass die Verkehrswende endlich ernst genommen werde. Hauptsächlich mit den Stimmen von SPD, Grünen, ÖDP und Linken hat der Stadtrat gestern entschieden, dass die Ludwigsbrücke künftig nur noch eine Fahrspur pro Richtung haben wird. CSU, Bayernpartei und FDP stimmten dagegen. Die Verwaltung befürchtet nun erhebliche Einschränkungen für den Autoverkehr und den ÖPNV.

Bayernpartei-Chef Johann Altmann führte eben diese Argumente für seine Ablehnung ins Feld. „Wir werden uns der Verkehrswende nicht verschließen, aber wir können den Verkehr nicht wegdiskutieren. Und die Verdrängung in andere Bereiche werden wir nicht mittragen. Wir produzieren ein heilloses Durcheinander.“

Weniger Fahrspuren auf der Ludwigsbrücke - es gibt Kritik

Ähnlich negativ bewertete FDP-Chef Michael Mattar die Reduzierung der Fahrspuren. „Ich bin überrascht, dass es nur noch um ein Bekenntnis zur Verkehrswende geht. Wenn die Konsequenz aber Stau und Umverteilung des Verkehrs sind, dann ist das nicht vernünftig.“ Vernünftiger sei es, ein Gesamtkonzept zu entwickeln. „Dieses Stückwerk ergibt keinen Sinn“, urteilt der FDP-Fraktionschef.

CSU-Verkehrsexperte Johann Sauerer sprach von einem Dilemma. „Wir sehen, wenn man eine Vision hat, dass das noch lange nicht zu einem guten Ergebnis führt.“ Das Ergebnis nun sei, dass der Verkehr in Straßen verlagert werde, die dafür nicht ausgelegt seien. „Die Verkehrswende soll zum Ziel haben, dass der Verkehr flüssig fließt.“

Doch gerade das sei in Ballungsräumen illusorisch, konterte Grünen-Stadtrat Bickelbacher. „Wir müssen den Verkehr steuern und nicht irgendwelchen Prognosen hinterherlaufen. Wir müssen einfach mal anfangen.“ Die Ludwigsbrücke habe eine große historische Bedeutung, daher sei es nur angemessen, wenn die Verkehrswende an dieser Stelle starte. „Die Ludwigsbrücke könnte somit weitere historische Bedeutung erfahren.“

Sonja Haider (ÖDP) nahm den Vorwurf auf, den Verkehr wegdiskutieren zu wollen. „Wir wollen Alternativen schaffen. Und das kann nur bedeuten, dass wir Flächen effektiver nutzen und sie dem Umweltverbund zuschustern.“ Die Stelle sei prädestiniert, denn „um die Ecke rum ist der Isarradweg. Dort haben wir im Vorjahr bereits im August eine Million Radfahrer gezählt. Die Strecken sind wahnsinnig wichtig für den Radverkehr“, sagt Haider.

Die Einspurigkeit der Ludwigsbrücke war zuletzt von der SPD beantragt worden. Stadtrat Jens Röver sagte im Plenum: „Wir wollen mehr Platz schaffen für den Radverkehr. Und wir stehen für die Verkehrswende.“

Angst vor Stau

Die Verwaltung ließ derweil mitteilen, dass nun geprüft werden soll, wie die Tram vor der Kreuzung zur Erhardtstraße auf Gleisen fahren kann, die sie sich nicht mit dem Autoverkehr teilen muss – schließlich befürchten die Experten, dass sich der Verkehr so weit zurückstauen wird.

Radverkehr an der an der Ludwigsbrücke/Steinsdorfstraße.

Außerdem sollen Kompensationsmaßnahmen entwickelt werden, um die negativen Effekte abzufangen. Stadtbaurätin Elisabeth Merk sagte, dass es nur logisch sei, dass es zu Konflikten komme, wenn man den Straßenraum neu gestalte. „Und ich kann Ihnen nicht ersparen, diese Entscheidungen treffen zu müssen.“ Daran würde auch ein Gesamtkonzept für die Altstadt nichts ändern. „Das ist eine falsche Vorstellung. Da müssten wir einen Ring um München haben mit entsprechenden Mobilitätsstationen, von wo aus man mit einer ganz anderen Form die Innenstadt erreicht.“ Wenn dieser einmal beschlossen würde, könnte man vermutlich von einem weiteren großen Tag sprechen.

Die Maximilianstraße bleibt unverändert für den Autoverkehr geöffnet. Die Grünen sind damit mit ihrem Antrag gescheitert, zumindest für den Zeitraum der Gleisbauarbeiten Autos auszusperren.

Bauarbeiten an der Ludwigsbrücke in München sorgten 2017 für viel Kritik.  

Das Planungsreferat will die Fußgängerzone in München erweitern. Potenzial sieht die Stadt etwa im Tal, der Hackenstraße, am Färbergraben, im Rosental und der Westenriederstraße.

Die Brienner Straße in München wird in einem Teilbereich zur Einbahnstraße.

Apropos Auto: Ein Münchner Händler war fassungslos, als er in den Fahrzeugschein eines Mercedes schaute. Denn der hatte einst einer FCB-Legende gehört.

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