Ein letzter Blick ins Innere

Luxushotel in München wird abgerissen - auch Läden am Stachus sind betroffen

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Das Restaurant im Königshof mit Blick auf den Stachus.

Der Königshof prägt in München das Stadtbild am Stachus, doch das Hotel wird zu Neujahr abgerissen und weicht einem umstrittenen Neubau. Auch andere Läden sind davon betroffen. 

Update vom 21. Dezember 2018: Der Abriss des Königshofs am Stachus hat tiefgreifende Konsequenzen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mieter der kleinen Geschäfte, die sich im Erdgeschoss der Hotelanlage befanden, mussten ihre Ladenflächen bereits räumen. Betroffen waren unter anderem eine Eisdiele und ein Reisebüro. Jetzt macht auch noch der dm-Markt in den Stachus-Passagen unterhalb des Luxustempels dicht. Zum Jahreswechsel wird der Markt für zweieinhalb Jahre schließen.

Wie berichtet, soll an die Stelle des alten Königshofs ein zehnstöckiger Neubau rücken. Ein Hochhaus mit lichtdurchfluteten Flächen, das den Blick auf die Innenstadt freigibt. Wegen seiner extravaganten Optik war der Entwurf eines spanischen Architekten-Duos höchst umstritten. Während sich die Befürworter des Projekts an moderne Architektur in Barcelona erinnert fühlten, hatten die „Altstadtfreunde München“ eine Petition eingereicht, um den „Stachus zu retten“. 

Drogeriemarkt am Stachus schließt für zweieinhalb Jahre

Statt der jetzigen 87 Zimmer sind über 100 Zimmer samt Rooftop-Restaurant geplant. Außerdem soll es künftig eine Spa- und Wellness-Oase geben. Am 31. Dezember können Gäste ein letztes Mal im Königshof nächtigen. Danach beginnt das große Graben. „Da wir uns im Kellergeschoss des Königshofs befinden, sind wir natürlich unmittelbar von den Arbeiten betroffen“, so Michael Winkler, Sprecher der Drogeriemarkt-Kette dm. Ein Schlussstrich? Nein, meint Winkler, „wir sehen die Bauarbeiten als Chance, unseren Markt zu vergrößern – um 300 Quadratmeter.“ 

Bis der runderneuerte Markt eröffnet, können Kunden in den dm-Märkten am Bahnhofsplatz sowie an der Sonnenstraße einkaufen. Welche Veränderungen der Abriss des Königshofs in den Stachus-Passagen noch mit sich bringt, bleibt abzuwarten. Die Verantwortlichen waren am Freitag zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

Eines der bekanntesten Luxushotels Münchens wird komplett abgerissen 

München - Die Hotel-Lobby ist in warmes Licht getaucht, das Kaminfeuer knistert. Der Concierge begrüßt Gäste aus aller Welt, die sich, bepackt mit Weihnachtseinkäufen, auf den altmodischen Ledersesseln niederlassen. Dicker Teppichboden schluckt ihre Schritte. Nichts lässt darauf schließen, dass die Tage des Luxushotels am Stachus gezählt sind: Am 31. Dezember können die Gäste noch einmal eine rauschende Silvesterparty feiern und ein letztes Mal in dem altehrwürdigen Haus übernachten. Dann ist Schluss.

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München/Stachus: Luxushotel Königshof wird zu Neujahr abgerissen

„Natürlich ist es eine wahnsinnige Zäsur“, sagt Geschäftsführer Carl Geisel. „Aber wir müssen optimistisch in die Zukunft blicken.“ Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern leitet der 59-Jährige in München fünf Hotels (darunter das exquisite „Beyond“ in den obersten zwei Etagen des Hugendubel-Hauses am Marienplatz), mehrere Restaurants und eine Weinhandlung. Carl, der älteste, ist zuständig für den Königshof, der sich seit 1938 im Besitz der Familie befindet.

Das Haus am Stachus war Anfang des 19. Jahrhunderts als Privatresidenz errichtet und 1866 zum Hotel Bellevue umgebaut worden. Wo heute gut betuchte Gäste im ersten Stock mit Blick auf den Stachus speisen (ein Zimmer kostet zwischen 300 und 2000 Euro pro Nacht), befand sich damals eine offene Terrasse. Auf der Straße rollten Pferdekutschen.

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Königshof in München: Nach dem Krieg standen nur noch die Außenmauern

Königshof heißt das Hotel seit 1914. Zweimal ließ die Familie Geisel das Gebäude komplett umbauen. „Nach dem Zweiten Weltkrieg standen nur noch die Außenmauern“, so Geisel. Eine Generalrenovierung erfolgte 1970. „Das war damals eine ganz wichtige unternehmerische Entscheidung, um konkurrenzfähig zu bleiben. Mit den Olympischen Spielen kamen die großen amerikanischen Hotels in die Stadt.“ Pünktlich zu den Spielen wurde das von Star-Einrichter Siegward Graf Pilati mit Prunk und Pomp ausgestattete Hotel als eines der modernsten Europas wiedereröffnet.

Doch seither hat sich viel verändert. Die Bausubstanz ist in die Jahre gekommen, es gibt strengere Auflagen, zum Beispiel was den Brandschutz betrifft. Aber auch die Bedürfnisse der Gäste hätten sich verändert, sagt Geisel. „Das Bad ist heute viel wichtiger als früher. Denn wenn man nicht gerade schläft, verbringt man im Hotel einen Großteil der Zeit im Badezimmer.“

Neuer Königshof wird am Münchner Stachus entstehen

Wie der neue Königshof innen einmal aussehen soll, steht noch nicht fest. Nur so viel: Es wird moderner. Schließlich müsse das „Interior Design“ auch zur Außenansicht passen, findet Geisel. Mit der Planung wurde das spanische Architekturbüro „Nieto Sobejano“ beauftragt. Das Büro zeichnet auch für den Entwurf der Außenfassade verantwortlich. An ihr scheiden sich allerdings die Geister. Es hagelte Kritik – von „Riesen-Tetris“ war die Rede, die Altstadtfreunde reichten eine Petition ein.

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Rooftop-Restaurant mit Panoramablick über München

Der sechsstöckige viktorianisch anmutende Bau soll bis Sommer 2021 einem modernen Zehnstöcker weichen. Statt der bestehenden 87 Zimmer sind über 100 geplant. Auch ein Rooftop-Restaurant mit Panoramablick über München sowie eine Spa- und Wellness-Etage soll es geben.

Mobiliar und Weine aus Stachus-Hotel werden verkauft

Für Pomp aus alten Zeiten wird im neuen Hotel nicht mehr viel Platz sein – alles kommt weg. Der Königshof verkauft von 10. bis 12. Januar (jeweils von 11 bis 20 Uhr) Einrichtungsgegenstände des Hotels – Möbel, Lampen, Textilien, Betten, Bilder und Geschirr. Weinkenner können zudem feine Tropfen aus dem Weinkeller des Hauses erstehen. Die Weingalerie, die Carls Bruder Stephan betreibt, befindet sich im Hotel. Sie wird bald in die Herzogspitalstraße 24 umziehen.

Daniela Schmitt

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