Ermittler verkündet Überraschung

Parkhaus-Millionärin ermordet: Kaum ein Fall hat München so aufgewühlt - folgt nun die große Wende?

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Profiler Axel Petermann beim Studium der Fallakten.

Bence T. wurde als Mörder seiner Tante Charlotte Böhringer verurteilt. Fast 14 Jahre liegt der Parkhaus-Mord mittlerweile zurück. Einer der besten Ermittler Deutschlands hat ihn nun gezielt geprüft – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

  • Im Mai 2006 wurde die Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer ermordet.
  • Ihr Neffe wurde vom Landgericht schuldig gesprochen.
  • Ein bekannter Ermittler äußert nun Zweifel.

München - Kaum ein Mordfall hat München so aufgewühlt wie der an Charlotte Böhringer (†59): Am 15. Mai 2006 wurde die Parkhaus-Millionärin in ihrer Penthouse-Wohnung in der Baaderstraße erschlagen. Der Täter: ihr Neffe Bence T. Das Landgericht verurteilte ihn wegen Mordes. Doch fast 14 Jahre später zeichnet sich nun eine ganz neue Entwicklung in dem Fall ab.

„Ich halte die Beweise gegen Bence nicht für stichhaltig“, sagt Axel Petermann. Er war Leiter der Bremer Mordkommission und hat rund 1000 unnatürliche Todesfälle aufgeklärt. Den Fall Böhringer hat der Top-Profiler in den vergangenen drei Jahren genau unter die Lupe genommen – und kommt zu dem Ergebnis: „Die Ermittler haben Fehler gemacht. Aus meiner Sicht basiert das Gerichtsurteil auf falschen Grundannahmen.“

Beweise im Parkhaus-Mord nicht stichhaltig?

Bence T. wurde lebenslänglich verurteilt.

Doch wie kann das sein? Mit unserer Zeitung war Petermann am Tatort. Über dem Parkhaus in der Baaderstraße liegt die 300 Quadratmeter große Wohnung im vierten Stock. Seit damals steht sie leer. Direkt hinter der Eingangstür wurde die Leiche von Charlotte Böhringer einst aufgefunden. Mutmaßlich erschlagen mit einem Hammer. Die Mordwaffe wurde nie gefunden.

„Es waren mehr als 20 Schläge, die zum Tod geführt haben“, sagt Petermann. Bislang sei man davon ausgegangen, dass Bence T. abends auf seine Tante gewartet habe, die immer montags zum Stammtisch im Paulaner ging. An der Haustür, so glaubt das Gericht, hat Bence T. auf Charlotte Böhringer eingeschlagen. Und sie dann im Hausflur brutal getötet. Sein Motiv: Habgier, angeblich wollte er an ihr Erbe.

München: Zweifel nach Böhringer-Mord: „DNA-Spuren wurden falsch bewertet“

„Die DNA-Spuren am Tatort wurden falsch bewertet“, sagt Petermann jetzt. Beispiel: Fingerabdrücke an der Wohnungstür und im Flur seien irrtümlich als Handschuh-Spuren gewertet worden, kritisiert er. Der Todeszeitpunkt: falsch errechnet. Und: „Für mich hat sich klar gezeigt, dass die erste Gewalt eben nicht an der Tür stattgefunden hat.“ Petermann ist vielmehr überzeugt, dass der Täter im hinteren Bereich des Wohnungsflures zuschlug. „Dafür sprechen die verschiedenen Blutspritzzentren ebenso wie die Richtung der Blutspuren. Die Schlagspritzer zeigen in Richtung Tür.“ Der Täter müsse also schon in der Wohnung gewesen sein.

Für die Ermittlungen hat sich der Profiler – mit Erlaubnis der Familie T. – viele Tage in der Tatwohnung aufgehalten. Wichtig war ihm auch der Zugang zu den vielen Fallakten, die er studiert hat. Fotos, Gutachten, Spurensicherungs- und Tatortbefundbericht: Petermann kennt die Details des Falles – und sagt: „Die Justiz hat sich geirrt.“

Entscheidendes Detail lässt Ermittler zweifeln

Das entscheidende Detail: der blutige Blazer der Millionärin. Darauf wurde DNA von Bence T. gefunden. Petermann ist überzeugt: „Die Spuren sind nicht von einem Handschuh, das ist die Textilstruktur selbst, die blutig verwischt ist. Tatsächlich gab es gar keinen Handschuh-Abdruck, wie behauptet wurde.“ Die DNA könnte auch beim Auffinden des Opfers während des Pulsmessens übertragen worden sein – und ebenso gut von Bences Bruder oder der Mutter stammen. Etwa von einem früheren Alltags-Kontakt mit der Getöteten. „Aus meiner Sicht hätte Bence mit den vermeintlichen Beweisen nicht verurteilt werden dürfen“, sagt Petermann – und will den Fall neu aufrollen.

In ihrer Penthouse-Wohnung (300 qm) wurde Charlotte Böhringer erschlagen.

Aber: Nachdem die Revision vor dem Bundesgerichtshof scheiterte, wird Bence T. noch Jahre einsitzen – aktuell in der JVA Straubing. Doch seine Familie steht hinter ihm: „Wir glauben fest, dass Bence unschuldig ist“, sagt Bruder Mate. Über Star-Anwalt Gerhard Strate und Peter Witting hat die Familie im Februar 2019 ein Wiederaufnahmeverfahren angestrebt, für das das Landgericht Augsburg zuständig ist. „Bislang gab es noch keine Entscheidung“, so Sprecher Christian Grimmeisen.

Nachdem ein Mann und eine Frau tot in ihrer Wohnung gefunden wurde, nahm die Polizei den 22-jährigen Sohn des Mannes fest.

Zu einer blutigen Messer-Attacke kam es auf einem Campingplatz in München. Zwei Männer waren in einen Streit geraten. Das SEK rückte zu einem Großeinsatz aus.

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