Das plant die Stadt

Platz für Radfahrer an der Fraunhoferstraße - Das soll sich ändern

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Verkehrswende: Die Simulation zeigt, wie die Fraunhoferstraße künftig aussehen soll.

An der Fraunhoferstraße werden alle Parkplätze gestrichen. Das hat der Stadtrat mit knapper Mehrheit entschieden. Anstelle der Stellplätze sollen neue Radwege eingerichtet werden, um den Radverkehr an dieser Stelle sicherer zu machen.

Die Debatte darüber offenbart eine zunehmende Abgrenzung zwischen SPD und CSU. Den Begriff GroKo mag Alexander Reissl nicht. Der SPD-Fraktionschef weist gerne darauf hin, dass GroKo schließlich für Große Koalition stehe. Und davon könne im Münchner Rathaus keine Rede sein. Seine Genossen und die CSU hätten sich 2014 auf eine Kooperation verständigt, einen Kooperationsvertrag mit Projekten ausgearbeitet, die gemeinsam abzuarbeiten sind. Das Schulbauprogramm beispielsweise, die Sanierung der Kliniken und der Ausbau des Nahverkehrs. Die To-do-Liste der Großen Kooperation ist erledigt, nun geht es für beide zunehmend darum, ein Profil für die Kommunalwahl zu entwickeln. Ein klare Kante. Und die schärft sich offenbar am besten in der Abgrenzung zum Kooperationspartner. Dies zeigt sich vermehrt in Debatten um die Verkehrswende, die Neuaufteilung des öffentlichen Raums. Der Stadtrat hat am Mittwoch mit knapper Mehrheit entschieden, dass auf der Fraunhoferstraße samt und sonders alle Parkplätze entfernt werden sollen. In Zahlen: 120 Stellplätze. Die CSU, die neue alte Autofahrerpartei, hat erfolglos versucht, das zu verhindern, flankiert von Bayernpartei und FDP. SPD, Grüne und Linke stimmten dafür.

CSU-Stadtrat klagt: Autofahrer werden permanent diskriminiert  

Stadtrats-Oldtimer Walter Zöller (CSU) sagte, dass die Autofahrer in München permanent diskriminiert würden, vor allem von den Grünen. „Das ist euer Erfolgsrezept.“ Zudem würde der Versuch unternommen, die Geschäfte vor Ort zu schädigen. „Ihr seid die Totengräber des Einzelhandels in der Innenstadt.“ Zugeben musste Zöller, dass auch Autofahrer von der neuen Situation profitieren, wenn die Radfahrer an dieser Stelle von der Straße auf den Radweg müssen. „Aber leiden werden die Ladeninhaber und die Anwohner – alles unter dem Deckmantel der Verkehrswende.“

Sehr eng geht es heute auf der Fraunhoferstraße zu.

Bayernpartei-Fraktionschef Johann Altmann argumentierte ähnlich. „Irgendwer muss ja einen Bedarf haben, dort zu parken. Sonst würde dort ja niemand stehen.“ Zu den geplanten Radwegen auf der Fraunhoferstraße gebe es genügend Alternativen, etwa über die Reichenbachstraße. Ein entsprechender Änderungsantrag fand ebenso wenig eine Mehrheit wie der Vorschlag der FDP, die Ickstattstraße als Alternativroute einzurichten. FDP-Chef Michael Mattar sagte, dass Sicherheit für Radfahrer nicht gewährleistet werde, indem 120 Parkplätze gestrichen würden. „Die Lieferwagen werden dann nämlich auf dem Radweg stehen.“

Mattar kritisierte weiter, dass hier lediglich Ideologie-Politik betrieben werde, denn „gleichzeitig und ohne Koordination schaffen wir noch 30 Parkplätze in der Corneliusstraße ab.“ Wie berichtet, sollen die Stellflächen dort für die Beschleunigung der Buslinien weichen.

Radl-Expertin sprach von deutlicher Verbesserung

SPD-Radl-Expertin Bettina Messinger sprach von einer deutlichen Verbesserung der Situation, denn derzeit nutzten Radfahrer vermehrt auch den Gehweg, weil die Straße nicht sicher genug sei. Dass der Einzelhandel leiden werde, glaubt sie nicht. „Alle Fußgängerzonen beweisen doch das Gegenteil.“

Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher sagte, der Beschluss sei ein deutliches Signal, „dass wir den Verkehr mal anders organisieren“. Die Streichung der 120 Stellplätze sei Wunsch einer Bürgerversammlung. „Die Leute vor Ort kennen die Situation doch am besten.“ Überdies habe der Bezirksausschuss sich ebenfalls für die Variante ausgesprochen.

Die Verwaltung soll nun die Fraunhoferstraße mit Radfahrstreifen ausstatten. Zudem sind zusätzliche Abstellplätze für Fahrräder an Abgängen zur U-Bahn geplant. Für den Lieferverkehr sollen an der Müller- und Reichenbachstraße sowie an der Klenzestraße Lieferzonen eingerichtet werden. Der Beschluss muss in der Vollversammlung am 26. Juni bestätigt werden. Walter Zöller hat einen Nachprüfungsantrag gestellt.

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