Kaum Touristen in der Stadt

Wegen Corona herrscht Flaute am Platzl: Schuhbeck & Co. kämpfen in München ums Überleben

München: Wegen Corona herrscht Flaute am Platzl - Schuhbeck & Co. kämpfen ums Überleben
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Verwaistes Platzl: In der Innenstadt fehlen nach wie vor die Touristen.

Trotz Corona-Pandemie nähert sich das öffentliche Leben in München der Normalität. Doch am Platzl haben die Gastronomen und Händler besonders mit der Krise zu kämpfen.

  • Die Corona-Krise hat noch immer heftige Auswirkungen auf die Gastronomie in München*.
  • Besonders betroffen sind die Restaurant und Cafés am Platzl in der Innenstadt.
  • Auch Alfons Schuhbeck beschreitet derzeit ein tiefes Tal. 

München - Es ist Sonntagmittag, kurz nach halb zwölf am Platzl in der Innenstadt. Jenem gepflasterten Fleckerl, an dem sich normalerweise die ganze Welt guten Tag sagt. Normalerweise - aber eben nicht in Corona-Zeiten*.

Und auch unter der Woche bleibt’s hier im Moment unheimlich still. Menschentrauben, die fröhlich durch die Gassen schlendern - sie sind zur Seltenheit geworden. Ein Albtraum für all die Geschäftsleute im Herzen der Stadt: Ja, es herrscht Flaute am Platzl! Restaurants, Cafés, Souvenir-Standl - überall gähnende Leere.

Corona-Krise sorgt für verwaistes Platzl in München: „15 Prozent Umsatz am Tag ist viel“

„Es ist eine Katastrophe“, berichtet Daniela Russnak. Die Münchnerin verkauft kleine Mitbringsel: Karten, Kuscheltiere, Krüge. Alles, was Touristenherzen höherschlagen lässt. Das Problem dabei ist: „Die Leute aus Übersee kommen nach wie vor nicht ins Land.“ Klingelnde Kassen? Fehlanzeige!

„Wenn wir an einem Tag mal 15 Prozent Umsatz machen“, erklärt Russnak, „dann ist das viel.“ Die Einzigen, die momentan vorbeikämen, bestätigt auch Elfriede Mertl, Inhaberin des kleinen Stahlwaren-Ladens an der Orlandostraße, seien Reisegruppen aus Deutschland - „aber von denen stellt sich ja auch niemand einen weiß-blauen Löwen in die Wohnung.“

Auch im Augustiner am Platzl rührt sich nix. Kellner Christian Baja wartet auf Gäste - seit Tagen.

Corona-Krise sorgt für verwaistes Platzl: Reisegruppen-Leiter preist Schuhbeck an

Just in dem Moment schlendert eine Reisegruppe vorbei. Der Leiter - Pullunder, Brille, Sonnenschirm - erzählt vom Glanz der Stadt*: vom Hofbräuhaus, vom FC Bayern* und vom Schuhbeck, dem „Meister des guten Geschmacks“.

Während die Touris den Münchner G’schichten lauschen, sitzt der Meister selbst auf seiner Sonnenterrasse - noch ist er der einzige Gast in seinem gewaltigen Gasthaus, Schuhbecks Orlando. „Freilich müssen wir grad kämpfen“, berichtet der Fernsehkoch. Auch an ihm sei die Krise nicht spurlos vorbeigegangen.

München: Corona-Krise sorgt für verwaistes Platzl - Auslastung laut Schuhbeck bei 25 Prozent

Normalerweise, erzählt Alfons Schuhbeck, sei die Innenstadt an einem Sonnentag wie heute proppenvoll, jeder einzelne Platz regelrecht umkämpft. Mittlerweile betrage die Auslastung allerdings nur noch rund 25 Prozent.

„Ein Trauerspiel“, meint Schuhbeck und winkt ab. Aber: unermüdlich zu meckern und zu mosern, „wie viele Münchner das gern machen“, halte er für völlig falsch. „Es hilft ja nix“, sagt Schuhbeck. „Es ist, wie es ist - und wir müssen halt das Beste draus machen.“

Kleiner Lichtblick: Jutta Hager und Eric Bond (r.)  halten ihrem Lieblingslokal, Schuhbecks Orlando, die Treue.

Corona-Krise sorgt für verwaistes Platzl: Personal wird aufgeteilt und kommt nicht mehr täglich zum Einsatz

Was sich in der Theorie recht einfach anhört, bedeutet in der Praxis: Das Personal muss sich abwechseln. Ein paar Tage die eine, danach die andere Besetzung - von allem ein bisserl weniger. Außer vom Service. „Wir müssen schauen“, erklärt Schuhbeck, „dass wir die, die nach wie vor kommen, glücklich machen - durch Freundlichkeit und Qualität.“

Stichworte, bei denen zwei Passanten hellhörig werden. „Herr Schuhbeck“, schwärmt Jutta Hager, „Ihre Fischsuppe ist 1A - fast noch besser als vor einem Jahr.“ Es sind Worte wie diese, die Alfons Schuhbeck motivieren, weiterhin Gas zu geben.

Aufgeben? „Awo“, sagt der 71-Jährige, das kommt überhaupt nicht infrage.“ Denn im Prinzip sei es doch so: Es gibt immer mal Phasen, die einem nicht gefallen. Aber: „Je stärker es regnet, desto bunter blüht’s hernach.“ Und wer weiß, vielleicht füllen sich die Gassen ja schon bald wieder mit fröhlichen Menschen - aus aller Welt. (Sarah Brenner) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

Derweil wird der Unterricht an einer Schule wegen einer Covid-19-Infektion einer Lehrerin vorerst lahmgelegt.

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