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Training in Trümmern: Rettungshundestaffel probt auf Münchner Baustelle für den Ernstfall

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Von: Nina Bautz, Leoni Billina

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Hab jemanden! Die Rettungshündin Mia hat die vermisste Person gefunden.
Hab jemanden! Die Rettungshündin Mia hat die vermisste Person gefunden. © Markus Götzfried

Die Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds rettet Leben – um sich auf den Ernstfall vorzubereiten, trainieren sie unter anderem auf Baustellen.

München - So wie am gestrigen Sonntag auf einer Baustelle nahe dem Hauptbahnhof, wo zurzeit das alte Gewerkschaftshaus abgerissen wird.

Hoch konzentriert steht der Hund mit den eisblauen Augen vor dem riesigen Trümmerhaufen. Die Hundeführerin nimmt ihm Leine und Halsband ab, beugt sich zu Aquim runter: „Such und hilf!“ – er flitzt los. Beinahe mühelos erklimmt er den meterhohen Berg, klettert geschickt über die Trümmerteile, umkurvt scharfkantige Armierungseisen. Er verschwindet auf der anderen Seite. Dann: ein Bellen. Er hat die vermisste Person gefunden.

München: Rettungshundestaffel trainiert auf Baustelle an der Schwanthalerstraße

Aquim ist Trümmersuchhund der Rettungshundestaffel vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Die trainierte mit ihren vierbeinigen Rettern am gestrigen Sonntag auf der Baustelle an der Schwanthalerstraße 64 für den Ernstfall. Ausbilderin Anke Boysen erklärt, dass Baustellen perfekt seien, um die Hunde das Klettern und Steigen üben zu lassen.

Auf dem Gelände des Gewerkschaftshauses standen bis vor Kurzem noch drei Gebäude, ein Großteil ist abgerissen. Bis Mitte 2024 soll das neue Gewerkschaftshaus fertig sein, sagt Projektleiter Martin Blodow vom gleichnamigen Ingenieurbüro.

München: Für das Training versteckt sich eine Person in den Trümmern

Für einen Tag dient die Fläche allerdings erst mal als Übungsplatz. Das Training läuft folgendermaßen ab: Zunächst begehen die Hundeführer mit ihren Tieren das Gelände, damit diese sich orientieren können. Dann versteckt sich eine Person zwischen den Trümmern. Der Hundeführer nimmt dem Tier Leine und Halsband ab und schickt die Spürnase auf die Suche. Hat der Hund die vermisste Person gefunden, schlägt er durch Bellen an – die anderen wissen, dass er erfolgreich war. Dann das Wichtigste: eine Belohnung für die gelungene Suche.

Eine Ausbildung zum Rettungshund dauert zwei bis drei Jahre, dann muss er alle zwei Jahre eine Prüfung ablegen. Bundesweit hat der ASB mehr als 40 Rettungshundestaffeln, in denen etwa 700 Hundeführer ehrenamtlich aktiv sind. „Wir haben mit unseren Hunden so um die 30 Einsätze pro Jahr“, sagt Boysen.

Je nach Einsatz fordert die Polizei speziell ausgebildete Rettungshunde an: Flächensuchhunde werden vor allem bei der Suche nach Vermissten in Wäldern und Feldern eingesetzt, Trümmerhunde bei Gebäudeeinstürzen, zum Beispiel nach Explosionen. Mantrailer dagegen sind Personenspürhunde: Sie sind darauf abgerichtet, einen ganz bestimmten individuellen Geruch zu verfolgen.

„Die Suche nach Vermissten zwischen Trümmern – das kann heftig sein“

Aquim, bald zehn Jahre alt, ist ein Louisiana-Catahoula-Hund, ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Dort werden Hunde dieser Rasse vor allem als Arbeitshunde eingesetzt, etwa für das Treiben von Rindern. Als er acht Wochen alt war, hat Boysen angefangen, mit ihm zu trainieren – mittlerweile ist Aquim ein erfahrener Trümmer- und Flächensuchhund.

„Seinen letzten Einsatz hatte er letzten September in Rohrbach“, sagt Boysen. Der Fall hatte Bayern schockiert: Ein 55-Jähriger war mutmaßlich für eine Explosion in einem Haus verantwortlich, bei dem seine Ehefrau verstarb. Er selbst kam kurze Zeit später bei einem Autounfall ums Leben. Gefunden hatte Aquim damals nichts – die Leiche der Frau war bereits vollständig verbrannt. „Die Suche nach Vermissten zwischen Trümmern – das kann heftig sein“, sagt Boysen und krault ihrem vierbeinigen Begleiter die Ohren. LEONI BILLINA UND NINA BAUTZ

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