Halterin ließ Pascha ohne Leine wieder aus dem Auto

Rottweiler-Attacke: Diese Rezeptionistin hörte die Schüsse - „Eine Frau hat geschrien“

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Jaqueline M. hörte die Schüsse

Rottweiler Pascha fällt am Hauptbahnhof in München fünf Menschen an und wird erschossen. Nun hat die Polizei viele Details des Vorfalls bekanntgegeben.

München - Rottweiler-Attacke am Hauptbahnhof! Am Samstagabend hat der eineinhalbjährige Rottweiler Pascha in der Bayerstraße Passanten und Polizisten angegriffen. Beamte erschossen das Tier schließlich.

Jaqueline M. (30) arbeitet gerade an der Rezeption des Intercity Hotels, als draußen der Tumult losbricht. Plötzlich hört sie Schüsse. „Es waren vier bis fünf“, erzählt sie. „Eine Frau hat geschrien. Zuerst hatte ich Angst. Ich dachte, ein Krimineller ist getötet worden. Gäste vermuteten einen Terroranschlag.“

Tatsächlich sorgt aber ein wildgewordener Hund für Aufregung. Gegen 18.30 Uhr gehen bei der Polizei mehrere Notrufe ein. Zeugen berichten, ein Rottweiler greife Passanten an. Erste Ermittlungen ergeben, dass die Hundehalterin (26) aus Berlin Pascha ohne Leine auf dem Parkplatz im Innenhof neben dem Intercity Hotel aus dem Auto gelassen hatte. Sie will ihm etwas zu trinken geben. Doch ein Fußgänger weckt den Jagdtrieb des Hundes. Pascha greift an, beißt ihn.

Die Hundehalterin bringt den Rottweiler zunächst mit ihrem Freund (49) wieder ins Auto, in dem auch ihr Kind sitzt. Sie will wegfahren. Doch eine Zeugin (63) verhindert das und fordert die 26-Jährige auf, ihre Personalien zu hinterlassen. Dem kommt die Berlinerin nicht nach. 

Rottweiler-Attacke in München: Halterin ließ Pascha nochmals aus dem Auto

Hier wurde der Rottweiler von der Polizei erschossen.

Stattdessen das Unglaubliche: Sie lässt Pascha wieder ohne Leine aus dem Auto. Warum, ist noch unklar. Der Rottweiler geht sofort auf zwei weitere Passanten los. Die Hundehalterin, ihr Freund und Polizisten versuchen nun, das Tier anzuleinen bzw. einzufangen. „Der Hund ließ sich nicht mehr beruhigen, eine Gefährdung der Umstehenden war nicht auszuschließen“, so eine Polizeisprecherin.

Pascha reißt sich immer wieder los. Augenzeugen berichten von wahren Jagdszenen, Menschen laufen panisch davon, lassen Popcorn und Spielsachen fallen. Jetzt attackiert das Tier zwei Polizisten (20, 28). Als das Schussfeld frei ist, schießen ein Polizist (37) und eine Bundespolizistin.

Wie viele Schüsse abgegeben wurden, konnte die Polizei am Sonntag noch nicht sagen. Die fünf Verletzten wurden mit Bissen an Armen und Beinen und Kratzern in Kliniken gebracht. Allein der 20-jährige Polizist musste mit 27 Stichen am Arm genäht werden.

Der tote Hund wird nun in einer Tierklinik untersucht. Es wird geprüft, ob Pascha ein reinrassiger Rottweiler war und laut Hundeverordnung einen Maulkorb hätte tragen müssen. Gegen die Halterin wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

5 Verletzte im Jahr 2017

Laut Kreisverwaltungsreferat sind in München 2017 fünf Menschen durch Bisse von Kampfhunden verletzt worden. Im vergangenen Jahr waren in der Landeshauptstadt fünf Kampfhunde der Kategorie 1 und 379 der Kategorie 2 gemeldet. Zur Kategorie 1 zählen Pit-Bull, Bandog, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Tosa-Inu. Der Gesetzgeber in Bayern unterstellt ihnen generell eine „gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit“. Um sie zu halten, braucht man eine Erlaubnis, die aber selten erteilt wird. Zur Kategorie 2 gehören unter anderem American Bulldog, Bullterrier und Mastiff, aber auch der Rottweiler. Ihnen werden die oben genannten Eigenschaften widerlegbar unterstellt. Das heißt, ein Halter braucht für sie ein Negativzeugnis. Generell gilt für alle Hunde über 50 Zentimeter Schulterhöhe innerhalb des Altstadtrings eine Leinenpflicht. Wie berichtet, hatte im April ein Kampfhund in Hessen ein Baby getötet, vor Kurzem wurde eine Frau in einer Münchner S-Bahn von einem Rottweiler gebissen.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite„Ludwigsvorstadt – mein Viertel“. 

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