Nachbarn gehen auf die Barrikaden

„Wie verreckte Ratten“: Übler Gestank im Schlachthof-Viertel - das ist der Auslöser

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Ihnen reicht’s: Wolfgang Bartholme (v.l.) Ben Wolter, Stephanie Schmid und Stefan Baier sind sauer.

Monatelang stießen Dämpfe in der Nähe des Münchner Schlachthofs den Anwohnern sauer auf - nun ist die Ursache bekannt.

Update vom 13. November: Seit Monaten schimpfen die Anwohner im Schlachthofviertel über den Gestank, der in der Zenetti- und Thalkirchner Straße herumwabert. Jetzt endlich ist die Ursache gefunden – und bald soll Schluss mit dem Stunk sein! Besonders nachts litten die Anwohner unter dem unerträglichen Geruch aus der Schweineschlachtung (I berichtete). 

„Der Gestank ist unzumutbar“, bestätigten auch Mitarbeiter des zuständigen Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU). Bereits im Mai fanden Emissionsmessungen statt. Die gute Nachricht dabei immerhin: Es gibt keine Gesundheitsgefährdung. Zunächst wurde mit einer Sofortmaßnahme versucht, den Gammelgeruch einzudämmen: Dem Abwasser wurde der Stoff „Eisen III“ zugesetzt, um die Geruchsentwicklung zu eliminieren. Zudem veranlasste das RGU die Reinigung und Spülung der Abwasserkanäle und Schächte – aber nichts half. 

Jetzt fand der TÜV die Ursache: eine neue Abwasserreinigungsanlage, die nicht richtig funktioniert. Auch der Weg zur Lösung ist klar: Eine neue Abluftreinigungsanlage, ein sogenannter Ozonwäscher, muss installiert werden. Der Auftrag ist schon erteilt, die Anlage soll noch im Dezember in Betrieb gehen. Dann, das bleibt zu hoffen, stinkt’s den Anwohnern rund um den Schlachthof nicht mehr so gewaltig.

Erstmeldung: Übler Gestank im Schlachthof-Viertel macht Anwohner wütend

München - „Es ist bestialisch. Nicht auszuhalten. Einfach abartig“: Ben Wolter schüttelt‘s, wenn er an den heftigen Gestank in seinem Viertel denkt. „Es riecht nach Verwesung. Übel. Eklig“, sagt Stephanie Schmidt. Seit 20 Jahren lebt sie an der Thalkirchner Straße am Schlachthof – doch so etwas hat sie noch nie erlebt. „Es ist nicht auszuhalten.“ Besonders an heißen Tagen wie in dieser Woche.

Lüften? Oft ist das über Stunden nicht möglich, erklärt Stefan Baier. Auch er wohnt lange im Haus. Weiß, was die Nachbarschaft zum Schlachthof bedeutet. Aber dieser faulige Gestank, „wie verreckte Ratten“, bringt alle an ihre Grenzen. Baier hat sich an die Beschwerdestelle der Stadt gewandt. Dort habe man ihm erklärt, dass es Probleme mit der Abwasseranlage der Schweineschlachtung gibt.

Deren Geschäftsführer Markus Pöllot bestreitet das jedoch. „Die Abwasseranlage ist nicht defekt. Es handelt sich um eine neu errichtete Flotationsanlage.“ Bei der sei die optimale Regulierung noch nicht gefunden worden. Einfach gesagt, werden bei dem Verfahren Chemikalien in die Schlachthofgemische gegeben, um die Stoffe trennen und entsorgen zu können: „Es wird Abwasser der Magen-Darm-Bearbeitung, der Schlachthalle, des Stallgebäudes und einer Wurstproduktion über die Anlage vorgereinigt“, erklärt Pöllot. Dabei sind, wie es die Firma nennt, „Immissionen“ entstanden. Mit Schwefelwasserstoffen, die für den Gammelgeruch verantwortlich sind.

Wer ist schuld an der Geruchsentwicklung? Schlachthof und Behörden äußern sich

Pöllot betont, dass Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden. Seit dem 15. Juli kommt der Stoff „Eisen III“ ins Abwasser. „Dieser Vorgang hemmt die Geruchsentwicklung weitestgehend und ist als Sofortmaßnahme bereits deutlich zu spüren.“ Einen Seitenhieb in Richtung Stadt kann sich Pöllot bei all dem Ärger aber nicht verkneifen. Die Beschwerden seien nur „sehr lückenhaft weitergeleitet worden“.

Das Abwasser der Schweineschlachtung muss vorgereinigt werden. Dieser Prozess bereitet Probleme. Deswegen kommt es in der Zenetti- und in der Thalkirchner Straße zu üblem Gammel-Geruch.

Das weist das Referat für Umwelt und Gesundheit zurück. Die Behörde ist seit Juni über die Probleme informiert, die auch im Bezirksausschuss Isar-Ludwigsvorstadt bereits Thema waren. „Als Sofortmaßnahme wurde die Reinigung und Spülung eines Großteils der Abwasserkanäle und Schächte veranlasst, um diese als Geruchsquelle sicher ausschließen zu können.“ 

Es zeigte sich: „Im Keller des Brunnenhauses gab es aufgrund einer Störung Probleme mit einer Pumpe“, erklärt ein Referatssprecher. Weder diesen Punkt noch die Reinigungsaktion hatte die Schweineschlachtung von sich aus eingeräumt. Nachbar Wolter hat, seit er am Schlachthof wohnt, für sich persönliche Konsequenzen gezogen. Er ist Vegetarier geworden: „Ich kann einfach kein Fleisch mehr essen.“ 

Zu einer ärgerlichen Panne kam es am Schlachthof in München auch kurz nach Beginn des Jahres 2019. Daraufhin musste das Fleisch von rund 650 Schweinen verbrannt werden.

Wegen starken Verwesungsgeruch riefen Nachbarn in München Laim vor einigen Wochen die Polizei. Die machte eine interessante Entdeckung in einem Wintergarten.

nah/bus

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