„Fürs Leben geschädigt“

Münchner Held liest ekligen WhatsApp-Chat mit und rettet so einen Jungen (13)

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Daniel Ollert an der Station Fraunhoferstraße. Kurz zuvor hatte er bei einem Buben in der U-Bahn einen verdächtigen WhatsApp-Chat bemerkt.

Ein polizeibekannter Sexualstraftäter versuchte, einen 13-jährigen Jungen über WhatsApp zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Ein aufmerksamer Beobachter der Situation wusste dies jedoch zu verhindern. 

München - Drei Minuten. Nur drei Minuten sind es mit der U2 zwischen dem Hauptbahnhof und der Fraunhoferstraße. In diesen drei Minuten hat Daniel Ollert (31) einen Buben aus den Fängen eines Vergewaltigers gerettet. Und sein Leben für immer verändert. Innenminister Joachim Herrmann (62, CSU) überreichte ihm und 36 anderen Helden aus Bayern gestern die Sicherheitsmedaille – weil sie unser Leben ein Stück sicherer gemacht haben. 

München: Pädophiler will 13-Jährigen per WhatsApp-Chat ködern

An jenem Morgen, den 2. Februar 2018, wird am Hauptbahnhof ein Platz neben Jan (13, Name geändert) frei. Ollert setzt sich. „Der Junge hat in sein Handy getippt“, sagt er. „Ich habe beiläufig reingeschaut. Und gesehen, dass er auf WhatsApp mit einem ‚Onkel Millie‘ schreibt.“ Ollert schaut genauer hin. Und sieht, wie jener Onkel Millie schreibt: „Ich würde dich gerne mal wieder umarmen. Wieder hinter den Computern?“ Und Jan antwortet knapp: „Ok.“ Daniel Ollert hat sofort einen Verdacht. Also tippt er Jan an und fragt: „Hey, dein Onkel – warum umarmt der dich nicht in der Öffentlichkeit?“ Jan sagt: „Besser so.“ Onkel Millie sei ein Freund seines Vaters.

WhatsApp-Chat mit einem Vergewaltiger - Beobachter schöpft Verdacht

Ollert hakt nach und fragt, ob seine Mutter von den Umarmungen wisse. Und Jan antwortet wieder: „Nein. Ist auch besser so.“ Und versichert, dass es wirklich nur um Umarmungen gehe. „Dann waren wir an der Fraunhoferstraße und ich musste aussteigen“, sagt Ollert. Er fragt den Buben nach seiner Handynummer – und schreibt ihm sofort eine Nachricht, als er ausgestiegen ist. Dann ruft er die Polizei und erfährt: „Onkel Millie“ ist polizeibekannt – ein pädophiler Sexualstraftäter. 

Kinderschänder: Vergewaltigungs-Videos auf Festplatten gespeichert

Am Nachmittag telefonieren Daniel Ollert und Jan. Der Bub gesteht: „Du, Daniel. Die Polizei war gerade hier. Und ich war nicht ganz ehrlich zu dir. Ich hatte Sex mit Onkel Millie.“ Am gleichen Tag nimmt die Polizei den Kinderschänder fest – und stellt Vergewaltigungs-Videos von weiteren Kindern sicher. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. „Ich weiß, dass der Junge fürs Leben geschädigt ist“, sagt Daniel Ollert. „Aber ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er wieder auf die Beine kommt.“
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Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern besteht gegen Eric J. - das LKA sucht europaweit nach dem Flüchtigen. 

Zu einem heftigen Streit ist es am Wochenende in München gekommen. Auslöser für den Ausraster eines 20-Jährigen war ein verweigerter Kuss.

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