Schnapsidee oder Zukunftsmusik?

Wie wahrscheinlich sind Flug-Taxis in München? Hersteller nennt sogar ein konkretes Datum

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So soll der Starnberger Flügelbahnhof nach dem Umbau aussehen. Ob dort auch Flächen für Flugtaxis bereitstehen, ist offen

Die Münchner Flug-Taxi-Idee sorgt für ordentlich Diskussionsstoff in der Stadt. Wir haben bei einem Hersteller aus Weßling nachgefragt, wie wahrscheinlich das Szenario ist. Und eine sehr konkrete Antwort bekommen.

München - Abheben vom Starnberger Flügelbahnhof: der CSU-Vorschlag, Flugtaxis könnten Passagiere in sieben Minuten vom Hauptbahnhof zum Airport bringen, sorgt für Gesprächsstoff.

„Total verrückt“, sagen die einen. „Der richtige Schritt in die Zukunft“, die anderen. Dass man in der Innenstadt herumfliegt, ist allerdings nicht neu, wie uns tz-Fotograf Heinz Gebhardt auf herrlichen Bildern aus seinem Archiv zeigt. 

CSU-Plan war schon in den 1920ern aktuell11

Auf einem Bierfass schwirrt ein g’wamperter Münchner mit Krug und Radi an der Bavaria vorbei. In Körben segeln lachende Mannsbilder – eine „Luftlinie zum Salvatorkeller“. Oben sehen Sie zwei Münchner Postkarten aus den 1920er-Jahren. Sie stammen aus dem Archiv von tz-Fotograf Heinz Gebhardt, der mit einem Schmunzeln dazu sagt: „Flugtaxis in der Stadt, das ist doch eine alte Schnapsidee…“

Lesen Sie auch die Erstmeldung: Abheben am Flügelbahnhof: Kreisen über München bald fliegende Taxis?

Alte Postkarten zeigen, was die Münchner schon vor 100 Jahren beflügelte

Was wirklich über den Bahnhof schwebte, war das Luftschiff Graf Zeppelin. Laut Stadtchronik hat der Zeppelin am 28. September 1928 mit Oskar von Miller an Bord über den Bahnhof einen Briefbeutel für die Münchner Zeitung abgeworfen und eine Schleife um Frauenkirche und Rathausturm gedreht.

Ist das heute bald mit Flugtaxis möglich? Wir fragten nach bei einer Weßlinger Firma, die diese Flieger baut.

Wir haben mit Daniel Wiegand (33) von der Firma Lilium, die er mit drei Ingenieuren und Doktoranden von der Technischen Universität München gegründet hat, gesprochen. Seit 2015 entwickelt und baut das Unternehmen in Weßling (Kreis Starnberg) den weltweit ersten elektrischen Senkrecht- und Landungsjet, der bis zu Tempo 300 schafft. „Wir freuen uns natürlich, dass sich München mit dieser Thematik befasst“, erklärt Wiegand. „Mit dem Lilium Service würden wir zu einer sauberen, bezahlbaren und effizienten Mobilität in München beitragen.“

Ein unbemannter Erstflug fand bereits im April 2017 auf dem Flugplatz Oberpfaffenhofen statt. Aber welche Voraussetzungen sind nötig, um diesen Jet auch in der Innenstadt starten zu lassen? „Die Anforderungen sind vergleichsweise gering, da wir ja vertikal starten und landen“, sagt der Geschäftsführer. „Da braucht es nur eine kleine Landefläche mit relativ geringer Bodenbelastung. Verglichen mit den Kosten für den Ausbau von Zugverbindung oder Autobahnen ist diese Technik unschlagbar.“

Ein Lilium-Jet könnte laut Wiegand bereits in den frühen 2020er-Jahren abheben. „Perspektivisch wird es möglich sein, in einem Radius von 300 Kilometern jedes Ziel anzufliegen, das mit der notwendigen Lande- und Start-Plattform ausgestattet ist“, sagt der begeisterte Flieger. „Dies ermöglicht es jedem einzelnen, seinen Lebensradius um ein Vielfaches zu erweitern.“ Aber kann sich das der Durchschnittsbürger auch leisten? Wiegand ist optimistisch: „Es sollte uns möglich sein, bei mittleren Strecken unter den Preisen eines konventionellen Taxis zu liegen.“

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