Chaos durch Orkan Niklas

Die Gestrandeten vom Hauptbahnhof: "Hotel kostet 200 Euro"

München - Mitten in die Hauptverkehrszeit platzt die Nachricht: Der Münchner Hauptbahnhof ist gesperrt! Reisende werden aufgefordert, sich für die Nacht eine Unterkunft zu suchen.

Es fährt kein Zug nach nirgendwo … Orkan Niklas, der gestern mit Tempo 150 durch Bayern fegte, hat vor allem bei uns in München für Riesen-Chaos gesorgt – und ganz besonders am Hauptbahnhof.

Alle Infos zum Sturm gibt es hier im Live-Ticker

Ein Stück Glas aus der Dachkonstruktion.

Die meisten der Passagiere trauten ihren Ohren nicht, als sie am frühen Abend diese Durchsage aus den Bahnhofs-Lautsprechern hörten: „Bitte suchen Sie sich für den heutigen Tag eine Unterkunft!“ Denn: Der Zugverkehr war weitgehend eingestellt – keine Chance mehr, auf dem Schienenweg weiterzukommen. Und: Der Bahnhof selber war ab 15.45 Uhr im Gleisbereich komplett gesperrt! Der Sturm hatte Glasscheiben aus der Deckenkonstruktion gedrückt. Die fielen dann als gefährliche Geschosse nach unten. Dass dabei niemand verletzt wurde: reines Glück.

Sturmtief Niklas: Die Bilder unserer Leser

So leer sieht man die Halle am Hauptbahnhof selten.

Feuerwehr, technisches Hilfswerk und Bahn sicherten das Dach, um weiteren Schaden abzuwenden. Auch anderswo arbeiteten die Helfer fieberhaft. Allein die Münchner Feuerwehrler hatten bis 15.15 Uhr insgesamt 838 Sturm-Einsätze geleistet, zusätzlich zur Integrierten Leitstelle war auch noch die Notleitstelle in Betrieb. Die Polizei kam bis 17.15 Uhr auf 600 Sturm-Einsätze. Unter anderem gab es umgestürzte Bäume von Straßen und Schienen zu entfernen, auch Gebäude waren zu sichern. Ein Bauarbeiter verletzte sich leicht, als er vom Gerüst stürzte. Die S-Bahn, ja schon bei normalem Wetter ein Sorgenkind, kämpfte mit großräumigen Störungen. In der rechten Spalte auf dieser Seite zeigen wir Ihnen einige weitere Beispiele aus der Sturm-Stadt München. Auf den folgenden beiden Seiten sehen Sie dann Eindrücke aus dem restlichen Freistaat – auch hier wütete der Sturm.

Und die Gestrandeten vom Hauptbahnhof? Die Leute, die nicht mehr wegkamen? Die sprechen hier:

Warte schon seit Stunden

Ich wollte heute von Lindau nach Erlangen. Im Radio habe ich gehört, dass es in München Probleme gibt und bin vorsorglich mit dem Fernbus hergefahren. Hier geht jetzt aber gar nichts weiter. Ein Kollege hat heute aber zufällig einen Termin in München und nimmt mich mit nach Erlangen – auf ihn muss ich hier aber schon seit zwei Stunden warten.

Stefan Filep, 33, Ingenieur aus Lindau

Gestrandet vom Flughafen

Ich komme aus Kempten und wollte Samantha vom Münchner Flughafen abholen. Geplant war, in München Mittag zu Essen, bis wir aber wieder in der Innenstadt waren, war es allein 17 Uhr. Und nach Kempten kommen wir heute gar nicht mehr. Jetzt geht es mit Ubahn und Taxi zu meiner Oma am Stadtrand.

Thomas Thamm, 20 und Samantha Hauser, 20, Studenten aus Kempten und Chicago

Hotel kostet 200 €

Wir kommen aus Zürich. Meine Tochter hatte heute ein Vorstellungsgespräch in München und ich habe sie begleitet. Wir wollten heute Abend noch zurück nach Zürich, aber das klappt nicht. Jetzt müssen wir uns ein Hotel suchen – hier habe ich mich gerade erkundigt: Eine Nacht kostet 200 Euro. Ich denke nicht, dass die Bahn etwas zahlt.

Detlef Mohap, 57, Zugchef mit Adriana Mohap, 19, Animateurin aus Zürich

Schnell zurück ins Hotel

Ich habe meiner Mutter einen Shoppingtrip nach München geschenkt. Gerade wollten wir zurück nach Kaiserslautern fahren, und wissen gerade überhaupt nicht, was los ist. Wir haben noch gar keine Informationen bekommen. Wir gehen jetzt am besten schnell zurück in unser Hotel und schauen, ob wir noch ein Zimmer bekommen – bestimmt ist schon alles ausgebucht.

Birgit Weilacher, 43, Zahnarzthelferin mit

Ute Wissmann, 71, Rentnerin aus Kaiserslautern

Hier werden Münchner vom Wind umgeworfen: Wetter-Fotos aus Bayern

Milena Heißerer

 

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