Neue Studie über Coming-Outs

Münchner über ihr Outing: Das sind ihre Geschichten

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Drei Münchner erzählen der TZ im SUB, dem Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V., wie es für ihn war, sich zu outen.

Lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder queer zu sein, ist in unserer Gesellschaft noch immer nicht selbstverständlich. Wir haben uns mit drei „Betroffenen“ über ihr Coming-out unterhalten.

München - Das Bundesfamilienministerium hat im Jahr 2005 eine Studie zum Thema Coming-out in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse, die das Deutsche Jugendinstitut in München daraufhin anhand von Online-Befragungen und Interviews ermittelt hat, hat die Diplompsychologin Claudia Krell am vergangenen Dienstag im Schwulen Kultur- und Kommunikationszentrum (Sub) in der Müllerstraße vorgestellt. Befragt wurden insgesamt 5000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 27 Jahren.

„Natürlich haben wir das Rad mit unserer Studie nicht neu erfunden“, sagt Krell. Aber wenigstens gebe es jetzt endlich fundierte Zahlen, auf die man sich künftig berufen könne. Denn Fakt ist: Von den 5000 Befragten haben insgesamt 82 Prozent angegeben, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung schon einmal mit Worten oder Taten diskriminiert worden zu sein. Wir haben uns mit drei „Betroffenen“ über ihr Coming-out unterhalten.

Uwe Hagenberg (60), Sozialarbeiter aus München: „Ich zeige mich offen“

Ich habe lange Zeit gar nicht so richtig gewusst, dass ich schwul bin – bis mich eine Freundin darauf angesprochen hat. Und plötzlich wurde mir so viel klarer. Meinen ersten Freund hatte ich mit 23, die Liaison hielt immerhin zwei Jahre. Mittlerweile bin ich glücklich verpartnert. Ich bin von Anfang an ganz offen mit meiner Sexualität umgegangen. Denn ich glaube, dass die ganzen Vorurteile, die nach wie vor kursieren, nur dann verschwinden können, wenn man sich zeigt.

Günther Wolf (65), Sozialpsychologe aus München: „Der Weg entsteht dadurch, dass man ihn geht“

Wenn man – so wie ich – in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, dann ist es sehr schwer, sich einzugestehen, dass man „anders“ ist. Mit 21 Jahren habe ich zum ersten Mal mit einem Freund darüber gesprochen. Offiziell geoutet habe ich mich allerdings erst viele Jahre später. Heute lebe ich nach dem Motto: Der Weg entsteht dadurch, dass man ihn geht. Ich habe gelernt, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Mein Mann gibt mir dabei sehr viel Sicherheit.

Carsten B. (44), Architekt aus München: „Ich bin genau richtig, wie ich bin“

Dadurch, dass meine Freunde im Prinzip schon vor mir gewusst haben, dass ich nicht auf Frauen stehe, musste ich mein Coming-out nie aktiv initiieren. Meiner Mutter habe ich am Telefon erzählt, dass ich schwul bin, mit meinem Vater habe ich nie darüber gesprochen. Vielleicht aus Unsicherheit, vielleicht aber auch, weil wir nie über intime Dinge gesprochen haben. Angst davor, dass sich jemand von mir abwenden könnte, hatte ich nie. Denn ich bin, wie ich bin – und das ist gut so.

Lesen Sie auch den Gastbeitrag von Marcel Rohrlack (Sprecher der Grünen Jugend München): München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie! Dass er damit nicht Unrecht hat, zeigt zum Beispiel die Prügelattacke im Glockenbachviertel im Mai 2017

Sarah Brenner

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Isarvorstadt - mein Viertel“.

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