Nach Angriff am Arbeitsamt

Anklage gegen Scheren-Mann eingereicht

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Nach Patronenhülsen suchten die Polizisten im Gebüsch. 

München - Auch fast sieben Monate, nachdem Polizisten in der Isarvorstadt nahe des Arbeitsamtes einen verwirrt wirkenden Mann angeschossen haben, ist laut Staatsanwaltschaft „das Prüfverfahren“ noch immer nicht abgeschlossen.

Die Fragen, ob die Polizisten sich korrekt verhalten und wie viele Schüsse den 26-jährigen Italiener nun getroffen haben, bleiben damit unbeantwortet.

Unterdessen ist die Anklage gegen den 26-Jährigen fertig. „Die Staatsanwaltschaft hat eine Antragschrift bei Gericht eingereicht“, sagt Sprecher Florian Weinzierl. Die Staatsanwaltschaft geht von einem „strafrechtlich relevanten Verhalten“ aus. Aufgrund der mutmaßlichen psychischen Erkrankung des 26-Jährigen sei es möglich, dass der Mann in einer Psychiatrie untergebracht wird.

Wie berichtet, hatte der 26-Jährige am 19. Mai zunächst mit einer Küchenschere einen Passanten bedroht und anschließend am Kapuzinerplatz Polizisten angegriffen. Durch Pfefferspray und einen Warnschuss ließ sich der Italiener nicht stoppen. Drei Beamte sollen schließlich zehn Schüsse auf den Mann abgegeben haben, sieben davon stammten aus der Waffe eines Polizisten. „Drei bis fünf Mal“ wurde der Lackierer nach ersten Angaben der Polizei in Bauch und Beine getroffen. Der Italiener musste notoperiert werden. Nach dem Scheren-Angriff wurde der Mann, der zuletzt in einer betreuten Wohngemeinschaft im Westend lebte, in eine Psychiatrie eingeliefert. Polizei und Staatsanwaltschaft gingen nach der Attacke davon aus, dass diese auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen ist. Der 26-Jährige soll zur Szene der in München aktiven Salafisten gehört haben. Die Tat soll nach bisherigen Erkenntnissen wohl keine religiösen Hintergründe gehabt haben.

Getrennt von der Attacke ist laut Staatsanwaltschaft das Verhalten der Polizisten zu betrachten. Nach dem Vorfall hatte die Staatsanwaltschaft das Sachgebiet „Interne Ermittlungen Südbayern“ des Landeskriminalamtes mit der Durchführung der Prüfungen beauftragt. Das geschieht immer dann, wenn ein Mensch durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe verletzt wird. Da die „Ermittlungen komplex und vielschichtig“ gewesen seien, habe die Prüfung beim LKA lange gedauert, erklärte ein Sprecher zuletzt. Man habe „mit Hochdruck und mehreren Mitarbeitern“ ermittelt. Ein ballistisches Gutachten musste erstellt werden, Zeugen befragt und Bild- sowie Videomaterial ausgewertet werden. Bereits kurz nach der Scheren-Attacke kam die Staatsanwaltschaft zu der ersten Einschätzung, dass die Polizisten keine andere Wahl gehabt hätten, als zur Waffe zu greifen. Auch jetzt sagt Sprecher Florian Weinzierl, „bis dato“ gebe es keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des beziehungsweise der Beamten.

Bis die Prüfung nicht ganz abgeschlossen ist, könne er auch sieben Monate nach dem Vorfall keine Einzelergebnisse mitteilen.

Sehen Sie hier ein Video vom Polizeieinsatz im Mai 2016

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