Ehrenamtliche sollen die Seiten wechseln

Nach BRK-Aus auf der Wiesn: Aicher Ambulanz lockt Sanitäter mit umstrittener Kampagne

Der neue Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest, die Aicher Ambulanz, wirbt mit einer Prämie um Mitarbeiter auf der Wiesn. Das BRK, das seine Ehrenamtlichen nie bezahlte, ist alarmiert.

München - Es war ein harter Schlag für das Bayrische Rote Kreuz: Aus ist’s mit der Wiesn. Nach 133 Jahren darf das BRK nicht mehr den Sanitätsdienst auf dem größten Volksfest der Welt stellen. So entschied es die Stadt vor gut zwei Monaten. Der günstigere Privatunternehmer Aicher Ambulanz bekam den Zuschlag nach wochenlangem Kampf. Und dieser Kampf ist noch nicht vorbei: Denn wie unsere Zeitung erfuhr, sucht der Privatanbieter nun händeringend nach Sanitätern – zum Ärger des BRK.

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Wer gestern die Facebook-Seite von Aicher besuchte, sah eine große Suchanzeige: „Du möchtest als Sani auf dem größten Volksfest der Welt mitwirken?“ Wenn ja, solle man sich dringend melden. Zu lesen ist dort auch: Man arbeite als Ehrenamtlicher – aber man bekomme eine „Aufwandsentschädigung“. Und genau das stößt BRK-Geschäftsführer Leonhard Stärk sauer auf: „Hier werden Ehrenamtliche bezahlt, um irgendwie an Kräfte zu kommen“, schimpft der Rot-Kreuzler. „Das finden wir höchst verwunderlich.“

60 bis 120 Euro pro Schicht

60 bis 120 Euro soll es pro Schicht geben. Stärks BRK-Sanitäter hätten auf der Wiesn nie Geld für ihre Arbeit bekommen: „Natürlich gab es Essen und Trinken – aber das war’s.“ Ihm stinkt, dass nun Ehrenamtliche die Seiten wechseln könnten. „Natürlich verlieren auch wir dadurch Personal. Und Ehrenamtliche zu finden, ist sehr schwierig geworden.“ Mit der Entscheidung, dass man die Wiesn an Aicher abgeben müsse, habe man sich abgefunden. „Und wir wünschen denen auch viel Erfolg – aber diesen Aufruf sehen wir sehr kritisch.“

BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk.

Hat Aicher zu wenig Kräfte, um die sechs Millionen Wiesn-Gäste medizinisch zu versorgen? Tatsache ist laut BRK: Für ein Oktoberfest braucht man rund 1000 Sanitäter und Ärzte. An einem Wochenende sind pro Tag gut 120 Männer und Frauen im Einsatz. Als unsere Zeitung bei Aicher zum Thema nachfragt, will man dort nicht Stellung nehmen: „Wir wollen zu der ganzen Diskussion nichts mehr sagen.“

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Migranten als neue Einsatzkräfte?

Die Jagd nach Ehrenamtlichen tobt längst in der ganzen Stadt. Wegen des Mangels an Kräften gaben etwa die Johanniter vergangene Woche bekannt, dass man nun vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen wolle. „Wir sehen großes Potenzial darin, da ihr Anteil bei den Ehrenamtlichen noch vergleichsweise gering ist, sie aber wertvolle Kenntnisse, Fähigkeiten und Sichtweisen haben“, erklärte Nancy Kestler, die bei den Johannitern die Ehrenamtlichenstelle betreut.

Bleibt die Frage: Ist heuer auf der Wiesn die medizinische Versorgung gewährleistet? Der Aicher-Facebook-Aufruf lässt Leonhard Stärk zufolge daran zweifeln: „Das ist doch merkwürdig!“

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Armin Geier

Rubriklistenbild: © dpa / Felix Hörhager

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