Wenn sie darüber spricht, hat sie Gänsehaut

Nach Überfall auf Münchner Casino leidet das Opfer noch heute

Als Lanica R. an jenem Samstag im August 2016 ihre Nachtschicht in einem Casino am Hauptbahnhof antrat, ahnte sie noch nicht, dass diese Schicht ihr Albträume bescheren wird. Sie wurde überfallen.

München - Die 55-Jährige stand an der Theke, die Tür zum Casino war offen und ließ die laue Sommerluft herein. Seit sechs Jahren arbeitet Lanica R. schon in dem Casino. Noch nie war etwas passiert. Bis zu dieser Nacht. Gegen halb zwei Uhr morgens stürmte ein Mann mit einer schwarzen Strickmaske über dem Gesicht durch die Tür. „Ich wusste nicht, ob das ein Terrorist ist oder ein Überfall“, erzählt Lanica R. Bewaffnet mit einem Pfefferspray rennt Alexander S. auf sein Opfer zu, packt es an der Schulter. S. hat es auf das Wechselgeld in dem grauen Metallkasten abgesehen. Lanica R. reagiert instinktiv: Ich wusste, dass vier Spieler im Salon nebenan waren. Ich habe laut geschrien, aber keiner half mir“, sagte die 55-Jährigeam Dienstag am Landgericht aus. Dort muss sich Alexander S. wegen schweren Raubes und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. 

Lanica R. bekommt immer noch Gänsehaut, wenn sie von dem Überfall erzählt. Immer wieder habe der Mann gerufen, sie solle ihm das Geld geben. Schließlich konnte sie sich von ihrem Angreifer losreißen und aus dem Spielsalon flüchten. Alexander S. ist kein unbeschriebenes Blatt: Vier Überfälle in München auf Spielcasinos und ein Hotel gehen auf sein Konto. In allen Fällen forderte er mit vorgehaltenem Pfefferspray Geld. So erbeutete er 2260 Euro. Dem Räuber drohen mehrere Jahre Haft Bis heute kann die Casino-Mitarbeiterin die Nacht nicht vergessen: „Seit Monaten habe ich Albträume. Der Vorfall lässt mich nicht los“, sagte sie vor Gericht aus. Sie bekomme jedes Mal Panik, wenn während der Nachtschicht die Tür aufgeht. „Ich kann nach diesem Überfall nicht mehr normal leben wie früher“, sagte die 55-Jährige. Aber sie will durchhalten und ihre Ängste besiegen. Nach ihrer Aussage meldete sich der Angeklagte Alexander S. zu Wort: „Es tut mir leid.“ An die Details der Überfälle, sagt er, könne er sich nicht mehr erinnern.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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