Der nächste Brandanschlag

Nagelneuer Bagger angezündet: Wer sind die irren Feuerteufel?

+
Wenige Stunden nach dem Feuer steht fest: Es war schon wieder Brandstiftung, der elfte Fall seit 2014. Der Staatsschutz der Polizei (Kommissariat 43) hat die Ermittlungen übernommen.

Ein erst zwei Tage alter Bagger fiel einem Brand im Schlachthofviertel zum Opfer. Wenige Stunden nach dem Feuer gibt es bereits Indizien, welche Gründe hinter der Attacke stecken könnten.

München - Als Gessica Cavaleri (37) Donnerstagfrüh gegen 3.30 Uhr auf das Viehhof-Gelände an der Zenettistraße im Schlachthofviertel einbog, merkte sie gleich: „Da stimmt was nicht. Ich habe schon von Weitem Licht gesehen. Erst dachte ich, dass Arbeiter auf der Baustelle sind. Aber dafür war es doch zu früh“, sagt die Metzgereifachverkäuferin. Sie parkte, stieg aus - dann der Schock: „Das war kein Licht. Das war Feuer! Ich habe die Feuerwehr alarmiert und bin hoch gelaufen in die Umkleide.“ Von oben sah sie: Ein Bagger auf der Baustelle brannte lichterloh

Wenige Stunden später steht fest: Es war schon wieder Brandstiftung, der elfte Fall seit 2014 (siehe unten). Der Staatsschutz der Polizei (Kommissariat 43) hat die Ermittlungen übernommen. Eine Einschätzung der Situation von Seiten der Polizei gab es am Donnerstag nicht. Der Hightech-Kettenbagger (Marke Caterpillar) gehörte der Bergmann GmbH aus Feldkirchen, die im Viehhof mit Abbrucharbeiten beauftragt ist. 

Welcher Hintergrund mutmaßlich hinter den Brandanschlägen steckt

Firmenchef Manfred Bergmann: „Dieser Bagger kostete 280.000 Euro. Er war erst zwei Tage alt. Wir haben solange auf ihn gewartet. Der Baggerfahrer arbeitet seit vielen Jahren bei mir. Er ist heute früh bei diesem Anblick in Tränen ausgebrochen.“ Bergmann hat gestern schon einen anderen Bagger auf das Gelände gebracht. „Ich stehe in Kontakt mit der Stadt. Ich möchte wissen, wie das Gelände künftig vor weiteren Anschlägen geschützt wird.“   

Der brennende Bagger ist mutmaßlich ein Werk von linksextremistischen Zündlern.

Die Wut mutmaßlich linksextremistischer Zündler richtet sich bereits seit dem Jahr 2014 wahllos gegen Luxussanierer, Immobilienmakler und Baufirmen, deren Fahrzeuge und Glasfassaden speziell seit dem letzten Herbst massiv angegriffen wurden. Die Schäden gehen in die Hundertausende. Nun also auch im Viehhof, auf dem das Volkstheater und rund 400 Wohnungen entstehen. Es ist das erste größere Bauprojekt seit langer Zeit im tiefbürgerlichen Schlachthofviertel mit den vielen kleinen Läden und Handwerksbetrieben. 

Open-air-Kino-Betreiber Hartmut Senkel hatte hart für den Erhalt des Viehhof-Geländes gekämpft. „Es war vielleicht eine der letzten innerstädtischen Flächen, wo man Subkultur leben konnte,“ sagte er gestern. „Jemand meint wohl einen Grund zu haben, dass das, was jetzt passiert, nicht richtig ist“, mutmaßt er. 

Auch hier rätselt die Polizei 

Steine, Feuer, Vandalismus: Alle Anschläge geschahen nachts, viele in der Zeit zwischen 2 und 3 Uhr. Diese Fälle bearbeitet der Staatsschutz Linksextremismus der Polizei: 

3. und 14. April 2014: In der Ruffinistraße (Neuhausen) und in der Hohenzollernstraße (Schwabing) brennen fünf Autos ab. Zwei davon gehörten einem Immobilienmakler. 

9. Juni 2017: Die Fassade eines Bauträgers für Wohnimmobilien in der Baldestraße (Glockenbachviertel) wird durch Steinwürfe beschädigt. 

17. Oktober 2017: In der Schnorrstraße (Schwabing) brennen der Smart eines Immobilienmaklers und ein Golf. 

24. Oktober 2017: Vandalen werfen Steine gegen die Scheiben von Commerzbank und Woolworth am Tegernseer Platz (Giesing). Zudem brennen Reifen-Barrikaden. 

21. November 2017: Baldestraße: Erneut Steinwürfe auf die Glasfront des Bauträgers. 

25. November 2017: Wieder die Baldestraße: Eine Papiertonne direkt vor der Fassade des Bauträger brennt diesmal. 

2. Januar 2018: In der Entenbachstraße (Au) brennt das Fahrzeug einer Baufirma. 

7. Januar 2018: In der Ludmillastraße (Giesing) gehen zwei Autos in Flammen auf. Eines war ein Firmenwagen. 

9. Januar 2018: Auf Höhe der Schyrenstraße 4 (Untergiesing) brennen vier Container. Zeugen sahen kurz vorher einen Kleinwagen davonrasen. 

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Isarvorstadt - mein Viertel“.

Dorita Plange, Daniela Schmitt

Auch interessant

Meistgelesen

Arnulfsteg kostet 26 Millionen Euro -Stammstrecke muss gesperrt werden  
Arnulfsteg kostet 26 Millionen Euro -Stammstrecke muss gesperrt werden  
Schüsse in Fürstenried: 40-Jähriger gerät bei SEK-Einsatz unter falschen Verdacht
Schüsse in Fürstenried: 40-Jähriger gerät bei SEK-Einsatz unter falschen Verdacht
Erst Jubel-Ausraster, dann große Trauer: So sehr litten Münchner Kroaten unter dem WM-Wahnsinn
Erst Jubel-Ausraster, dann große Trauer: So sehr litten Münchner Kroaten unter dem WM-Wahnsinn

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.