„Links stehen, rechts stehen“

Neue Rolltreppen-Regelung im Hauptbahnhof: Gehen verboten!

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Mit diesen Piktogrammen weist die MVG Fahrgäste auf die – vorübergehend – neue Regelung hin.

Die MVG stellt die eherne Rolltreppen-Regel „Links gehen, rechts stehen“ infrage. Am Hauptbahnhof bittet das Unternehmen die Passagiere aufgrund einer Studie, auch links zu stehen.

„Links gehen, rechts stehen“ heißt das ungeschriebene Gesetz auf Rolltreppen. Hält sich jemand nicht daran, wird hinter ihm gerne gemault, gedrängelt und geschubst. Am Hauptbahnhof soll mit dieser gängigen Praxis nun Schluss sein – vorübergehend. Der Grund: Der Übergang zwischen U1/U2 und U4/U5 ist voraussichtlich noch bis 1. September gesperrt. Die beiden 33 Jahre alten Rolltreppen – laut MVG zwei der wichtigsten in der Landeshauptstadt – werden komplett erneuert. Fahrgäste müssen einen größeren Umweg über das Sperrengeschoss in Kauf nehmen. „Die Sperrung hat zur Folge, dass wahrscheinlich mehr Fahrgäste als sonst die Rolltreppen in der Bahnsteigmitte nutzen müssen und es enger wird“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte.

Und weil man im Verkehrsunternehmen davon überzeugt ist, dass sich der Bahnsteig schneller leert, wenn auf der Rolltreppe beide Kolonnen stehen, gebietet man seinen verdutzten Passagieren jetzt auf Piktogrammen: „Links und rechts stehen, nicht gehen!“

So soll unter anderem der übliche Rückstau am Ende der rechten Seite der Treppe verringert werden, an der sich normalerweise die „Steher“ einsortieren. „Es geht hier um Situationen, in denen es sehr voll ist“, sagt Korte. „Wenn die Fahrgäste auf beiden Seiten stehen, können die Kapazitäten besser genutzt werden und letztlich kommen alle schneller hoch.“ Zwar sei der einzelne womöglich schneller, wenn er geht. „Aber eine Rolltreppe hinauflaufen ist sehr raumgreifend und erfordert größere Abstände zwischen den Menschen.“

Ein Experiment kommt zum gleichen Ergebnis

Zu diesem Ergebnis kam auch ein Experiment, das die Verkehrsgesellschaft „Transport for London“ vor einiger Zeit an der „Holborn Station“ machte. Diese Station ist zu Stoßzeiten immer besonders verstopft. Das Pilotprojekt zeigte, dass alle schneller vorwärts kommen, wenn die Leute eng stehen, statt zu gehen. Eine Rolltreppe könne so in derselben Zeit knapp 30 Prozent mehr Menschen transportieren. Der Test kam darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass es an weniger belebten Stationen keine signifikanten Unterschiede macht. Korte: „Unsere Kollegen kennen natürlich auch die Situation in London und sind im Austausch mit den Mitarbeitern dort.“

Dem Sprecher zufolge ist das Hochlaufen einer Rolltreppe generell ein Sicherheitsthema. „Es liegt in der Natur der Sache, dass man beim Gehen einem tendenziell höheren Unfallrisiko ausgesetzt ist.“ Die Treppe sei in Bewegung und könne im Notfall auch mal abrupt stehen bleiben. „Jeder sollte sich einen sicheren Stand verschaffen und sich festhalten.“ Pro Jahr gibt es etwa 150 Unfälle auf Rolltreppen – eine vergleichsweise geringe Zahl, wenn man bedenkt, dass die 771 Rolltreppen im MVG-Netz täglich von Hunderttausenden Fahrgästen genutzt werden.

Die Empfehlung vom Hauptbahnhof auch für andere Bahnhöfe auszusprechen, ist laut MVG im Moment nicht geplant. „Wir beobachten aber natürlich trotzdem mit Interesse, ob der Appell fruchtet und etwas bewirkt.“

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