Bis 2026 soll er fertig sein

Hauptbahnhof: Darum muss er umgebaut werden

München - Der Münchner Hauptbahnhof soll bis zum Jahr 2026 ein komplett neues Gesicht bekommen. Warum ein Umbau dringend notwendig ist und was alles verändert werden soll.

Bahnchef Rüdiger Grube hat schon grünes Licht gegeben und Münchens Planungschefin Elisabeth Merk jubelt: „So nah waren wir dem neuen Hauptbahnhof noch nie.“ Am Mittwoch stellten die Bahn, die Stadt und das Architektenbüro Auer Weber die überarbeiteten Pläne für den künftigen Münchner Hautbahnhof vor. Das Terminal selbst soll im Wesentlichen so bleiben, wie seit 2006 geplant wurde, allerdings kommt ein neuer Turm hinzu am Starnberger Flügelbahnhof. Wenn alles gut läuft, wäre das neue Terminal 2026 fertig. Die Kosten zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro!

Die Vorgeschichte: Schon seit der Jahrtausendwende plant die Bahn einen Neubau des Empfangsgebäudes. Das Münchner Architektenbüro Auer Weber hatte 2006 einen Wettbewerb über den Neubaus des Hauptbahnhofes gewonnen, der Bahn war dieser Entwurf zunächst zu teuer, sie stellte 2011 im Stadtrat einen eigenen Entwurf vor, der von den Ratsherren brüsk abgelehnt wurde. Das Büro Auer Weber überarbeitete darauf den Entwurf, der jetzt ins Genehmigungsverfahren kommt und der gestern der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Was wird sich ändern? Das Durcheinander von Bauteilen aus der Zeit vor und nach dem Krieg wird komplett mit Schalterhalle, Geschäften usw. abgerissen. Auch Bahnhofsmission und die Polizeigebäude kommen weg. Die Halle selbst wird schon ab heuer erneuert, nicht umgebaut. Am Starnberger Flügelbahnhof entsteht ein 75 Meter hoher Turm, der ein Hotel beherbergen könnte. Der Bahnhofsvorplatz bleibt künftig Fußgängern und Trambahnen sowie Bussen vorbehalten.

So geht es weiter: Am nächsten Mittwoch wird der sich der Planungsausschuss der Stadt mit den Plänen beschäftigen. Bis Mai soll es einen Beschluss des Stadtrates geben. Die Öffentlichkeit soll stets über die nächsten Schritte informiert werden. Die Bahn will dann unverzüglich mit den konkreten Planungen beginnen. Denn möglicherweise beginnen schon kommendes Jahr die Vorbereitungsarbeiten am Hauptbahnhof. Erst werden Leitungen verlegt, dann wird das Ufo-artige Taubenklo am Haupteingang abgerissen, um in den Untergrund graben zu können. Der oberste Bahnhofchef Dr. André Zeug erklärt: „Wenn wir den Schacht für die Stammstrecke in 40 Meter Tiefe graben, muss die Mitte des alten Bahnhofsgebäudes weg.“ Dann würde dort anschließend schon das erste Teil des neuen Hauptbahnhofes errichtet, danach würden die Seitenflügel im Norden und Süden abgerissen und neu gebaut. Für die Bauzeit des Empfangsgebäudes werden zirka fünfeinhalb Jahre und für den Starnberger Flügelbahnhof drei Jahre veranschlagt. Falls die Stammstrecke nicht kommt? Dr. Zeug: „Dann bauen wird den Hauptbahnhof trotzdem!“

Das sagt die Politik: OB Dieter Reiter (SPD) begrüßt den Entschluss: „Mit dem vorgelegten Konzept für das Empfangsgebäude des Münchner Hauptbahnhofs und dem Starnberger Flügelbahnhof bietet sich gerade im Zusammenhang mit dem sehr wichtigen Infrastrukturprojekt 2. Stammstrecke die Chance, die Bahnhofsgebäude und das Umfeld ganzheitlich neu zu entwickeln und aufzuwerten.“ Bürgermeister Josef Schmid (CSU) jubelt ebenso: „Es freut mich, dass mit der Neugestaltung auch Verbesserungen für das Umfeld möglich werden.

Übrig bleibt nur diese Uhr

Die Bahnhofsuhr und das Kunstwerk dahinter bleiben erhalten.

Mit dem Bahnhof geht auch ein Stück Münchner Geschichte: Im Jahre 1839 stand hier ganz in der Nähe der erste Münchner Bahnhof. Damals war er jedoch nicht mehr als eine Holzbaracke. Nachdem der Bau 1839 abbrannte, wurde er als Centralbahnhof wieder aufgebaut – für damalige Verhältnisse als eine gewagte Stahlkonstruktion. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof stark beschädigt. Die alten Gebäudeteile wurden durch neue ersetzt. Neu auch: der Bahnhof wurde international! Vor allem die Amerikaner lernten den Bahnhof und sein Viertel lieben, inklusive Ami-Bars. Bis in die 60er-Jahre war der Bahnhof fest in US-Hand. Das Bild änderte sich wieder mit den ersten Gastarbeitern. Viele davon siedelten sich im Viertel an. Der Multi-Kulti Bahnhof von heute ist geboren!

Vom bestehenden Bahnhof soll nur die Uhr am Hautengang und das Mosaik dahinter von Rupprecht Geiger von 1951erhalten bleiben. Es soll innen einen neuen Platz bekommen.

So soll der Hauptbahnhof einmal aussehen

So soll der Hauptbahnhof einmal aussehen

7 hässliche Gründe warum es den Umbau braucht

Taubenschlag Hauptbahnhof: Wo viele Menschen sind, sind auch immer viele Tauben – und am Hauptbahnhof sind jede Menge Menschen! Überall finden die Tauben ein ruhiges Plätzen und verschmutzen so den Bahnhof. Das ist nicht nur richtig greislig sondern macht auch das Gebäude kaputt.

Häßliche Fassaden: Hässlich, Hässlicher, diese Fassade! Direkt neben einem Laden für Militärmode ist diese Münchner Baukunst zu bewundern. Kein Wunder, dass dieser schmucke Laden leersteht. Was sich der Architekt wohl dabei gedacht hat?

Wo sind eure ganzen Besitzer hin? Brauchen Sie noch ein neues Radl? Am Hauptbahnhof haben Sie die volle Auswahl. Tausende abgestellte Räder warten hier (vergeblich) auf ihre eigentlichen Besitzer. Deshalb werden diese regelmäßig versteigert. Bis dahin stehen sie einfach überall im Weg rum.

DDR mitten in München: Besucher reiben sich bei diesem Anblick verwundert die Augen. Die DDR lebt in München weiter? Dieses Gebäude scheint direkt aus einer Zeitmaschine in die Münchner Innenstadt gekommen zu sein. Alleine wegen dieser Bausünde muss endlich eine Sanierung her!

Bahnhofs-Müllhalde: In manchen Teilen des Bahnhofes hat man das Gefühl auf einer Müllhalde gelandet zu sein. Da bringt aber ein Umbau auch eher wenig. Wenn die Leute einfach ihren Müll auf den Boden schmeißen schaut der neue Bahnhof bald wieder so aus.

Schließfächerkammer: Rumpelkammer Hauptbahnhof? Neben Schließfächern stehen hier abgestellte Automaten, an der Decke schlängeln sich rote Rohre und eine offene Tür lädt zu einem Blick in den Keller ein. Eins ist klar: dieser Raum lädt nicht gerade zum verweilen ein.

Ranzige Fenster: Glasfenster haben einen großen Vorteil – sie sind lichtdurchlässig! Nachteil: dies ist nur der Fall wenn die Fenster sauber sind. Die Münchner Fenster sind mittlerweile mehr ranzig als hell. Am besten sollte man also den Blick in München nicht nach oben werfen!

Johannes Welte, Florian Fussek

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