Keine Decken, keine Betten, keine Verpflegung

Orkan Niklas: Bahn verärgert Kunden mit "Schlafzug"

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Dieser Zug wurde den Gestrandeten zur Verfügung gestellt.

München - Wegen Orkan Niklas ging für viele Reisende auch am Mittwoch nichts. Viele verbrachten die Nacht sogar in einem Schlafzug am Ostbahnhof - und erlebten eine Bahn-Odyssee.

Es ist Mittwochabend, 21 Uhr: Eine Menschentraube steht vor dem Eingang zum Hauptbahnhof. Kein Einlass, kein Zug fährt! „Wo soll ich jetzt schlafen?“, ruft eine verzweifelte Frau einem Mann von der Bahn zu. „Am Ostbahnhof steht ein Schlafzug für sie bereit“, lautet die Antwort. Ein Schlafzug? Auch tz-Redakteur Armin Geier ist unter den Wartenden, kommt seit Stunden nicht nach Hause. Mit mehreren Gestrandeten entscheidet er sich, per U-Bahn zum Ostbahnhof zu schauen. Ein Fehler…

Denn was die Bahn dort auf’s Gleis gestellt hatte, ist eine Enttäuschung: ein Regionalzug mit offenen Türen. Dort dürfen die Pendler, die keine Unterkunft mehr gefunden haben, schlafen. In normalen Sitzen. Liegewagen? Betten? Fehlanzeige! „Nicht einmal Decken haben wir bekommen“, erzählt Angelika Haymerle, die mit ihren Kindern in einem der Abteile sitzt. Sie wollte nach einem Kurzurlaub in München zurück nach Wien. „Das hier ist echt eine Frechheit.“ Auch mit Essen sieht es schlecht aus. Niemand versorgt die Fahrgäste zumindest mit Käse- oder Wurstsemmeln. „Ich bin schockiert, wie schlecht alles gehandhabt wird.“

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Da geht es Eddy von Nussdorf (59) nicht anders. Der Bayer, der in der Verwaltung des Nationalmuseums arbeitet, pendelt seit 16 Jahren jeden Tag nach Brannenburg. „Aber so etwas habe ich noch nie erlebt! Ein Schlafwagen?“, wundert er sich. „Das ist nur ein leerer Zug und außer einer Flasche Wasser haben wir nichts bekommen. Ich zahle fast 2000 Euro für meine Jahreskarte. Da kann man doch mehr erwarten.“ Als er dies sagt, steigen wieder Leute aus dem Zug aus. „Wir suchen uns was anders zum Übernachten“, ruft ein Mann. Und tz-Redakteur Armin Geier? Auch er entscheidet sich, lieber bei einem Kollegen zu schlafen.

Johannes Heininger

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