Zeugen sind schockiert

Polizei erschießt Wiesn-Kuh: "Wie eine Hinrichtung"

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Das Schreckens-Szenario auf der Wiesn.

München - Die Aufregung war groß um die entlaufene Kuh, die von der Polizei am Dienstag Vormittag auf der Wiesn erschossen wurde. Zeuge schildern ihre Beobachtungen in der tz.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, morgens um 7 Uhr von einer wildgewordenen Amok-Kuh mitten in der Großstadt aufgespießt zu werden? Einer Joggerin (28) ist genau das Dienstagfrüh auf der Theresienwiese passiert.Kurz darauf erschoss die Polizei das Tier – das Ende einer spektakulären Kuh-Hatz, wie sie die Stadt noch nie erlebt hat:

Um 6.50 Uhr kam die Kuh im Viehtransport im Schlachthof an. Beim Abladen vergaß der Fahrer (49) ein Vorgatter zu schließen. Schon war’s passiert: Mitten durch den Haupteingang galoppierte die Kuh hinaus auf die Zenettistraße, drehte eine Runde über den Kapuzinerplatz und rannte zurück aufs Gelände der Darul-Quran-Moschee in der Ruppertstraße. Dort sprang die Kuh über die Mauer und galoppierte über die Kreuzung der Lindwurmstraße direkt zum Bavariaring, den sie einmal umrundete.

Arbeiter fanden wenig später diese Projektile.

Dort traf sie auf eine Gruppe Jogger, die sie sofort angriff. Die 28-Jährige wurde von der 550 Kilo schweren Kuh von hinten auf die Hörner genommen. Zudem trampelte das Tier auf der am Boden liegenden Frau herum! Die Joggerin kam mit schweren Rückenverletzungen in eine Klinik. Einen zweiten Angriff auf einen Fußgänger konnten die Polizisten stoppen, indem sie sich mit ihrem Auto in den Weg stellten. Da rammte die Kuh den Polizeiwagen. Auf Höhe des Schützenfestzeltes schließlich die Todesschüsse. Von rund 20 Projektilen aus der Maschinenpistole und zwei Schüssen aus dem Gewehr getroffen brach die Kuh vor dem Zaun des Schützenfestzeltes zusammen.

Die Schlachthof Betriebs GmbH (59 Mieter auf 56 000 qm) teilte am Nachmittag mit: „Wir sind überrascht und bemühen uns um eine schnellstmögliche Aufklärung. Unsere Gedanken sind bei der Joggerin.“

"Es war eine Hinrichtung"

Ein Blutfleck zieht sich über den Gehweg bei der Bavaria. Am Rand liegen etliche Patronenhülsen verteilt. Hier endete die Flucht der Kuh. Dahinter am Bauzaun diskutieren die Handwerker. Herbert Huber (48) sagt: „Die Kuh war im Schritttempo unterwegs. Die Polizei hat aus dem Fenster geschossen.“ Tobias Bielmeier (24), zuständig für die Mobilfunkanlagen, ergänzt. „Nach dem zweiten Schuss ist die Kuh umgefallen. Da hätten doch ein, zwei weitere gezielte Schüsse gereicht. Aber die haben sogar mit Maschinenpistolen geschossen. Insgesamt waren das mehr als 15 Schuss! Das war eine Hinrichtung!“ Keiner der Handwerker zweifelt daran, dass die Polizei handeln musste – zur Sicherheit aller . Aber auch der Techniker Stefan Dlugosch (38, Foto) fragt sich: „Musste das so sein? Das arme Tier …“

"Ich stand der Kuh gegenüber"

Als Gitta Tremmel (49) wie jeden Morgen zur Arbeit in der Spaten-Kantine auf der Wiesn geht, erstarrt sie an der Kreuzung Hans-Fischer-Straße/Theresienhöhe. „Ich konnte es nicht fassen: Steht da auf der anderen Straßenseite echt eine Kuh? Ich dachte, ich träume.“ Kurz darauf rast die Polizei um die Ecke. „Die Kuh ist ganz gemütlich auf dem Radweg gelaufen. Dahinter kamen bestimmt fünf Einsatzwagen – mit Blaulicht, aber ohne Sirene.“ Und schon war der ganze Spuk auch wieder vorbei. „Angst hatte ich keine. Aber mich hat ein Radlfahrer überholt, der ist ganz schön erschrocken.“ Als Gitta Tremmel zur Bavaria kommt, liegt das Tier schon tot am Boden. Später in ihrer Kantine gibt’s nur ein Thema: Gitta und die Kuh.

Dorita Plange, Nina Bautz, Ramona Weise

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