Schockierender Wert

Polizei findet Sachsen mit 6,52 Promille am Bahnhof - darum lebt er noch

Es ist ein schockierender Wert – einer, der in der Redaktion gestern für ungläubiges bis fassungsloses Staunen gesorgt hat. „Ja, ist man da nicht längst schon tot?!“, hieß es reihum. 

München - Manche Zahlen sind zu traurig, um wahr zu sein. Doch sie stimmen trotzdem. Diese ernüchternde Erfahrung machten am Dienstag gegen 15.30 Uhr zwei Bundespolizisten, als sie am Hauptbahnhof einen orientierungslos am Boden liegenden Mann (61) fanden und auf die Dienststelle brachten. Dort maßen sie seinen Atem-Alkoholgehalt. Das Ergebnis: 6,52 Promille. Ältere Messgeräte der Polizei enden übrigens bei 5,00 Promille.

Der schwerst Alkoholisierte kam zur Ausnüchterung in Gewahrsam. Bevor er in eine Münchner Klinik überstellt wurde, gab der Zwickauer noch an, lediglich „eine Mass“ getrunken zu haben.

Alkoholismus ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit

Das ist für Alkoholiker nicht unüblich: Sie neigten dazu, den wahren Konsum zu verschleiern, um sich ihre Krankheit nicht eingestehen zu müssen, sagt Dr. Gabriele Koller. Sie ist Oberärztin für Suchterkrankungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München und berichtet: „Ich kenne aus meiner Praxis Fälle bis zu vier Promille, einen höheren Wert hatte ich noch nicht.“ Aber vorstellbar seien auch 6,5 Promille – nämlich dann „wenn die Alkohol-Toleranz derart ausgeprägt ist“, sprich: wenn der Konsument Vollalkoholiker ist.

Dr. Gabriele Koller ist Oberärztin an der LMU für Suchterkrankungen.

In Kollers Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Nußbaumstraße 7 kommen Menschen, die Hilfe suchen. „Es gibt viel zu tun, um im breiten Bewusstsein zu verankern: Alkoholismus ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit. Überhaupt gilt für alle psychischen Erkrankungen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, um sie zu entstigmatisieren.“ Kein Mensch trinkt ja, um Alkoholiker zu werden – ebenso wie niemand, der an einer chronischen Krankheit leidet, gern krank ist.

Ein normaler Körper – also keiner, der sich schon eine hohe Toleranz angeeignet hat – reagiert auf Alkoholkonsum in unterschiedlichen Ausprägungen, je nach Menge. So beginnt die Wirkung ab 0,2 Promille mit schnellerer Atmung und Hungergefühl, schon unter einem Promille setzt der Tunnelblick ein. Bis zu zwei Promille wird das Gesicht rot, die Pupillen weiten sich, Euphorie kommt auf. Allerdings signalisiert der Körper zumindest Übelkeit. Zwischen zwei und drei Promille ist Vollrausch angesagt mit Kontrollverlust. Alles darüber: akute Lebensgefahr. 

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M. Bieber

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