80 Polizisten proben an Zenettistraße

Hilfeschreie am Schlachthof: Erneute Anti-Terror-Übung der Polizei

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Täuschend echt: Die Polizei hat am Schlachthof ein Terror-Szenario nachgestellt.

Zum zweiten Mal binnen einer Woche ist in München eine Großeinsatzlage geprobt worden. Diesmal drehte sich alles um den Schlachthof. Das Szenario hatte mit einer Schule zu tun.

München - Schüsse in der Schule, Hilfeschreie. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte stürmen aus dem Backsteinhaus. Wieder knallt es, eine Person geht zu Boden. Die Szenen, die sich am Mittwoch am Schlachthof abgespielt haben - täuschend echt! Rund 80 Einsatzkräfte der Münchner Polizei probten an der Zenettistraße den Ernstfall.

Nach der groß angelegten Anti-Terror-Übung am Hauptbahnhof in der Nacht auf Mittwoch vor einer Woche trainiert die Polizei an zwei Tagen - am Mittwoch und diesen Donnerstag - erneut eine „Lebensbedrohliche Einsatzlage“. Schauplatz dieses Mal: die leer stehende ehemalige Viehhofbank am Schlachthof. Das Szenario: ein Terroranschlag auf eine Ganztagsschule.

Zwei Durchgänge absolviert

Nach tz-Informationen wurden zwei Durchgänge absolviert: In einem Fall wurden der Polizei verdächtige Personen in der Schule gemeldet, im anderen hatte der Terrorist das Feuer in der Schule bereits eröffnet.

Die Anwohner im Viertel waren per Handzettel und Aushänge über die Übung informiert worden, unter Hundehaltern wurde die Info zahlreich auf Facebook geteilt: Wegen der verwendeten Platzmunition könne es kurzfristig zu Lärmbelästigung kommen, hieß es auf dem Hinweisblatt der Polizei. „In dem Gebäude knallten mehrere Schüsse. Das klang schon echt bedrohlich“, berichtet Michaela Kraft vom gegenüberliegenden Wirtshaus im Schlachthof.

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Rund 150 Poli­zisten ­waren an der Übung am Schlachthof ­beteiligt.

Rund 150 Polizisten vor Ort

Dass die Übung so kurz nach der Großübung am Hauptbahnhof stattfindet, ist laut einem Polizeisprecher „reiner Zufall“. „Für so eine Übung bedarf es im Vorfeld einiges an Planung. Es müssen Absprachen mit den jeweiligen Gebäudebesitzern und Behörden getroffen werden“, so der Sprecher. Inklusive den Leitern der Übung seien rund 150 Polizisten vor Ort gewesen.

Der Sprecher betont, dass derartige Übungen nicht neu seien. Allerdings hätten „die hiesigen Erfahrungen zu schweren Gewalttaten im öffentlichen Raum“ sowie „die Ereignisse der letzten Jahre im In- und Ausland“ Einfluss auf die „bewährten Einsatzpläne“ der Polizei. „Die Frequenz der Übungen wird an die allgemeine Sicherheitslage angepasst.“ Die Öffentlichkeit werde informiert, wenn sie in irgendeiner Art und Weise tangiert werde - etwa durch Lärm oder Straßensperrungen.

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Anliegerin: Schreck für Kollegen

„Ich wusste Bescheid, dass die Übung heute stattfindet. Da war was geboten: Hilfeschreie, Schüsse - und dann lag da plötzlich jemand auf der Straße. Wir haben vergessen, einen Kollegen im Vorfeld zu informieren. Der hat mich ganz panisch angerufen und gefragt, ob ich schon im Büro bin. Ich soll daheim bleiben, hier werde geschossen! Das war ein ganz schöner Schreck für ihn. Aber wir finden es natürlich sehr gut, dass die Polizei so viel Einsatz zeigt.“

Michaela Kraft (26), Veranstaltungskauffrau

Daniela Schmitt

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