Goethe-/Landwehrstraße

Arbeiterstrich: Privat-Sheriff im Einsatz

+
Diese Geschäftsleute haben Privat-Sheriff Tamer Circiroglu (Foto oben, 2. v. l.) engagiert: Anwalt Serdal Altuntas, Lebensmittelhändler Ruhi Cavusoglu und Theatergemeinde-Chef Michael Grill (v.l.).

München - Aufstand der Ladenbesitzer an der Kreuzung Goethe-/Landwehrstraße: Sie setzen einen Privat-Sheriff gegen den Arbeiterstrich ein, der ihnen die Kunden vertreibt.

Ärger in der Multikulti-­Zone! Schon vergangenen Sommer gab’s einen Aufstand der Geschäftsleute an der Kreuzung Goethe-/Landwehrstraße. Ihr Hilferuf: Die Tagelöhner vor ihrer Haustür (siehe unten) bringen Müll, Urin und Ärger – und vertreiben die Kunden. Weil sich nichts ändert, helfen sich die Ladenbesitzer nun selbst: Sieben von ihnen haben einen Sicherheitsdienst beauftragt – ein Privat-Sheriff gegen den Arbeiterstrich!

„Die bulgarischen Tagelöhner versammeln sich täglich mit bis zu 50 Leuten“, klagt Michael Grill, Geschäftsführer der ansässigen Theatergemeinde. „Bei uns sitzen sie auf den Eingangsstufen, bei anderen behindern sie den Laden-Zugang. Es kam auch schon zu Schlägereien unter den Arbeitern. Wir haben nichts gegen ein buntes Miteinander. Aber hier kommt es immer mehr zu Spannungen, weil eine einzelne Gruppe anderen Raum wegnimmt!“

Auch Handy-Händler Bülent Soyöz fühlt sich von den Arbeitern auf der Landwehrstraße/Goethestraße belästigt

Sein Nachbar, der Handy­laden-Inhaber Bülent Soyöz, klagt: „Seit die hier sind , haben wir knapp 30 Prozent weniger Kunden. Vor allem Frauen und Familien trauen sich nicht rein, wenn Arbeiter davorstehen.“ Auch die Mandanten von Anwalt Serdal Altuntas seien „verstört“, wenn sie sich durch einen Pulk Männer kämpfen müssen. „Mir tun die Arbeiter leid, das sind die Ärmsten der Armen – aber wir müssen ja auch an unser Geschäft denken.“

Seit ein paar Tagen hilft den Geschäftsleuten ein Mann vom Sicherheitsdienst, der durch Präsenz wirken soll. „Wir wollen keine Eskalation“, sagt Grill von der Theatergemeinde. Sogar der Kontaktbeamte der Polizei, Albert Knobel, hat Verständnis: „Wir tun alles im Rahmen unserer Möglichkeiten. Aber seit der EU-Erweiterung nehmen die Probleme massiv zu. Mittlerweile sind die Arbeiter über den ganzen Tag verteilt hier. Da fühlen sich die Bürger ohnmächtig.“

Werden die Tagelöhner an der einen Ecke vertrieben, schlagen sie an der nächsten wieder auf. „Das ist nur eine Notfallmaßnahme“, sagt Michael Grill. „Langfristig muss die Stadt etwas tun. Für andere Kulturgruppen gibt es auch Zentren. Auch die bulgarischen Arbeiter brauchen einen Raum, wo sie hingehören und niemanden stören. Stadt, Staat und der Polizeipräsident müssen herkommen und endlich anerkennen, dass es hier ein Problem gibt!“

Der Privat-Sheriff: So sorgt er für Ordnung

Ein typisches Szenario: Die Polizei verteibt die Arbeiter – aber nur kurzfristig.

Wann genau Tamer Circiroglu (47) auftaucht, wissen die Tagelöhner nicht. Der Security-Angestellte der Detektei Josef Ederer sorgt abwechselnd mit Kollegen werktags acht Stunden lang für Ordnung am Arbeiterstrich – zu wechselnden Uhrzeiten, damit er unberechenbar bleibt. „Manche ziehen sich gleich zurück, wenn ich komme“, sagt der durchtrainierte Circiroglu. Auch einer seiner Auftraggeber, Michael Grill von der Theatergemeinde, ist positiv überrascht. „Die Erfahrung der ersten Tage ist sehr gut.“ Wenn der Sicherheitsmann höflich, aber bestimmt bittet, Stufen, Eingänge oder Kisten zu räumen, akzeptieren die meisten das. „Aber es gibt auch Kandidaten, die hartnäckiger sind. Das größte Problem: Kaum bin ich weg, kommen sie wieder …“

tz-Stichwort: Arbeiterstrich

Der Arbeiterstrich sind ­Straßen – vor allem im Bahnhofsviertel –, in denen meist bulgarische Tagelöhner auf kurzfristige Jobs warten. Die meisten Gruppen kommen bei Sonnenaufgang. Wer nicht gleich eine Tätigkeit findet, bleibt den ganzen Tag hier. Der Zoll warnt, dass deren Beschäftigung meist illegal ist. Die Tagelöhner hätten oft keine Arbeitsgenehmigung und würden für Dumping-Löhne von 3,50 bis 4,50 Euro/Stunde schuften.

Nina Bautz

Auch interessant

Meistgelesen

Bluttat vor Neuraum: Polizei sucht weiter Messer - drei Täter gefasst
Bluttat vor Neuraum: Polizei sucht weiter Messer - drei Täter gefasst
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Star-Sprayer am Pressehaus: Aktion im Live-Stream
Star-Sprayer am Pressehaus: Aktion im Live-Stream
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare