Totales Bahn-Chaos am Montagmorgen: DB ärgert sich über etwas, was auch die Kunden nervte

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1650 Kontrollen in zwei Monaten

Problemviertel Hauptbahnhof: So hart greift die Polizei durch

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Mehr Präsenz und Kontrollen: Die Polizei greift am Hauptbahnhof seit zwei Monaten hart durch. 

Die Polizei greift durch im Hauptbahnhofviertel: Im Januar wurden mehr als 1000 Menschen kontrolliert, in den vergangenen zwei Monaten 740 Platzverweise ausgesprochen. 

München - Drogen, Alkohol, Bettler, Prostitution – nachdem Anwohner, Geschäftsleute und Reisende immer lauter Kritik an der Verwahrlosung des Bahnhofsviertels geübt hatten, sahen sich Stadt und Polizei gezwungen, härter durchzugreifen. Am 16. November scheuchten Einsatzkräfte von Bundes- und Landespolizei, Gewerbeaufsicht und Kreisverwaltungsreferat (KVR) die Szene im Bahnhofsviertel zum ersten Mal in einer groß angelegten Kontrollaktion auf. Rund 100 Polizeibeamte waren im Einsatz. Sprecher Marcus da Gloria Martins erklärte damals noch, minimalinvasive Eingriffe seien wirksamer als der große Hammer.

Doch genau der wurde offenbar in den vergangenen zwei Monaten herausgeholt. Im Dezember kontrollierten die Beamten 650 Menschen rund um den Hauptbahnhof, im Januar waren es sogar 1000. Bei den 1650 Kontrollen tauchten immerhin 37 zur Fahndung ausgeschriebene Personen auf. In den meisten Fällen waren Drogendelikte der Grund für die Haftbefehle. 740 Platzverweise wurden in acht Wochen ausgesprochen. Im selben Zeitraum wurden 44 Straftaten registriert. Auch hier handelte es sich in den meisten Fällen um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Schlägereien und Schwarzarbeit.

Laut Polizeisprecher Michael Riehlein dienen die Kontrollen im Bahnhofsviertel vor allem der Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls. Generell könne man die problematische Szene nie ganz zerschlagen, ein Verdrängungseffekt in umliegende Gebiete sei die Folge.

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Die Stadt hatte im Vorjahr auf die zunehmenden Missstände im Hauptbahnhofviertel mit einem Alkoholverbot für den Zeitraum zwischen 22 und 6 Uhr reagiert. Hauptbahnhofchef Heiko Hamann hatte sogar gefordert, dieses Verbot zu verschärfen, weil das Trinken ja viel früher losgehe. Nach Dafürhalten des KVR, zuständige Sicherheitsbehörde der Stadt, ist jedoch schon seit Erlass des nächtlichen Alkoholverbots rund um den Hauptbahnhof die Gesamtkriminalität zurückgegangen. Bisher seien von der Stadt rund 1100 Verstöße gegen das nächtliche Alkoholverbot registriert und 24 Aufenthaltsverbote ausgesprochen worden.

Ab 1. Juli 2018 soll überdies im Umgriff des Bahnhofsviertels ein Kommunaler Außendienst (KAD) auf Streife gehen. 100 Personen sind dafür vorgesehen. In den Abend- und Nachtstunden sollen rund 30 Mitarbeiter gleichzeitig in Vierer- und Zweierstreifen unterwegs sein. Die Stadt verspricht sich dadurch eine weitere Verbesserung der Sicherheitslage. Vom KVR heißt es: „Die Mitarbeiter des KAD können mit ihrer Präsenz Straftaten und Gewalt vorbeugen und sind eine schnelle und effiziente Schnittstelle zur Polizei.“ Das KVR begrüße im Übrigen die verstärkten Kontrollaktionen der Polizei ausdrücklich und sei intensiv eingebunden.

Viel zu tun haben auch die Streetworker von der Bahnhofsmission und der Teestube „komm“. „Weil die Obdachlosigkeit wächst, müssen wir immer mehr Menschen beraten“, sagt Christof Lochner, stellvertretender Leiter der Teestube. Mehr Leute bedeute auch mehr Aggression, weshalb Teestube und Bahnhofsmission seit September einen Security-Dienst beschäftigen, den die Stadt bezahlt. „Die Maßnahme hat sich bewährt, seitdem können wir wieder ruhiger arbeiten“, betont Lochner.

Fritz Wickenhäuser, Vorsitzender des Vereins Südliches Bahnhofsviertel, sieht viele Probleme: „Die Parkhäuser und Hotel-Fluchtwege haben sich zu einem Anziehungspunkt der Drogenszene entwickelt.“ Zudem habe das wilde Campieren überhand genommen, etwa in der Passage am Hotel Maritim. Bei vielen Menschen entstehe ein Gefühl der Verunsicherung, sagt Wickenhäuser, der zugleich einräumt: „Das Bahnhofsviertel ist kein Kriminalitätsschwerpunkt. Es darf auch zu keiner antiseptischen Gegend werden, hier war immer auch Platz für die Gestrandeten.“

Video: Darknet: Ein Drogendealer packt aus

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