Angst vor Job-Aus

Demo: Hebammen und Eltern gehen auf die Straße

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Angst vor einem Job-Aus: In München demonstrieren am Samstag Hebammen und Eltern am Professor-Huber-Platz vor der LMU.

München - Auch in Bayern fürchten freiberufliche Hebammen um ihre Existenz. Wegen explodierenden Versicherungsprämien sind am Samstag in München Hebammen und Eltern auf die Straße gegangen.

Wie in anderen deutschen Städten auch haben am Samstag in München zahlreiche Eltern für die Zukunft der Hebammen demonstriert - untertützt von Vertreterinnen der Berufsgruppe. In München sammelte sich der Protest am Professor-Huber-Platz vor der Ludwig-Maximilians-Universität.

"Das bedeutet Berufsverbot"

In Bayern fürchten zahlreiche freiberufliche Hebammen um ihre Existenz, weil die Versicherungstarife immer teurer werden. Zudem will im Jahr 2015 die Nürnberger Versicherung aus dem Geschäft ganz aussteigen. Dann ist nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands und des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) offen, wer die Hebammen noch versichert. „Das bedeutet Berufsverbot für alle freiberuflichen Hebammen, denn ohne Haftpflichtversicherung dürfen wir weder Geburten zu Hause, im Geburtshaus oder in der Klinik betreuen“, sagt die BfHD-Vorsitzende Ruth Pinno der Nachrichtenagentur dpa.

80 Prozent freiberufliche Hebammen in Bayern

Deutschlandweit gibt es etwa 3.500 freiberufliche Hebammen. Im Freistaat ist der Anteil freiberuflicher Geburtshelferinnen mit etwa 80 Prozent besonders hoch.

„Natürlich fragen sich viele freiberufliche Hebammen, wovon sie ab Mitte des nächsten Jahres leben sollen“, sagte Maria Jacobi vom Bayerischen Hebammen Landesverband. Von diesem Sommer an müsse eine Hebamme, die Geburtshilfe anbietet, rund 5000 Euro im Jahr für ihre Versicherung aufbringen. Grund dafür sei eine Zunahme von Gerichtsprozessen um Schadenersatz für geschädigte Kinder.

Situation in ländlichen Regionen noch schlimmer

In den ländlichen Regionen in Süddeutschland sei die Situation noch weitaus schlimmer als in Städten, sagt Ruth Pinno. „Gerade in Bayern sind weite Landstriche ausschließlich durch freiberufliche Hebammen sowohl in den Kliniken als auch außerklinisch versorgt. Es droht da ein Zusammenbruch der Geburtshilfe und der Versorgung der Schwangeren.“ 97 Prozent der Kinder kämen zwar im Krankenhaus zur Welt, doch in vielen kleinen Geburtskliniken seien die Hebammen nicht fest angestellt.

Protest: Hebammen und Eltern gehen auf die Straße

Protest: Hebammen und Eltern gehen auf die Straße

Im Hebammenhaus Nürnberg, das 1990 als erstes seiner Art in Bayern eröffnet wurde, arbeiten sieben freiberufliche Hebammen. Sie bieten aber schon seit längerem keine Geburtshilfe mehr an, sondern beschränken sich auf die Betreuung der Mütter vor und nach der Niederkunft. „Wir bieten jetzt schon keine Geburtshilfe an, weil die Haftpflicht sonst nicht mehr tragbar ist. Für einen Stundenlohn von 1,50 Euro würde ja niemand mehr arbeiten“, sagt Hebamme Petra Lieser. Noch sei die Lage einigermaßen entspannt. „Aber nächstes Jahr wird es dramatisch. Das ist wie beim Autofahren, das kann man ja auch nicht ohne Versicherung.“

Gesundheitsministerium fordert Lösung der Haftpflicht-Frage

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml sagte, eine rasche Lösung der Haftpflicht-Frage sei notwendig. „Ich bin zuversichtlich, dass die Bundesregierung eine langfristige Lösung finden wird“, erklärte die CSU-Politikerin am Samstag.

dpa

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