Prozess in München

Raub am Stachus: tz-Verkäufer stellt Täter

München - Seit Montag wird der Stachus-Raub vom April 2014 vor Gericht verhandelt! Täter Ervin V. gesteht. Der Juwelier erzählt von seiner Todesangst – und sein Retter, wie er zum Helden wurde!

Der Juwelier in der Karlsstraße: Hier fand der Raub-Überfall statt.

Der Überfall geschah am hellichten Tag: Am 17. April 2014 stürmt Ervin V. (29) mit einer Pistole in den Traditions-Juwelier Bleiholder am Stachus. Mit vorgehaltener Waffe bedroht er den Inhaber und eine Mitarbeiterin. Aus dem Laden raubt er Schmuck sowie Bargeld im Wert von 21 000 Euro. Danach flieht Ervin V. – aber weit kommt er nicht. Noch vor dem Geschäft stellt ihn Athanasios A. (45), ein Zeitungsverkäufer der tz.

Seit Montag wird der Raub vor Gericht verhandelt! Räuber Ervin V. gesteht. Der Juwelier erzählt von seiner Todesangst – und sein Retter, wie er zum Helden wurde!

Andreas Thieme

Opfer: Dachte nur an meine Kinder

Am 17. April 2014 feiert Rudolf Bleiholder seinen 42. Geburtstag – zur Arbeit geht der Juwelier trotzdem. Es ist ein Tag, den er nie vergessen wird!

Denn als er um 13.30 Uhr Mittagspause machen will, fällt ihm ein Mann auf, der um seinen Laden schleicht. „Ich dachte noch: Der ist nicht ganz sauber, aber kümmerte mich nicht weiter darum.“ Doch plötzlich stürmt dieser Typ in das Juweliergeschäft! „Er hatte sich eine Maske über das Gesicht gezogen und hielt eine Pistole in Hüfthöhe. Er richtete die Waffe auf mich. Ich wusste: Jetzt geht’s um Leben und Tod.“ Bleiholder ist geschockt! Der alleinerziehende Vater wurde zuvor noch nie mit einer Waffe überfallen. „In diesem Moment dachte ich nur an meine beiden Töchter. Der Räuber schrie mich an, ich solle den Schmuck aus dem Tresen einpacken. Ich schob die Perlenketten in seine Tasche.“ Trotz Todesangst verhält er sich clever: Er zeigt auf eine Vitrine, damit sich der Täter umdreht – und direkt in die Überwachungskamera blickt. Aber Ervin V. merkt nichts! Er steckt seine Waffe ein und rennt hinaus. „Ich schrie: Haltet ihn! Nie hätte ich damit gerechnet, dass das klappt.“

Täter: Er wollte nur die Beute

Ervin V. gelingt nach dem Raubüberfall zunächst die Flucht. Wenig später meldet er sich aber selbst bei der Polizei. Verteidiger Uwe Paschertz: „Mein Mandant hat sich aus Reue gestellt. Er wollte reinen Tisch machen.“ Vor Gericht gibt V. am Montag alles zu! In blauer Häftlingskleidung sitzt er auf der Anklagebank – und entschuldigt sich nach Bleiholders Aussage bei dem Juwelier: „Es tut mir leid. Ich kann das leider nicht rückgängig machen.“ Angeblich waren hohe Schulden sein Tatmotiv. Bei der Waffe (ein Baretta-Imitat) handelte es sich nur um eine Schreckschuss-Pistole.

Trotzdem droht Ervin V. nun der Knast! Die Staatsanwaltschaft fordert immerhin drei Jahre und neun Monate Haft. Verteidiger Paschertz geht dagegen von einem minderschweren Fall aus und beantragte zwei Jahre und sechs Monate Haftstrafe für den Räuber.

Held: Er ist ein tz-Verkäufer

Nur durch Zufall ist Athanasios A. (45) am Tattag direkt vor dem Juweliergeschäft am Stachus. Der Zeitungsverteiler der tz hört die Hilferufe des Inhabers und stellt sich dem Räuber in den Weg! „Ich hatte keine Angst – denn ich wusste ja nicht, dass der Mann eine Pistole hat“, sagt der Retter. „Ich hielt den Typen fest, wir rangelten um die Tasche.“ Der Grieche lässt nicht locker. Als auch Bleiholder dazukommt, lässt der Räuber schließlich los. „Dann hatte ich die Tasche in der Hand. Ich gab sie gleich an den Besitzer zurück“, sagt A. Er sei nur froh, dass er helfen konnte – „verletzt wurde ich nicht.“ Etwa 100 Leute verfolgten den Überfall am Stachus. Nur der tz-Mitarbeiter schritt aber mutig ein. Und half so, den wertvollen Schmuck von Rudolf Bleiholder zurückzuholen!

Rubriklistenbild: © Jantz

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