"Täter schlug mit Tötungsabsicht zu"

Mord im Gärtnerplatzviertel: Angeklagter schweigt

+
Roman H. soll die Rentnerin Inge W. grausam getötet haben.

München - Vor gut einem Jahr wurde Rentnerin Inge W. im Gärtnerplatzviertel Opfer eines Aufsehen erregenden Raubmordes. Seit Freitag steht ihr Nachbar vor Gericht.

Ihrem Mörder hatte Inge Wittersheim vertraut. Ahnungslos hatte die 69-jährige Witwe jenen Mann in ihre Wohnung in der Corneliusstraße eingelassen, der ihr schon die Möbel repariert hatte. Doch den Ermittlungen zufolge hatte es Roman H. (37) auf ihr Geld und ihren Schmuck abgesehen. Als sie ihm am 5. Oktober 2013 beim Stehlen in ihrem Schlafzimmer erwischte, schlug der Täter sie niederund erdrosselte sie! Jetzt muss sich Roman H. vor dem Schwurgericht verantworten. Er schweigt.

Staatsanwältin Nicole Dorn kommt gleich im ersten Satz ihrer Anklagerschrift zur Sache: „Der Angeklagte, der seinen Lebensunterhalt regelmäßig aus verschiedenen Eigentums- und Vermögensdelikten bestreitet, bewohnte zusammen mit seiner Mutter, mehreren seiner Brüder und weiteren Verwandten in wechselnder Besetzung zwei Wohnungen in der zweiten Etage des Mehrfamilienhauses Corneliusstraße 2.“ Im gleichen Stockwerk wohnte auch Inge Wittersheim.

In diesem Haus in der Corneliusstraße lebte und starb Inge W..

Als Roomboy in verschiedenen Münchner Hotels, so die Anklage, verstand er sich vor allem aufs Abstauben: „Auf diese Weise verschaffte er sich ungehinderten Zugriff auf Bargeld und Wertgegenstände fremder Personen.“ So wird ihm der Diebstahl einer 8000 Euro teuren silbernen Uhr zur Last gelegt.

Für Inge Wittersheim, deren Mann 2011 gestorben war, machte der Angeklagte verschiedene Reparaturarbeiten in deren Wohnung. Dabei sei es Roman H. mehrfach gelungen, der Frau Geld und Schmuck zu entwenden, heißt es in der Anklage. In den frühen Morgenstunden des 5. Oktober 2013 habe er wieder lange Finger gemacht. Staatsanwältin Dorn: „Die Geschädigte war dem Angeklagten jedoch ins Schlafzimmer gefolgt, beobachtete wie er dort in ihrem Kleiderschrank auf der Suche nach werthaltigen Gegenständen wühlte und stelle ihn zur Rede.“ Um einer Strafanzeige zu entgehen, habe der Täter beschlossen, sein Opfer zu ermorden: „Er schlug die Geschädigte daher zunächst wuchtig in Tötungsabsicht mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf, so dass sie zu Boden ging und drosselte sie dort mit einem schmalen Strangualtionswerkzeug von hinten, um sie zu töten.“

Dem Opfer zog Roman H. laut Anklage ein goldenes Armband und die Uhr vom Handgelenk und den Ehering vom Finger. Aus ihrer Handtasche soll er die Geldscheine entnommen haben.

Angeklagte hüllt sich in Schweigen

Der Angeklagte, der von den drei Anwälten Tom Heindl, Anja Aringer und Andreas Lickleder verteidigt wird (bezahlt die Familie), macht keinerlei Angaben zur Sache. Vorsitzender Richter Norbert Riedmann terminierte den Prozess bereits bis Februar.

Die Ermittlungen im Mordfall Inge Wittersheim waren sehr schwierig, wie der Kriminalbeamte Bruno Anzinger (49) am Freitag vor Gericht berichtete. Die Tote war erst Tage nach dem Mord entdeckt worden, nachdem Bekannte sich Sorgen um die im Gärtnerplatzviertel beliebte Frau gemacht hatten. Wie viele Nachbarn des Opfers war Roman H. zunächst als Zeuge vernommen worden. Dass seine DNA in der Wohnung von Inge Wittersheim gefunden wurde, erklärte dieser zunächst mit dessen Reparaturarbeiten.

Dabei wurde Roman H. jedoch bei einer Lüge erwischt: Er habe die Leiche der Frau nie berührt, behauptete er. „Im Lauf der Ermittlungen verdichtete sich der Verdacht“, so Bruno Anzinger. „Wir fanden seine DNA an der Kleidung und der Leiche, jedem Menge Spuren an dem Schmuckkästchen und ihrer Handtasche.“

Erst am 29. Januar 2014 reichten dem Ermittlungsrichter die Beweislage: Haftbefehl! Seither sitzt der Tscheche in Stadelheim.

ebu

Raubmord an Inge W.: Bilder vom Prozessauftakt

Raubmord an Inge W.: Bilder vom Prozessauftakt

Auch interessant

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion