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Come-Back für Rosa Stangerl: Münchner LGTB-Maibaum-Fest startet wieder im Glockenbachviertel

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Von: Patrick Mayer

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Kult-Maibaumfest im Glockenbachviertel: das Rosa Stangerl.
Kult-Maibaumfest im Glockenbachviertel: das Rosa Stangerl. © Instagram@rosastangerlmuenchen

Es spiegelt das bunte Glockenbachviertel wider: das Rosa Stangerl. Das LGTB-Maibaumfest findet nach zwei Corona-Ausfällen und einem Rechtsstreit wieder in der Isarvorstadt statt. Wir haben mit dem Veranstalter gesprochen.

München - Zwischen Westermühlbach und Isar war es stets ein Kult-Fest in der Münchner Isarvorstadt*: das Rosa Stangerl. Die bunte Vielfalt des Glockenbachviertels ist hier seit 2008 greifbar. Nach drei Jahren plant das Maibaumfest der Toleranz am 1. Mai auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz ein emotionales Comeback. Nach einem polarisierenden Rechtsstreit. Nach mehreren Sachbeschädigungen. Und nach einer langen Corona-Pause.

Maibaumfeste in München: Das Rosa Stangerl ist zurück im Glockenbachviertel

„Wo der Maibaum gelagert wird, ist streng geheim. Nachdem ich erfahren habe, dass sich zum Beispiel die Ismaninger und andere die Maibäume gegenseitig klauen, habe ich unseren lieber irgendwo sicher liegen“, erzählt Organisator Michael Baumgartner tz.de und Merkur.de: „Es ist nicht bekannt, wo der Maibaum liegt, bis das THW ihn aufstellt.“ Erst dann wird auch das Geheimnis gelüftet, wie das neue „Stangerl“ aussieht. Baumgartner wirkt erleichtert. Zweimal musste er das Event 2020 und 2021 wegen der Corona-Pandemie* absagen.

Kult-Maibaum in der Isarvorstadt: das Rosa Stangerl.
Kult-Maibaum in der Isarvorstadt: das Rosa Stangerl. © Rosa Stangerl

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Dabei hatte sich der Münchner ein unbefristetes Sondernutzungsrecht jeweils für den 1. Mai gesichert. „Dafür bezahle ich Gebühren, das sind weniger als 100 Euro“, erklärt er. Vor ihrem Comeback mussten Baumgartner und seine Mitstreiter so manche Hürden nehmen.

So berichtet er von „sehr viele bösen E-Mails“. Ihm sei vorgehalten worden, dass es mit Blick auf Corona verantwortungslos sei, wieder ein Maibaumfest zu veranstalten, erzählt er. Allen Kritikern erklärt Baumgartner, dass jeder Gast das Corona-Risiko für sich selbst abschätzen müsse. „Man hätte das Gelände auch einzäunen können. Aber so ginge der Charakter der Veranstaltung verloren“, sagt er: „Wir haben jedoch Securitys vor Ort, die nach dem Rechten schauen.“

Maifest im Glockenbachviertel: Comeback nach Rechtsstreit und Corona-Pause

Hitzige Debatten und kein Ende? Ein Rückblick: Den ersten Maibaum hatte Dietmar Holzapfel, der Wirt der „Deutschen Eiche“, gespendet und 2008 aufgestellt. 2011 übernahm Robert Maier-Kares den Baum, der Veranstalter des „Pink Christmas“-Weihnachtsmarktes. Vor wenigen Jahren ging der Maibaum dann an Baumgartner - der ihn im Sommer 2020 nach einem Rechtsstreit mit seinem Vorgänger jedoch abbauen ließ. Nachdem das „Rosa Stangerl“ zwölf Jahre lang (und viel beachtet) den Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz geziert hatte.

Maier-Kares hatte Baumgartner laut dessen Angaben aufgefordert, den Maibaum an das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum Münchens (Sub) abzugeben. Der Rechtsstreit, der bis vor das Landgericht ging, ist mittlerweile entschieden - zu Gunsten Baumgartners. Er darf den Maibaum wieder aufstellen.

Kult-Maibaumfest in der Isarvorstadt: Travestie-Show und Gstanzl-Sängerin sind dabei

Das Programm soll beim Comeback so bunt wie seine Teilnehmer sein. Aus dem Glockenbachviertel habe er zwar keinen Wirt überreden können, aber die Food-Trucker-Szene habe sich regelrecht um Stellplätze gerissen, erzählt Baumgartner. Zögern im Viertel, weil das Maifest nicht mehr im Sinne der queeren Community ist? Davon berichtete die Münchner Abendzeitung. „Jetzt fahren wir gastronomisch eben international: Von der rosa farbigen Bratwurst, einer Eigenkreation, über den Thai-Wok haben wir alles da“, erzählt der Veranstalter tz.de und Merkur.de: „Es wird auch einen Gin-Stand geben, mit einem Gin aus dem Glockenbachviertel. Toll, dass jemand aus’m Viertel dabei ist.“

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Ferner werde es „eine wunderschöne Travestie-Show“ geben, erzählt Baumgartner: „Tracht ist selbstverständlich erwünscht.“ Ebenfalls dabei ist: die bekannte Gstanzl-Sängerin Renate Maier. Die Veranstalter rechnen mit vielen Gästen. Beim „Rosa Stangerl“ 2019 habe die Polizei 1000 Gäste bestätigt, „unseren Schätzungen zufolge waren es damals aber rund 2300 Leute“, erklärt er.

Viel Zuspruch nach so manchem Ärgernis. Baumgartner und sein Team ließen sich auch nicht von neuerlichem Vandalismus aus der Ruhe bringen. „Am Valentinstag musste ich leider feststellen, dass die Holzverkleidung der Maibaum-Halterung gestohlen wurde. Zudem wurden einige Schrauben entfernt, die üblicherweise den Maibaum befestigen. Leider gab es mal wieder eine Sachbeschädigung“, erzählt er.

Ärgernis im Glockenbachviertel: Sachbeschädigung an der Halterung des Maibaums.
Ärgernis im Glockenbachviertel: Sachbeschädigung an der Halterung des Maibaums. © pm

Maibaumfeste in München: „Rosa Stangerl“ im Glockenbachviertel erweckt Aufmerksamkeit

So habe der Maibaum „Rosa Stangerl“ in seiner Geschichte einiges mitgemacht, „was Diebstahl und Sachbeschädigung angeht“. Neben Farbanschlägen auf den Maibaum sei 2018 zum Beispiel jemand hochgeklettert und habe den Kranz von oben geklaut. „Ich habe in den vergangenen fünf Jahren drei Strafanzeigen erstattet, weil irgendwas mit dem Maibaum war“, sagt er: „Bisher konnten keine Täter ermittelt werden.“ Jetzt freut er sich auf das Comeback des „Rosa Stangerl“, bekräftigt er. Dann, wenn die Isarvorstadt ihr Kult-Maibaumfest zurück hat. (pm) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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