Lokalpolitiker setzen auf Erhaltungssatzung

Luxus-Gefahr: Die Schlacht ums Schlachthofviertel

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Will den Charakter des Viertels bewahren: BA-Vorsitzender Alexander Miklosy.

Den kleinen Laden um die Ecke, hier gibt es ihn noch: Das Schlachthofviertel ist multikulturell, lebendig, charmant, die Bevölkerungsstruktur bunt durchmischt.

Den kleinen Laden um die Ecke, hier gibt es ihn noch: Das Schlachthofviertel ist multikulturell, lebendig, charmant, die Bevölkerungsstruktur durchmischt. Es ist geprägt durch einen hohen Anteil an Kleingewerbe und Handwerkern. Einfach noch lebenswert und unverkrampft.

Die Gentrifizierung macht aber auch vor diesem Quartier nicht Halt. Kommende Woche soll der Planungsausschuss im Rathaus eine Verlängerung der seit 1988 für das Schlachthofviertel geltenden Erhaltungssatzung um weitere fünf Jahre beschließen. Eine Formsache. Dennoch sind die Details dieser Vorlage brisant.

Denn auch im Schlachthofviertel mit seinen 13.600 Einwohnern liegt das ­verfügbare Einkommen mit 31.900 Euro je Einwohner bereits über dem Durchschnittswert der Gesamtstadt (29.500 Euro). Andererseits müssen 16,6 Prozent der Haushalte mit einem Nettoverdienst bis 1500 Euro auskommen – mehr als im Stadt-Schnitt (15,2 Prozent). Das Planungsreferat folgert: Ein Verdrängungspotenzial für Teilgruppen der Bevölkerung ist vorhanden.

Schlachthofviertel Beleg für positive Wirkung der Erhaltungssatzungen

Und die Behörde geht noch einen Schritt weiter: „Mittlerweile ist die Gefahr einer Verdrängung nicht mehr nur für Geringverdienende, sondern auch für Haushalte vorhanden, die dem Münchner Durchschnitt entsprechen“, heißt es in der Vorlage. Dies gelte vor allem in den Wohngebieten innerhalb des Mittleren Rings. Der Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt (BA) hat bereits beantragt, dass die Erhaltungssatzung erweitert wird, und zwar um die Bereiche „Nördlich der Lindwurmstraße zwischen Poccistraße und Goetheplatz“ sowie „Westlich der Thalkirchner Straße zwischen Kapuzinerstraße und Sendlinger-Tor-Platz“.

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Für den BA-Vorsitzenden Andreas Miklosy (Rosa Liste) ist das Schlachthofviertel ein Beleg dafür, dass Erhaltungssatzungen eine positive Wirkung entfalten können. „Im Großen und Ganzen hat es hier funktioniert und sich der Prozess der Gentrifizierung verlangsamt“, sagt er. Exorbitante Mieterhöhungen wie in anderen zentrumsnahen Bezirken seien eher die Ausnahme. „Wir vom BA kämpfen wie die Berserker für die Verlängerung der Erhaltungssatzung“, erklärt Miklosy.

In München existieren 21 Erhaltungssatzungsgebiete, in denen etwa 262.000 Einwohner in 147.000 Wohnungen leben. In den Vierteln, wo dieses Instrumentarium gilt, dürfen Mietwohnungen nur in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, wenn die Stadt zustimmt. Zudem kann die Stadt ein Vorkaufsrecht ­ausüben, sobald sie den Eindruck hat, Immobilienspekulanten planten Luxus-Modernisierungen.

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