Klage abgewiesen

Sein Leben ist verpfuscht - aber Geld gibt's nicht

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Der Kläger Sebastian S.

München - Seit einer Blutvergiftung sitzt Sebastian S. nach zwei Amputationen im Rollstuhl. Die Schuld dafür sieht er bei einem Urologen. Doch das Oberlandesgericht München wies seine Klage ab.

Ein bisschen Hoffnung hatte Sebastian S. (35) aus Rosenheim noch, als er zum letzten Verhandlungstag kam. Seit einer Blutvergiftung sitzt er im Rollstuhl, hat seinen Penis verloren. Die Schuld dafür sieht er bei einem Urologen.

Doch das Oberlandesgericht München erkennt keinen Fehler und wies die Klage auf 767.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld am Donnerstag ab. S. verzweifelt: „Meine Absicht war es nicht, den Arzt fertig zu machen. Ich wollte nur, dass Gerechtigkeit herrscht.“

Seine Leidensgeschichte: Am 3. April 2009 geht er mit Schmerzen im Unterleib zum Hausarzt. Dieser schickt ihn am 8. April zum Urologen, der ein Antibiotikum verordnet. Ohne Erfolg. Als S. tags darauf wieder anruft, soll der Arzt zu ihm erklärt haben, dass er ihn jetzt nicht untersuchen könne.

Laut Anwalt Stephan Rössler habe er gesagt: „Bevor ihm der Penis abfällt, soll er halt ins Krankenhaus fahren.“ Sebastian S. geht zu einem anderen Urologen, der ihn sofort in die Klinik einweist. Diagnose: Blutvergiftung!

Der Rosenheimer fiel ins Koma, er bekam eine Lungenentzündung und eine Gerinnungsstörung, die Nieren versagten. Gewebe im Penis und im Unterschenkel starb ab. Die Folge: Amputation! Seitdem hat sich S.s Leben dramatisch verändert: Der einst gesunde junge Mann hat täglich Schmerzen.

Er ist zu 100 Prozent erwerbsunfähig. Die Beziehung zu seiner Freundin, mit der er eine kleine Tochter hat, ging in die Brüche. Richter Thomas Steiner atmet tief durch, bevor er das Urteil begründet. Ein langer Prozess sei zu Ende gegangen, sagt er.

 „Was nicht zu Ende geht, ist, dass Sie im Rollstuhl sitzen, dass Sie krank sind.“ Jeder, der von der Geschichte höre, sei entsetzt.

Nina Gut

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