Mord am Isarufer

"Soko Cornelius" wird aufgelöst

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Stille Trauer: Domenicos Freunde legen bis heute Kerzen und Blumen am Tatort ab. Das Foto entstand am Montag.

München - 500 Spuren, doch keine führte zum Mörder von Domenico Lorusso: Nach sechs Monaten löst sich die „Soko Cornelius“ nun auf. Eine kleinere Ermittlergruppe soll den Täter schnappen. Lorussos Familie hat derweil jede Hoffnung aufgegeben.

Sechs Monate fahndete die „Soko Cornelius“ unter Hochdruck nach dem Mörder des 31-jährigen Domenico Lorusso. Ein bis heute unbekannter Mann erstach den italienischen Ingenieur am Abend des 28. Mai unweit der Corneliusbrücke. Es waren Mammut-Ermittlungen für die 30-köpfige Sonderkommission: Über 600 Hinweise gingen bei der Polizei ein, bis heute mussten sich rund 3000 Männer einer Speichelprobe unterziehen – alles bisher ohne Erfolg. Da die Spuren weitgehend abgearbeitet sind, zieht die Polizei Konsequenzen: Die Soko Cornelius wird aufgelöst. Das bestätigte Richard Thiess, Vizechef der Mordkommission, auf Anfrage des Münchner Merkur. „Künftig wird eine Ermittlungsgruppe von acht bis zehn Leuten den Fall bearbeiten“, sagte Thiess. „Wir reduzieren zwar das Personal, aber fahnden mit dem gleichen Nachdruck.“

Über 500 Spuren hat die Soko Cornelius im letzten halben Jahr verfolgt. „Was zunächst abzuarbeiten war, ist abgearbeitet“, sagte Thiess. „Die Soko war nötig, um mit vereinten Kräften den großen Aufschlag zu bewältigen.“ Die künftige Ermittlungsgruppe setzt sich aus Beamten der Mordkommission zusammen. Für Sonderkommissionen werden Spezialisten aus unterschiedlichen Dienststellen zusammengezogen, die dort somit fehlen. „Wir können nicht jahrelang die Kollegen von dort abziehen“, sagte Thiess.

Weiterhin nimmt die Polizei freiwillige Speichelproben von Männern, die sich zum Tatzeitpunkt in Tatortnähe aufhielten, etwa weil sie nahe der Erhardstraße wohnen oder arbeiten. Auch Menschen mit psychischer Erkrankung wurden zum Speicheltest gebeten. Der DNA-Massentest, für den bisher knapp 3000 Männer eine Speichelprobe abgeben mussten, ist laut Thiess „zu etwa drei Vierteln“ abgeschlossen. Das hieße, dass immer noch hunderte Personen überprüft werden sollen. „Mancher ziert sich, dann braucht es erst einen gerichtlichen Beschluss. Und das dauert“, erklärt Thiess. „Oder es handelt sich um Wohnsitzlose, die wir bisher nicht auffinden konnten.“ Alle bislang Überprüften scheiden nach einem Abgleich mit der DNA aus einer Blutspur, die der Mörder am Tatort hinterlassen hatte, als Täter aus.

Der Mord, der bis heute viele Münchner fassungslos macht, geschah am Abend des 28. Mai gegenüber des Europäischen Patentamts an der Erhardtstraße. Domenico Lorusso, Ingenieur bei Airbus, hatte mit seiner Verlobten in einem Café am Gärtnerplatz einen Absacker getrunken. Tags darauf wollten sie in ihre süditalienische Heimat Potenza reisen und ihren Familien die freudige Nachricht überbringen, dass sie heiraten werden. Gegen 22 Uhr radelten sie an der Isar entlang in Richtung ihrer Wohnung am Wiener Platz in Haidhausen. Als ein dunkel gekleideter Passant seine Verlobte grundlos anspuckte, stellte ihn Lorusso zur Rede. Kurz darauf sackte er blutend zusammen, der Unbekannte hatte mehrmals mit einem Messer auf ihn eingestochen, dann flüchtete er.

Lorussos Mutter und seine Geschwister lässt seitdem die Trauer nicht mehr los. Die in Potenza lebende Familie hat die Hoffnung aufgegeben, dass der Mörder ihres Domenico noch gefasst wird. Sein Bruder Paolo (34) sagte dem Wochenmagazin stern: „Der ist längst über alle Berge.“

Von Angelo Rychel

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