An der Wittelsbacherbrücke

„Wollen sie nicht vertreiben“: Stadt entmüllt bei Obdachlosen

+
Schwierige Aufgabe für den Aufräumtrupp: Das Sortieren der Gegenstände.

Zahlreiche Beschwerden soll es gegeben haben. Wegen des Mülls. Deswegen rückte die Stadt unter anderem bei den Obdachlosen unter der Wittelsbacherbrücke an.

München - Ein Christbaum steht da, nicht weit entfernt ein Sofa mit Decke, Kochtöpfe und eine Packung Oliven. Für manche ist all das Müll, für andere alles, was sie haben. Unter der Wittelsbacherbrücke befindet sich die wohl bekannteste Obdachlosenschlafstätte Münchens. Doch das Wohnzimmer der Wohnungslosen hat sich verändert. Mitarbeiter des Kreisverwaltungs- und Sozialreferats hatten am Dienstag die Aufgabe, Müll und Sperrmüll vom persönlichen Hab und Gut der obdachlosen Menschen zu trennen und abtransportieren zu lassen.

Vorausgegangen waren der Teilräumung laut Stadt „zahlreiche Bürgerbeschwerden“. Bei der Aktion sei es auf keinen Fall darum gegangen, die Obdachlosen zu vertreiben, sagt Sprecherin Hedwig Thomalla vom Sozialreferat. „Sondern darum, an verschiedenen Stellen an der Isar Müll zu beseitigen.“ Neben der Wittelsbacherbrücke räumten Arbeiter auch unter der Reichenbachbrücke, am Kabelsteg und am Isarhochufer entlang der Wittelsbacher Straße Sperrmüll.

Schläft seit vier Monaten unter der Wittelsbacherbrücker: Mitko A.

Matratzen, Schlafsäcke und Persönliches seien unter der Wittelsbacherbrücke gelassen worden, so Thomalla. Eingesammelte Gegenstände hätten die Mitarbeiter genau erfasst - diese könnten von den Wohnungslosen in einem Bauhof innerhalb von zwei Wochen abgeholt werden. Die Stadt betont: Die Obdachlosen seien durch Streetworker im Vorfeld über die Aktion informiert gewesen.

Einer derjenigen, die trotzdem nicht verstehen, was mit ihren Sachen geschieht, ist Mitko A. (50). Der Bulgare lebt seit vier Monaten unter der Brücke. Die Aktion beobachtet er aus sicherer Entfernung. Fragen, was gerade geschieht, traut er sich nicht.

Für Verwirrung gesorgt haben dürften auch ein Schild der Stadt, das im Vorfeld bei der Brücke angebracht worden war. „Camping verboten! Bitte entfernen Sie Ihre Sachen! Das Lager wird am 23.5.2017 geräumt!“, steht dort in mehreren Sprachen geschrieben. Dass lediglich Müll und Sperrmüll entfernt wird, ist nicht zu lesen.

Das Schild der Stadt.

In einer Stadtratsanfrage kritisieren nun die Linken, ob Obdachlose generell von ihren Plätzen unter den Isarbrücken vertrieben werden sollen. Die Wittelsbacherbrücke könnte hierbei ein repräsentativer Sonderfall sein: Sie ziert als Wahrzeichen das Münchner Logo für die Fußball EM 2020.

Unsere wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Isarvorstadt - mein Viertel“.

Auch interessant

Meistgelesen

Technische Störung an S4- und S20-Strecke ist behoben
Technische Störung an S4- und S20-Strecke ist behoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen

Kommentare