Diese Leere geht so richtig ans Geld

Streik: So leiden die Hauptbahnhof-Läden

München - Auch die Läden im Hauptbahnhof haben am Streik richtig zu knabbern. Für sie ist diese Leere eine wirtschaftliche Katastrophe.

Der Streik geht in die nächste Runde. GDL und Bahn schmollen, schimpfen, streiten, mobilisieren alle Kräfte – und die meisten Bahnhöfe sind wie leergefegt. Das ist für manchen Reisenden eine feine Sache: weniger Stress, mehr Platz, viel Ruhe. Für die vielen kleinen Geschäfte, die zum Beispiel am Münchner Hauptbahnhof um Fahrgäste und Touristen, kurz: Kunden – konkurrieren, ist diese Leere aber eine wirtschaftliche Katastrophe. Die tz hat sich am Hauptbahnhof umgesehen und festgestellt: Viele mag der Streit nur nerven – andere aber fangen an, sich ernsthaft Sorgen zu machen.

T. Scharnagl

Ich verstehe das alles nicht mehr

Schauen Sie sich um! Es ist Mittag, und im Café herrscht gähnende Leere. Normalerweise strömen jetzt die Leute herein, trinken Kaffee, ratschen – jetzt ist es ruhig. Viel zu ruhig! Wir machen derzeit weniger als die Hälfte des Umsatzes. Heute früh bin ich eine Stunde zu spät gekommen – der Streik … Und um 12.30 Uhr muss ich schon wieder gehen. Mein Chef schickt mich nach Hause – nichts zu tun! Ich verstehe den ganzen Streik nicht mehr …

Novak Julien (31) aus Augsburg mit Kollegin Anna Ambrosio (50), Segafredo

Wir machen 500 Euro weniger Umsatz am Tag!

Wir als Souvenirladen leben von der Laufkundschaft, von den Touristen. Wegen der Streiks aber ist hier nichts mehr los. Weil wir nichts zu tun haben, muss ich schon jeden Tag Mitarbeiter früher nach Hause schicken. Weil fast niemand mehr kommt. Pro Tag machen wir 500 Euro weniger Umsatz! Das ist sehr viel Geld für ein kleines Geschäft – die Miete ist ja auch nicht gerade billig in dieser Lage. Wenn das mit den Streiks so weitergeht wird es wirklich bald knapp für uns …

Sonya Beyerlein (45) aus Allershausen, Geschäftsführerin Top Trend

Stammkunden bleiben weg – viel weniger in der Kasse

Viele der Stammkunden fallen jetzt weg, weichen auf Autos oder Busse aus und meiden die Bahn. Unser Umsatz bricht bei jedem Streik um 35 bis 40 Prozent ein! Mein Verständnis neigt sich dem Ende zu. Die sollen sich endlich einigen! Ich wohne in Puchheim, bin auf die S-Bahn angewiesen. Arbeit und Familie sind auf die Minute abgestimmt. Meine drei Kinder muss ich aus der Schule abholen! Der Streik stört den geplanten Tagesablauf.

Sandra Pavic (37) aus Puchheim, Tabak Arnold

Unser Streik-Ticker

Rubriklistenbild: © Bodmer

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