Nach Hausverkauf

Thalkirchner Straße: Mieter befürchten Luxussanierung

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Die Mieter fürchten Ungemach: Das Wohn- und Atelierhaus an der Thalkirchner Straße 80 ist verkauft worden und soll nun saniert werden.

München - Böse Überraschung für die Mieter der Thalkirchner Straße 80. Der private Hausbesitzer hat das denkmalgeschützte Gebäude zum Jahresende verkauft. Die Mieter der gut 20 Wohnungen fürchten Luxussanierungen – einigen Künstlern wurden ihre Ateliers bereits gekündigt.

„Die neuen Eigentümer wirken sehr sympathisch – aber auch entschlossen“, sagen die Mieter in der Thalkirchner Straße 80. Bereits bevor der Kaufvertrag zum 1. Januar 2017 in Kraft tritt, haben Mitarbeiter des Investors KL und Bavaria Projektinvest GmbH einzeln das Gespräch mit den Mietern gesucht. Dabei ließen sie laut den Mietern an ihren Plänen keinerlei Zweifel. Vorder- und Hinterhaus sollen komplett saniert, das Dachgeschoss ausgebaut und ein Lift eingebaut werden.

Die Mieter sollen raus

Dafür würde man die Bewohner gerne loswerden: Wer sich als Mieter schon heute freiwillig bereit erkläre auszuziehen, bekomme eine großzügige Abfindung, berichten die Mieter. „Je eher man auszieht, desto mehr gibt es vom Abfindungskuchen“, soll es geheißen haben. So leicht wollen sich die langjährigen Mieter allerdings nicht vertreiben lassen. Gleich acht von ihnen waren deshalb in die Sitzung des zuständigen Bezirksausschusses Ludwigs-/Isarvorstadt gekommen, um ihren Fall zu schildern. Die Mieter, von denen viele schon lange in dem Haus leben, fürchten um ihre günstigen Mieten von unter zehn Euro pro Quadratmeter. Allerdings gibt es dafür auch teils noch Ofenheizungen, teilweise Etagenklos und keinen Aufzug.

Um- und Ausbau muss erst genehmigt werden

Was genau an Umbaumaßnahmen geplant ist, steht noch nicht fest. Zunächst müssten die neuen Eigentümer Anträge für die Um- und Ausbaumaßnahmen einreichen. Die Lokalpolitiker und ein ebenfalls anwesender Vertreter des Mieterbeirats empfahlen den Bewohnern, zuallererst eine Mietergemeinschaft zu bilden, um ihre Interessen gegenüber den neuen Eigentümern besser vertreten zu können.

Bereits gekündigt sind an der Thalkirchener Straße 80 mit Vollmacht des alten Eigentümers mehrere darin gelegene Ateliers im Keller und Erdgeschoss. „Das ist wirklich sehr schade“, klagt eine der Betroffenen, die Künstlerin Therese Hefele. Denn das Haus blicke auf eine lange Kunsttradition zurück. „Der bisherige Besitzer hat sich immer aktiv für Kreative eingesetzt, auch Filmproduktionen und Regisseure waren hier ansässig.“

Wohnungen sollen einzeln verkauft werden

Angeblich vier Millionen Euro wollen die Investoren in die Sanierung stecken. Damit sich das rechnet, sollen die Wohnungen dann einzeln verkauft werden. „Es ist klar, das in dem Haus etwas passieren muss“, sagt Kristian Leimer von der KL und Bavaria Projektinvest. „Jahrelang wurde nichts gemacht, elektrische Leitungen, Telefonkabel und Gasleitungen sind teilweise völlig unzulässig verlegt.“ Was und wann umgebaut werden soll, stehe aber noch nicht fest. „Auf uns wird ein anstrengendes Jahr 2017 zukommen“, sagt Mieter Markus Brändle. Er hofft auf die Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft der neuen Eigentümer und eine starke Mieter-Gemeinschaft.

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