Mieter können nicht einziehen

The Seven: Schlamperei im Luxus-Turm

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Wirt Dietmar Holzapfel vor dem The-Seven-Turm: Die Eigentümer ­dürfen noch nicht einziehen.

München - Eigentlich sollte der Luxus-Turm "The Seven" bereits Ende Januar bezugsfertig sein. Doch jetzt müssen die Mieter teilweise noch Monate auf ihren Einzug warten. Offenbar wurde beim Bau geschlampt.

Die Concierge-Dame sitzt schon adrett gekleidet im schicken Empfangsraum. Aber sie hat nichts zu tun: Denn die über 20 Eigentümer der ­Luxuswohnungen im 56-Meter-Turm des Bauobjekts The Seven in der Müllerstraße dürfen noch nicht rein – obwohl der geplante Einzug spätestens für den 31. Januar zugesichert war.

Die zuständige Landesbank Baden-Württemberg LBBW bestätigt der tz, dass im Turm der Übergabetermin nicht eingehalten werden konnte. „Die Übergaben werden Ende des Monats beginnen und leider vereinzelt bis in den April reingehen“, sagt Sprecherin Brigitte Reibenspies. Die Verzögerung läge an „Sonderwünschen der Kunden sowie an den Änderungen der Grundrisse“. Zwei Monate Verzögerung seien in diesem Geschäft ja fast noch in der Zeit.

Holzapfel: Firma mit Arbeiten im Luxus-Turm wohl etwas überfordert

Stichwort: The Seven

16 Millionen Euro soll die zweistöckige, 700 qm große Penthouse-Wohnung kosten, die ein Münchner Pharmaunternehmer ganz oben gekauft hat. Der Luxusbau The Seven ist ein Projekt der Superlative: Die meisten der 27 Wohnungen im Turm haben einen fantastischen Blick über München, der qm kostet hier um die 9000 Euro, in den exklusivsten Wohnungen bis zu 14.000 Euro. Es gibt einen 24-stündigen Concierge-­Service, einen privaten Spa- und Wellnessbereich und einen Wasserpark. Zum Komplex gehören auch das Atrium mit ­Wohnungen und ein Bau mit Büro- und Geschäftsräumen.

Manch ein Luxus-Eigentümer spricht stattdessen von Schlamperei! Dietmar Holzapfel, der Wirt des Hotels Deutsche Eiche, der die halbe 12. Etage für fünf Millionen Euro gekauft hat und schon vergangenen Oktober einziehen wollte, sagt: „Bei uns sind einige Pannen passiert: Bei Arbeiten am Estrich hat ein Arbeiter aus Versehen die Fußbodenheizung aufgeschnitten. Und einer wollte die Leitungen für unseren Whirlpool auf der falschen Zimmer-Seite verlegen.“ Holzapfel vermutet, dass eine Firma mit den Arbeiten im Luxus-Turm wohl etwas überfordert sei.

Während der verspätete Einzug gerade für die Eigentümer, die die Wohnung weitervermieten, ein echtes Problem darstellt, bleibt Holzapfel gelassen. „Wir können erst mal noch in Taufkirchen bleiben. Außerdem dachte ich noch vor einem halben Jahr, dass ich den Einzug gar nicht erlebe.“ Denn was viele nicht wissen: Holzapfel war vor einem halben Jahr sterbenskrank (siehe Text unten).

Nina Bautz

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Dietmar Holzapfel: "Wir dachten, ich sterbe"

Am schwärzesten Tag weinten Dietmar Holzapfel, der Wirt der Deutschen Eiche, und sein Ehemann Sepp Sattler wie kleine Kinder. Sie planten schon Dietmars Beerdigung: Nur im engsten Rahmen sollte sie stattfinden und eine Feuerbestattung sollte es werden. Heute erzählt Holzapfel der tz: „Ich dachte drei Monate lang, dass ich sterben muss.“

Dietmar Holzapfel (li.) mit Ehemann Sepp Sattler vor ihrem Hotel.

Die Tragödie beginnt am 15. Juli 2013. Der 57-jährige Holzapfel hat Schmerzen im Bauch und Rücken. Der Hausarzt schickt ihn in ein Städtisches Klinikum: Gelbsucht! „Man hat mir die Gallenblase entfernt – ein Routine-Vorgang. Dabei ist aber der Stent, ein kleines Röhrchen, in die Bauchspeicheldrüse gerutscht“, erinnert sich Holzapfel. Beim Versuch, es rauszuholen, verletzt der Chirurg die Bauchspeicheldrüse – sie entzündet sich. „Das war lebensbedrohlich!“ Fünf Wochen liegt Holzapfel im Krankenhaus, nimmt 18 Kilo ab. „Noch viel schlimmer: Man sagte mir, dass ich dort wohl einen Tumor hätte und deshalb ein lebensgefährlicher Eingriff nötig sei. Ich habe mit dem Leben abgeschlossen.“

"Materielle Dinge wie unsere Luxuswohnung sind nicht wichtig"

Im Krankenhaus wird Holzapfel depressiv, bekommt Psychopharmaka. „Ich dachte nur daran, dass ich meinen Partner nach 37 Jahren nicht alleine lassen kann.“ Aus Angst, Sattler mit Schulden alleine zu lassen, verkauft der Wirt eines seiner Häuser. Er schläft kaum noch. Bis Holzapfels Schwester ein Zweitgutachten einholt: Der Arzt rät zu weiteren Untersuchungen. Und da stellt sich raus: Holzapfel hat gar keinen Tumor!

Noch heute plagen Holzapfel Albträume. Das Röhrchen ist noch immer in seinem Körper – er wird oft ins Krankenhaus gehen müssen. Eines habe er in diesem dramatischen Jahr gelernt: „Materielle Dinge wie unsere Luxuswohnung sind nicht wichtig. Das wahre Glück kann so schnell zerstört sein.“

Nina Bautz

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