Schmankerl aus ehemaliger Toilette

Diese Gebäude an der Wiesn kennt jeder Münchner, doch jetzt hat es eine vollkommen neue Funktion

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Ehemalige Bedürfnisanstalt: Das denkmalgeschützte Häusl an der Theresienwiese ist jetzt ein Wirtshaus.

Einst ein Brausebad, dann eine Bedürfnisanstalt, jetzt ein bayerisches Wirtshaus mit dem Namen „Das Bad“: In dem ehemaligen Klohäusl direkt neben der Wiesn gibt’s jetzt Bier und Brotzeit. Nun feiert das Lokal Eröffnung.

München - Brausen, Baden, Bieseln – das war einmal. Bayerisches Essen und schäumendes Bier, das finden die Münchner jetzt im ehemaligen Klohäusl an der Theresienwiese. In dem denkmalgeschützten Bauwerk am Bavariaring 5 eröffnet am Donnerstag um elf Uhr das moderne Wirtshaus mit dem Namen „Das Bad“ – in Anlehnung an die Geschichte. Denn das Gebäude, 1894 von Prinzregent Luitpold errichtet, diente einst als öffentliches Brause- und Wannenbad für die Bewohner der Schwanthalerhöhe. In der Regel hatten die Menschen in der damaligen Arbeitervorstadt kein Badezimmer. Sie waren auf öffentliche Anstalten angewiesen. Das alte Tröpferlbad wurde später zur öffentlichen Bedürfnisanstalt umfunktioniert. In den vergangenen Jahrzehnten wurde es dann nur noch zur Wiesnzeit genutzt.

Das Wirtepaar kennt sich mit ungewöhnlichen Objekten aus: Christian und Katrin Lehner bewirtschaften das Parkcafé im Alten Botanischen Garten. Hier stehen die Gastronomen in der Wirtsstube von „Das Bad“.

Nun also ist es ein Wirtshaus. Die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, die stark im Denkmalschutz engagiert ist und über die Hälfte der Anteile am Augustinerbräu hält, hat das Häusl vor über einem Jahr saniert. Betreiber Christian Lehner hatte zunächst überlegt, das Lokal „Bedürfnisanstalt“ zu nennen. „Macht jetzt aber nicht unbedingt Appetit auf gutes Essen“, sagt der Wirt.

Was tatsächlich schade wäre, denn kulinarische Befriedigung, das findet der Gast in jedem Fall: Brot und Brezn kommen aus dem hauseigenen Ofen. Deftiges gibt’s, etwa Spanferkelrollbraten für 11,50 Euro oder Backhendl für 13,50 Euro – so wie Würstl aller Art: Gebackene Milzwurst mit Kartoffelsalat (8,90 Euro) oder Wollwürstl (6,50 Euro). Für Kinder werden Serviettenknödel oder Leberkäse (6,50 Euro, inkl. Getränk) serviert. So wie allerhand gesunde Salate ab 10,50 Euro.

„Das Bad“: Jeder Gedanke an eine Toilette verfliegt sofort

„Familien und Nachbarn aus dem Viertel sollen sich bei uns wohlfühlen wie im eigenen Wohnzimmer“, sagt Ehefrau und Mit-Betreiberin Katrin Lehner. Gemütlich ist es: Helles Holz, warmes Licht und der Duft von frischem Gebäck, der durch die Wirtsstube strömt – da ist jeder Gedanke an eine öffentliche Toilette sofort verflogen. Bier (die Halbe Augustiner für 3,70 Euro), Bratwurst und Backwaren gibt’s zusätzlich auch als Wegzehrung. Nach hinten raus ist ein Gassenverkauf (9 bis 23 Uhr). Falls das Fenster der Schenke mal zu sein sollte, gibt es eine Glocke zum Läuten. Eine größere Freischankfläche ist auch geplant. Direkt vor dem Haupteingang sollen ab Frühling noch Tische und Stühle gestellt werden.

Hauseigener Ofen im Gastraum: Mitarbeiter Ringo David Heger zeigt, wo Brot und Brezn gebacken werden.

Zunächst sind die Münchner aber auf den Innenraum gespannt, der einen Besuch wert ist. Innen ist für 99 Leute Platz. In der Mitte des Gastraums befindet sich eine runde Theke mit einer riesigen Kupferesse darüber. Immer wieder haben sich dieser Tage Passanten am Fenster die Nase platt gedrückt. Sie sind neugierig, was aus dem Häusl geworden ist. „Es scheint dem Mensch ein Bedürfnis zu sein, hier reinzukommen“, sagt Lehner und lacht.

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Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Ludwigsvorstadt – mein Viertel“.

Tina Layes

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