Die SPD sattelt um

Tierschutz vor Tradition: Pony-Verbot für die Wiesn?

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Bilder wie diese auf der Auer Dult soll es in Zukunft auf der Wiesn nicht mehr geben.

München - Zieht die Stadt jetzt die Zügel an? Auf Wunsch der Rathaus-SPD soll Ponyreiten bei der Auer Dult und auf der Wiesn verboten werden!

„Tierschutz muss mehr Gewicht haben als Tradition“, sagt Stadträtin Bettina Messinger.

Für Tradition steht die Familie Schubert aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Wie lange sie schon das Ponyreiten bei der Auer Dult veranstaltet, kann Alexander Schubert (70) nicht sagen. Es seien aber schon viele Jahre. Und noch länger gibt es den Betrieb. „Den hatte mein Urgroßvater schon.“

Verstehen kann er daher die ganze Aufregung nicht. Den Ponys ginge es gut. „Bei uns kommt immer zuerst das Tier, dann der Mensch.“ Außerdem sei das Veterinäramt immer vor Ort. „Die Tiere laufen nicht Tag und Nacht. Das wird übertrieben dargestellt.“ Und bei den Besuchern komme die Show stets gut an. „Die sagen: ,Schön, dass es so etwas noch gibt!‘“

Doch nicht mehr lange – geht es nach der SPD. Denn Musik, Lichteffekte und Besucherlärm stressten die Tiere. Zudem müssten sie den ganzen Tag im Kreis trotten, was zu Gelenk- und Wirbelschäden führen kann. Das soll ein Ende haben!

Ganz exklusiv ist der SPD-Vorstoß nicht: Die Stadt Dachau hatte unlängst entschieden, beim Volksfest kein Ponyreiten mehr zu erlauben. Der Tierpark Hellabrunn hat es ebenfalls abgeschafft. Und die Münchner Grünen hatten 2011 die Anfrage für ein Pony-Verbot gestellt. Das Kreisverwaltungsreferat lehnte das ab. Die tierschutzrechtlichen Standards würden eingehalten. „Sollte sich die Einstellung jetzt geändert haben, dann ist das natürlich ganz in unserem Sinne“, sagt Katrin Habenschaden.

CSU-Tierschutz-Expertin Evelyne Menges sieht es genauso: „Ich finde das uneingeschränkt gut und werde in der Fraktion für den Antrag werben.“

Auch der Tierschutz-Verein ist begeistert über das Pony-Tabu! „Den Kindern wird ein falsches Bild vermittelt, Tiere sind keine Gebrauchsgegenstände“, sagt Sprecherin Judith Brettmeister.

Der Verein hatte im vergangenen Jahr vier Pferdchen von der Dult weggekauft, aufgepäppelt und vermittelt. „Die haben nun fantastische Plätze, wo sie einfach nur Pony sein können!“

Sascha Karowski

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