Polizei überprüft DNA des Waffennarren

Toter im Glockenbach: Gibt es eine Spur zum Isarmord?

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In seinem Apartment hatte der völlig zurückgezogen lebende Mann ein Arsenal an Messern, Macheten, Softair-Pistolen sowie eine eigenartige Kampfausrüstung gebunkert.

München - Im Falle des Toten vom Glockenbachviertel sind auch eine Woche nach dessen Selbstmord viele Fragen offen. Die Polizei will nicht ausschließen, dass Dominic H. auch was mit dem Isarmord zu tun hat.

Der Waffennarr vom Glockenbach: Fast eine Woche nach seinem Selbstmord sind noch viele Fragen offen. Vor allem die nach dem Warum. Warum setzte Dominic H. (32) seinem Leben ein Ende, als zwei Mitarbeiter der Waffenbehörde und Polizisten seine zwei scharfen Pistolen sicherstellen wollten? Hatte Dominic H. mehr zu verbergen als das Waffenarsenal (darunter auch zahlreiche Messer), das er in seinem Apartment gebunkert hatte? Jetzt kommt zusätzliche Brisanz in den Fall: Denn die Polizei will nicht ausschließen, dass Dominic H. auch was mit dem Isarmord zu tun hat. „Es liegt auf der Hand, dass wir einen Zusammenhang prüfen“, bestätigt Polizeisprecher Wolfgang Behr gegenüber der tz. Unweit von H.’s Wohnung in der Holzstraße wurde vor fast einem Jahr der Italiener Domenico L. von einem bislang unbekannten Messerstecher ermordet (siehe Text unten).

Die tz dokumentiert die möglichen Verbindungen

Die Nähe zum Tatort: Von der Erhardtstraße auf Höhe des Europäischen Patentamtes bis zur Holzstraße sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Der Mörder von Domenico L. war nach der Tat davongelaufen, seine Spur verlor sich schon nach wenigen Metern. Der Täter muss sich in der Gegend gut ausgekannt haben. Waffennarr Dominic H. lebte seit zehn Jahren in der Isarvorstadt.

Keine DNA im Computer: H. war bis zu seinem Tod – zumindest für die Polizei – ein völlig unbeschriebenes Blatt. Auch die DNA des Mörders von der Isar tauchte bislang nicht im Computer auf. Jetzt werden die vom Messerstecher hinterlassenen Spuren mit der von Dominic H. verglichen.

Das bizarre Leben: Über Dominic H. ist so gut wie nichts bekannt. Die Nachbarn bekamen ihn kaum zu Gesicht, seit seinem Austritt aus dem Schützenverein führte er offenbar ein Leben im Untergrund. Bei der Beschreibung des Isarmörders fällt zumindest eines auf: Der Täter trug einen für Ende Mai ungewöhnlich langen, schwarzen Mantel.

Die Täterbeschreibung: Der Mörder von der Isar wurde von Zeugen als etwa 30 Jahre alt beschrieben. Waffennarr Dominic H. war 32 Jahre alt.

Domenico war ein Zufallsopfer

Domenico L. († 31) wurde an der Isar niedergestochen.

Es war ein lauer Abend am 28. Mai 2013, als der italienische Luft- und Raumfahrt-Ingenieur Domenico L. (31) mit seiner Freundin an der Isar entlang radelte. Nahe der Corneliusbrücke wurde sie plötzlich von einem etwa 30-jährigen Mann angespuckt. Als Domenico den Unbekannten zur Rede stellen wollte, zog dieser ein Messer und stach auf sein Opfer ein. Verzweifelt versuchte er sich zu wehren, doch er hatte keine Chance. Von mehreren Stichen tödlich getroffen brach der Ingenieur zusammen.
Von dem Mörder fehlt bislang jede Spur, dabei hat die Polizei seine DNA: Der Täter hatte sich selbst verletzt und am Tatort Blut verloren. Doch die DNA ist nicht registriert. Der Täter dürfte zuvor nicht durch Gewalttaten aufgefallen sein. Die „Soko Cornelius“, die inzwischen zu einer Ermittlungsgruppe geschrumpft ist, ging mehr als 500 Hinweisen nach. 3000 Männer mussten sich einer Speichelprobe unterziehen. Bislang verlief jedoch jede Spur im Sand. Von dem Mörder ist nur bekannt, dass er am Tatabend einen langen schwarzen Mantel trug.

Toter im Glockenbachviertel - Bilder vom SEK-Einsatz

Toter im Glockenbachviertel - Bilder vom SEK-Einsatz

tz

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