TZ-Serie "Das Bahnhofsviertel"

Die Gastgeber im Bahnhofsviertel

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Hotelchefin Kathrin Wickenhäuser und ihr Vater Fritz auf der Dachterasse - die Familie betreibt die Hotels Dolomit und Cristal.

München - Wer ein Hotel in München bucht, hat große Chancen, bei ihnen zu landen: Im Bahnhofsviertel sind die meisten Gastgeber der Stadt zu finden. In der großen tz-Serie zum Bahnhofsviertel geht es heute um die Hotels.

Die Gastgeber im Viertel, das sind Menschen wie Kathrin Wickenhäuser, Conrad Meyer oder Leo Milchiker. Sie arbeiten im Viertel mit der größten Hotel-Dichte ganz Europas. Nicht nur was die Zahl der Betten für München-Besucher angeht, ist das Bahnhofsviertel einsame Spitze. Auch in Sachen Auswahl. „Vom Fünf-Sterne-Haus bis zur einfachen Pension ist alles vertreten“, so Conrad Meyer, seines Zeichens Hotel- Chef und Vize im Bezirk Oberbayern des Hotel- und Gaststättenverbands. Auf rund 18 000 wird die Bettenzahl in diesem Hotspot geschätzt. Anders ausgedrückt: rund 60 Prozent aller Hotelbetten in München.

Kathrin Wickenhäuser ist Chefin von zwei Hotels und von 400 dieser rund 18.000 Betten. Außerdem ist sie Vizepräsidentin der IHK – und beobachtet

Auch ein Haus der Wickenhäusers: das Hotel Cristal.

von Kindesbeinen an, seit ihre Familie das Autohaus an der Schwanthalerstraße in ein Hotel umwandelte, die Entwicklung der Hotellerie zwischen Bayerund Landwehrstraße. „Fast jedes Haus, das verkauft oder umgebaut wird, wird zum Hotel“, so ihre Feststellung. Der Preiskampf ist entsprechend hart, die Konkurrenz brutal. Und die Rendite geht in den Keller. Trotzdem sagt Kathrin Wickenhäuser: „Lieber noch ein Hotel als noch mehr Spielhallen und Sexshops.“

Wird das Bahnhofsviertel mittelfristig zur reinen Schlafzone für Auswärtige? Wird es denn immer so weitergehen mit dem Hotelboom südlich des Hauptbahnhofs – oder ist ein Ende in Sicht? Wickenhäuser, Chefin der Hotels Cristal und Dolomit, glaubt nicht, dass schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist – aber sie setzt auf die räumlichen Gegebenheiten: „Es gibt nicht mehr so viele große Flächen – und für einen Konzern lässt sich so ein Haus erst ab mehr als 100 Zimmern wirtschaftlich betreiben.“

Denn genau diese Konzerne und Ketten – dazu die ganz großen Finanzjongleure – zieht es mit Macht nach München, ins Bahnhofsviertel. Mit erstaunlichen Ergebnissen wie gerade erst beim Verkauf des Méridien in der Bayerstraße. 158 Millionen Euro für ein Haus mit 381 Zimmern und Suiten? „Wir bewegen uns in Kategorien wie in Paris“, sagt Hotelier Conrad Meyer, „in der Meisterklasse der europäischen Hotellerie.“ Rational, mit dem strengen Blick auf eine anständige Rendite, sind solche Kaufpreise nicht zu rechtfertigen. Dabei geht es um Prestige, um Präsenz. „Man leistet sich eine Immobilie in guter Lage“, so der Chef des Conrad-Hotels, der es sich längst abgewöhnt hat, sich bei jedem neuen Mitbewerber neue Sorgen zu machen. Obwohl er das Geschäft durchaus als „tägliche Herausforderung für die Betreiber ansieht. Die ganze Branche steht und fällt mit der Auslastung. Und die ist extrem konjunkturabhängig. Zuletzt haben das die Hoteliers während der Finanzkrise 2009 feststellen müssen.

Wie setzt man sich von der Konkurrenz ab, wie setzt man als Gastgeber eigene Akzente, die von den Gästen auch wahrgenommen und gewürdigt werden? Leo Milchiker, seit Jahrzehnten Besitzer eines Pfandhauses und seit einigen Jahren auch Hotelbesitzer in der Schillerstraße, setzt auf persönliche Betreuung und Wohlfühl-Ambiente. Im Schiller5 geht es fast schon familiär zu, der Chef ist zum Beispiel beim Frühstück dabei und begrüßt

Wie bei Monopoly: Das Méridien an der Bayerstraße wechselte vor Kurzem den Besitzer.

die Gäste bei ihrem Start in den Tag – dabei bekommt er ungefiltert Anregungen zu Verbesserungen in seinem Haus. Der Erfolg ist messbar: Das Schiller5 erhielt 2014 als einziges Hotel in München den „HolidayCheck Award“ und zählt dank der guten Benotung durch die Gäste sogar „zu den beliebtesten Hotels weltweit“, wie das Haus stolz verkündet.

Menschen wie Milchiker, Wickenhäuser und Meyer meint Bezirksausschuss- Chef Alexander Miklosy, wenn er „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ auf die immer noch steigende Hoteldichte in der Ludwigsvorstadt schaut. Am liebsten wären ihm natürlich neue Wohnungen im Quartier. „Je mehr Bewohner es gibt, desto mehr Verantwortung übernehmen sie für ihr Umfeld“, so die Rechnung des langjährigen Stadtteil-Politikers.

„Aber so etwas machen natürlich auch Geschäftsleute wie die privaten Hotelbetreiber, die sich persönlich einbringen.“ Nicht nur als Gastgeber, sondern auch als Nachbarn.

Rudi Huber

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